Rücksichtnahme ist zu lernen

Auskunft seitens der Stadtverwaltung erteilten Roman Sickau (von links), Mirko Heuer und Juliane Stahl. (Foto: D. Lange)

Anwohner Am Hohen Brink machen Vorschläge

Langenhagen (dl). Die befürchtete Schlammschlacht blieb aus, auch wenn die Stimmung unter den verärgerten Anwohnern des Hohen Brinks, die zu der Versammlung in die Friedrich-Ebert-Schule gekommen waren, zunächst gereizt erschien. Darauf deuteten die zahlreichen Briefe und Mails mit äußerst fragwürdigem Inhalt hin, die die Stadtverwaltung zu dem Thema erreichten. Heuer verwahrte sich denn auch gleich zu Beginn der Versammlung gegen jegliche pauschale und herabwürdigende Diffamierung der Verwaltungsangestellten. „Wir haben Sie eingeladen, um Ihnen die Situation aus der Sicht der Stadtverwaltung zu erläutern und wollen darüber heute abend mit Ihnen in das Gespräch zu kommen“, sagte der Bürgermeister, der sich zusammen mit seinem Referenten Roman Sickau und der Stadtsprecherin Juliane Stahl den Fragen der Anwohner stellte. Heuer räumte in diesem Zusammenhang ein, dass offenbar nicht alle Anwohner eine Einladung erhalten hätten.
Worum geht es? Der Ärger der Anwohner Am Hohen Brink ist groß, denn durch Wegfall des sogenannten halbhüftigen Parkens der Autos mit zwei Rädern auf dem Gehweg hat sich die verfügbare Straßenbreite auf durchschnittlich 3,30 Meter verringert, wodurch ein reibungsloser Begegnungsverkehr nicht mehr möglich ist. Diese Maßnahme, die nötig geworden war aufgrund der aktuellen gesetzlichen Bestimmungen zugunsten breiterer Gehwege, bewirkte gleichzeitig eine Reduzierung der gefahrenen Geschwindigkeiten in der Straße. Etwas, was eigentlich im Sinne der Anwohner sein sollte, die sich dort im Vorfeld über etliche Tempoverstöße beklagt hatten. In einer 24-Stunden-Studie hierzu wurde nach der Reduzierung der Fahrbahnbreite eine deutliche Veringerung der Verkehrsverstöße im Vergleich zu vorher festgestellt. Heuer gab zu, dass der Stadtverwaltung durchaus ein gewisser Ermessensspielraum zur Verfügung stand, als es um die Änderung der bis dahin geltenden Parkregelung ging. Mit der Einschränkung aber, dass über kurz oder lang doch geändert worden wäre, denn der Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer, somit der Fußgänger und Radfahrer, geniesst mittlerweile einen hohen Stellenwert mit einer starken Lobby in der Gesellschaft. Das hat weitreichende Auswirkungen auf die aktuelle Gesetzgebung. Diese sieht für Fußwege beispielsweise eine Mindestbreite von 2,50 Meter vor. Dass die jetzige Lösung auch nur ein Kompromiss sein kann, zeigt sich daran, dass wegen der geringeren Fahrbahnbreite insbesondere die älteren Verkehrsteilnehmer und die Kinder sowie deren Eltern, nach Aussage einiger Anwohner, mittlerweile ein starkes Gefühl der Unsicherheit empfinden, wenn sie mit dem Fahrrad unterwegs sind. Die Autos müssen zwangsläufig hinter ihnen her fahren, denn zum Überholen ist die Straße zu schmal. Auch das Einfahren in den Hohen Brink von der Hindenburgstraße aus sei problematisch und verlange von den Autofahrern wegen der beengten Platzverhältnisse ein hohes Maß an Rücksichtnahme und Kooperationsbereitschaft. Die Anwohner machten auf der Versammlung eine Reihe von Vorschlägen zu der Verkehrssituation in ihrer Straße, von denen die Variante des versetzten Parkens mit gekennzeichneten Parkflächen auch im Rathaus ein mehrheitsfähiger Kompromiss sein könnte, mit dem zumindest auch ein Großteil der Anwohner zufrieden sein können.