Rückschlag fürs Stadtmarketing

Die erste Aktion: Von der Aufbruchstimmung ist nicht mehr viel zu spüren.

Zwei weitere Mitglieder des Vorstands erklärten Rücktritt

Langenhagen (kr). Ausgerechnet die Veranstaltung, die der Öffentlichskeitsarbeit und speziell der Mitglieder-Werbung dienen sollte, geriet zu einem einzigartigen Desaster. Die Rede ist vom Marketing-Lunch des Stadtmarketing-Vereins am vergangenen Mittwoch. Zunächst erklärte Manuela Aufermann, die seit Vereinsgründung im September 2008 dem Vorstand als Beisitzerin angehört, ihren Rücktritt. Dabei schob sie keine berufliche Überlastung vor, sondern sie redete Klartext: "Ich bin tief entäuscht von der Vereinsspitze, insbesondere durch sich häufende Diskrepanzen im zwischenmenschlichen Bereich, die schon an Mobbing grenzen." Fast im Alleingang hatte Michaela Aufermann im Sommer 2009 anlässlich des Stadtjubiläums die Aktion "50 x 50 - eine Stadt blüht auf" geschultert, bei der mehr als 60 sehenswerte Blumenbeete entstanden waren. Investiert in dieses Projekt hatte sie dabei unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden. Dabei leitet sie ein Werbeunternehmen und arbeitet als Gestalterin für visuelles Marketing. "Meine Arbeit ist mit vielen zeitaufwendigen Dienstreisen im norddeutschen Raum verbunden", betonte sie gegenüber dem ECHO, "da konnte ich nicht mehr nachvollziehen, dass mir Vorstandsmitglieder unter anderem wiederholt Vorwürfe machten, ich sei vormittags nicht erreichbar. Eine weitere Zusammenarbeit war auch unter diesen Umständen für mich undenkbar." Der zweite Rückschlag für das Stadtmarketing ließ nicht lange auf sich warten. Auch Birgit Ehlers-Ascherfeld, erst im Januar dieses Jahres zum stellvertretenden Vorstandsmitglied für den Bereich Finanzen gewählt, gibt ihr Amt in den nächsten Tagen ab. Die Inhaberin eines Langenhagener Gärtnerei-Fachbetriebs sieht "keine Ansätze für größere Konzepte". Stadtmarketing bedeute, die Stadt tatsächlich mit einvernehmlichen gemeinsamen Konzepten zu vermarkten. "Im Vorstand" so Birgit Ehlers-Ascherfeld, "gebe es leider zu viele persönliche Interessen für eigene Projekte".
Mit Manuela Aufermann und Birgit Ehlers-Ascherfeld traten nun schon insgesamt acht Vorstandsmitglieder zurück. Zuvor hatten schon Horst-Dieter Soltau, Gerd Melf, Udo Püschel, Bettina Reimann, Walter Pohl und Martin Bergau das Handtuch geschmissen. Vom ersten, im September 2008 gewählten Vorstand, ist nur Günter Sachs übrig geblieben. Der engere Vorstand besteht jetzt nur noch aus dem kommissarischen Vorsitzenden Sachs und seiner Vertreterin Petra Ostermann. Damit ist auch die Beschlussfähigkeit infrage gestellt. Die restlichen drei Beisitzer sind Lothar Klein, Jan Waldhecker und satzungsgemäß Bürgermeister Friedhelm Fischer. Ein Vertreter der Stadt Langenhagen wurde auf dieser Veranstaltung nicht gesichtet.
Seinen Austritt mit seinem Maler-Betrieb aus dem Stadtmarketing erklärte während des Essens auch Mac Köhler, der für die Zukunft des Vereins in der jetzigen Konstellation keine Perspektiven sieht. Als Fraktionschef der SPD hatte er erst kürzlich erklärt, "dass mit den vielen persönlichen Differenzen keine konzeptionelle Arbeit im Stadtmarketing möglich ist". Eine Option sei vielleicht noch ein hauptamtlicher Geschäftsführer. Beim Verein hatte die Bemerkung Köhlers über ständige Querelen Ärger ausgelöst. Der Kommentar des kommissarischen Vorsitzenden Günter Sachs noch am 21. April: "Die Zusammensetzung der Vereinsführung ist so gut wie noch nie seit Bestehen des Vereins. Keiner hat eigene Interessen im Blick." Nur wenige Wochen später hatte der Vereins-Vorstand wieder zwei Mitglieder verloren. Günter Sachs, der aus gesundheitlichen Gründen nicht am Lunch teilnehmen konnte, meldete sich jetzt per E-Mail kämpferisch zu Wort: "Es ist leicht, ein vermeintlich sinkendes Schiff zu verlassen. Es ist die schwierigere Aufgabe, es wieder flott zu machen. Dieser Aufgabe stellen wir uns." Sachs begrüßte den Vorstoß aus der Politik, "dem Stadtmarketing eine professionelle Geschäftsführung zu geben, die gerade auch jene Aufgaben übernehmen, die ehrenamtlich schwer zu realisieren sind". Er hoffe auch auf die Mitarbeit lokaler Werbegemeinschaften, des Wirtschaftsclubs und des EU-Projekts "PferdeStärken".
Der Marketing-Verein hatte im vergangenen Jahr Einahmen und Ausgaben in Höhe von je 103.000 Euro. Den Löwenanteil der Einnahmen machte der Zuschuss der Stadt Langenhagen in Höhe von 75.000 Euro. Dieser hohe Zuschuss der Stadt war verwunderlich, da der Stadtmarketing-Verein am 31. Dezember 2008 bereits aus dem Gründerjahr, das nur vier Monate dauerte, noch ein Vermögen von 30.540 Euro auf dem Konto hatte und heute noch hat.
Es gab allerdings auch einen Lichtblick auf dieser Veranstaltung, die in der Schulenburger Gaststätte Rust stattfand: Inhaber Roman Sander verwöhnte die Gäste mit einem hervorragenden Menü.