Saatkrähen stoppen Bebauungspläne

Die Saatkrähe steht unter Artenschutz und darf nicht vergrämt werden. (Foto: R. Stankewitz)

Kolonie im Stadtpark macht beachtlichen Lärm

Langenhagen (gg). Geplant ist die Bebauung der Freifläche zwischen Elisabeth-Arkaden und Stadtparkallee bereits, das ECHO berichtete in der Ausgabe vom 1. Juni, Seite 5. Die von der Entwicklungsgesellschaft (EL) der Stadt in Auftrag gegebene Ausarbeitung und Visualisierung durch das Architekturbüro Busch/Hübotter/Stürken fand in der jüngsten Sitzung des Stadtplanungs- und Umweltausschusses die Zustimmung aller Fraktionen. Zustimmung aller Fraktionen gab es auch zum CDU-Antrag, das Modell Alter-Plus-WG in das Bebauungskonzept zu übernehmen, zumindest für einen Teilbereich. Zielgruppe dieses Modells sind die über 50-Jährigen, die barrierefrei in Wohngemeinschaften leben wollen.
Damit ist die Vorraussetzung für die EL gegeben, das Grundstück zu veräußern. Überrascht äußert sich Werner Kirschning aus dem Vorstand der Naturkundlichen Vereinigung Langenhagen im Gespräch mit dem ECHO: „Das wird Probleme geben. Dort ist doch die Saatkrähen-Kolonie und die steht unter Artenschutz. Die Saatkrähe ist sehr selten geworden, weil sie viel Krach macht und daher überall vergrämt wurde. Das ist nun verboten.“ „Die Lärmbelästigung durch die Krähen ist hinzunehmen, in Langenhagen ist es sowieso laut“, meint der Naturschutzbeauftragte Ricky Stankewitz. Das Krächzen der Krähe schlägt mit 65 Dezibel zu Buche (in der Kolonie andauernd von Sonnen-Aufgang bis -Untergang, nur nachts ist Ruhe), zum Vergleich: ein landendes Flugzeug ist in Langenhagen am Reuterdamm ist mit rund 55 Dezibel zu hören und grundsätzlich gilt, dass einer Erhöhung um zehn Dezibel als Verdopplung des Lärms wahrgenommen wird. Hundert Brutpaare leben im Eichenpark, sie haben im Durchschnitt drei bis sechs Küken. Ein Problem scheint schon jetzt zu bestehen, denn Spaziergängern im Stadtpark ist aufgefallen, dass an den alten Platanen am Rohdehof bereits genau die Äste abgesägt wurden, an denen besonders viele Krähen-Nester hingen. „Hier ist ein Krach, am schlimmsten im März und April, dann muss man schon sehr laut sprechen, sich unterhalten ist nicht möglich“, so ein Gespräch unter Spaziergängern vor Ort. Eine andere Spaziergängerin schimpft: „Gruselig ist das. In der List ist in der letzten Woche jemand von einer Krähe attackiert worden, wie im Hitchcock-Film!“ Stankewitz wünscht sich eine Versachlichung des Themas, Fantasien aus Filmen sollte man von der Realität trennen. Er sieht dringenden Aufklärungsbedarf zu den von Menschen gemachten Problemen: „Wenn den Krähen die Lebensgrundlage in der freien Landschaft (Zunahme der Gewerbeflächen Godshorn) nicht genommen worden wäre, hätten sie nicht auf den Eichenpark ausweichen müssen. Der Nutzen der Saatkrähe als Schadinsekten-Fresser ist sehr groß.“
„Wer soll in Zukunft an der Stadtparkallee bei dem Krähen-Krach wohnen?“, fragt CDU-Ausschuss-Mitglied Dietmar Grundey in der Sitzung. „Im Moment ruht das Veräußerungsverfahren“, erklärt Monsen gegenüber dem ECHO und weiter, „wir prüfen die Akzeptanz der Investoren in Bezug auf die Krähenkolonie und führen Gespräche mit der Region, in wie weit möglicherweise doch vergrämt werden darf.“
Ob die Fläche von der EL vermarktet wird, ist also offen und sogar eher unwahrscheinlich, zumindest wird es dauern. Ein Umweltbericht auf Basis eines ökologischen Fachgutachtens soll erstellt werden, um Artenschutzbelange zu erfüllen, das ließ Stadtbaurat Carsten Hettwer in der Ausschuss-Sitzung noch wissen. „Spannend ist doch, dass es der Landeshauptstadt Hannover in all den Jahren, in dem sie selbst Eigentümerin der Flächen war, nicht gelungen ist, diese zu vermarkten. Hat sich schon jemand die Frage gestellt warum dies nicht möglich war? Einen gültigen Bebauungsplan für den Bereich gibt es schon sehr lange.“, kommentiert Stankewitz.