Schulbetrieb vor Qualitätsverlust

Gymnasium und IGS fordern Lösung für Schulbau ein

Langenhagen (gg). „Wissen Sie eigentlich, in welchem Zustand wir uns im Schulzentrum befinden? Die Container sind unerträglich.“ Mahnend formulierten Lehrer, Schüler- und Elternvertreter Sätze wie diesen in der jüngsten Ausschuss-Sitzung adressiert an die Politik. Seit Juni steht die Entscheidung der SPD/Grüne-Mehrheitsfraktion zur Lösung des Problems aus. Zum Hintergrund: Vor gut einem Jahr stellte die Stadtverwaltung fest, dass der Brandschutz in mehreren Schultrakten an der Konrad-Adenauer-Straße fehlt. Klassenräume sind seit dem nicht mehr benutzbar, stehen leer und mehrere Schülerjahrgänge werden in Containern auf Schulhöfen unterrichtet. Neue Schulgebäude müssen errichtet werden. Experten haben dazu Pläne erstellt und empfehlen den Neubau des Gymnasiums östlich der Theodor-Heuss-Straße (südlich des Bult-Parkplatzes) und den Umbau der IGS am jetzigen Standort. SPD und Grüne lassen das nicht gelten, bitten sich Beratungszeit aus. Sie favorisierten bisher parteiinterne Ideen. So wollte die SPD das Gymnasium am Standort belassen, die Grünen wollten den Neubau an der Leibnizstraße realisieren. In beiden Fällen würde das Bauprojekt wohl zehn Jahre, die Schulumbau-Lösung mit Einbeziehung der Bult nur fünf Jahre dauern, so die Experten. Ohnehin heikel sei, eine Großbaustelle auf einem Schulcampus einzurichten. Da sei der Lärm noch das geringste Problem. Abgesperrte Bereiche lassen lange Laufwege für die Schüler entstehen, die einen üblichen Stundenplan ad absurdum führen. Leistungsschwächere Schüler hätten keine Chance, sich zurechtzufinden. Das rechtzeitige Erscheinen zu Klassenarbeiten wäre ein permanentes Glücksspiel. Nördlich der Niederrader Allee müssten im Stadtpark Container-Dörfer errichtet werden, um weitere Klassenraum-Kapazitäten zu schaffen. Die Baudurchführung erfordert sehr viel Platz für Baufahrzeuge und Material. Denkbar sei, dass Fußgänger-Brücken gebaut werden müssten, um Schüler den Zugang zu noch offenen Trakten zu ermöglichen – wohl dem, der flott auf den Füßen ist. IGS-Schulleiter Timo Heiken bezweifelte, dass er unter solchen Bedingungen für die Sicherheit der Schüler sorgen kann. Völlig unübersichtlich könnten sich Unberechtigte Zugang verschaffen. Matthias Brautlecht, Leiter des Gymnasiums, stellte ein Ultimatum: „Wenn der Schulbau länger als fünf Jahre dauert, ist die Qualität an der Schule nicht zu halten. Lehrer werden abwandern.“ Claudia Hopfe (CDU) unterstützte dies: „Zehn Jahre Bauzeit, das wäre der Horror im täglichen Chaos. Wir müssen vernünftig denken.“ Sie ließ nicht gelten, den Standort Bult zu schonen, um die Natur zu erhalten. Mike Scheer (S-VG) konkretisierte: „Die Piepmätze heben auch ohne Kaltluftanschluss im Biotopverbund ab.“
Werner Knabe (BBL) warnte davor, den Neubau-Standort von den Ausmaßen abhängig zu machen, die für einen kombinierten Sportplatz-Bau nötig sind. Er war jahrelang als Lehrer am Gymnasium tätig und weiß: „Es ist eine Lebenslüge, dass Schüler draußen viel Sport machen. Sportunterricht findet überwiegend in der Halle statt.“
Ungeklärt blieb im Verlauf der Diskussion, welche Schülerzahlen im Schulzentrum verkehrstechnisch zu bewältigen sind. Die Prognosen laufen auf 3.000 Schüler zu, sofern beide Schulen an der Konrad-Adenauer-Straße bleiben.
Eine Sondersitzung zum Thema findet am Donnerstag, 29. September, um 17.45 Uhr im Ratssaal, Marktplatz 1, statt.