Schnulli als hilfreicher Kollege

Unser dreijähriger Sohn wurde zu einem Krabbelgottesdienst eingeladen. Auf dem Handzettel stand, es geht um Noah und ein großes Schiff und jedes Kind soll sein liebstes Stofftier mitbringen. Meinem Sohn war sofort klar: „Ich nehme Schnulli mit!“ Schnulli ist kein gewöhnliches Stofftier. Eigentlich ist er überhaupt kein Tier, sondern ein grün-weiß-gestreifter runder Fladen mit fünf gelben Ohren, gestickten Kulleraugen und einem großen Reißverschluss als Mund. Schnulli ist ein Sorgenfresser. Unser Sohn hat ihn zum Kindergartenstart geschenkt bekommen. Laut Gebrauchsanleitung soll man seine Sorgen und trüben Gedanken notieren oder malen und den Zettel in den Reißverschluss-Mund stecken. Schnulli wird alles auffressen, damit die schweren Gedanken den Schlaf nicht stören. Zuerst hatte unser Sohn das wohl etwas falsch ver-standen und von Schnulli ver-langt, ein Mädchen aus dem Kindergarten zu fressen, das ihn am Vormittag geärgert hatte. Aber bald wurde Schnulli zu einem echten Begleiter. Nun sollte er also mit auf die Arche. Ich sage: „Schnulli ist ja eigentlich gar kein Tier...“ „Aber Mama, hatten die keinen Sorgen-fresser auf der Arche?“ „Ich glaube, die brauchten das gar nicht. Die hatten noch etwas viel besseres! Die haben mit Gott gesprochen. Der hat ihnen zugehört und verstanden was sie bedrückt und sich darum gekümmert, dass ihre Sorgen nicht zu groß wurden!“ „Cool!“, sagt mein Sohn. Und er hat Recht. Vieles im Leben macht uns Sorgen und für Vieles müssen wir Sorge tragen. Aber wenn wir vor lauter Sorgen nicht mehr im Augenblick leben und keine Ruhe mehr finden können, dann brauchen wir einen, bei dem wir das Belastende ablegen können. Gott will nicht, dass die Sorge unser Leben bestimmt, sondern die Freude. Und dabei ist Schnulli sein hilfreicher Kollege.

Dorothee Beckermann
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