Schulen werden zum ersten Mal getrennt

Das Zünglein an der Waage: Die SPD-Fraktion enthielt sich bei der entscheidenden Abstimmung. (Foto: O. Krebs)
 
Die Würfel sind gefallen: Der Standort an der Neuen Bult soll es werden. (Foto: O. Krebs)

Rat der Stadt Langenhagen votiert für Neubau des Gymnasiums an der Rennbahn

Langenhagen (ok). Der Weg für einen Neubau des Gymnasiums an der Rennbahn ist geebnet. Die SPD war dabei das Zünglein an der Waage, hat von einem gemeinsamen Schulzentrum an der Konrad-Adenauer-Straße Abstand genommen und sich bei der Abstimmung über die Verwaltungsvorlage enthalten. Das Ergebnis: 15 Ja- und fünf Neinstimmen bei 16 Enthaltungen. Keine Mehrheit fand dagegen die Idee der Grünen, das Gymnasium an die Leibnizstraße zu verlegen. Hier lautete das Resultat: 6 Ja- und 30 Nein-Stimmen. Der unabhängige Ratsherr Wilhelm Behrens stimmte mit den Grünen und enthielt sich beim abschließenden Votum über die Vorlage der Verwaltung. Seine Begründung: Die Fakten sprächen für die Leibnizstraße. Schüler, Eltern und Lehrer dankten dem Rat am Ende der Sitzung für diese Entscheidung; der Wunsch der Betroffenen war auch für Ratsfrau Sonja Vorwerk-Gerth ausschlaggebend, von ihrer Priorität fürs Stadtzentrum abzurücken. Ebenso wie die SPD, die allerdings in der Sondersitzung des Rates trotzdem kritische Töne anschlug. Der Vorsitzende Marc Köhler: „Eine Hängepartie können wir uns nicht mehr leisten. Mit knapp acht Hektar Fläche hätten wir am Standort Konrad-Adenauer-Straße noch Erweiterungsmöglichkeiten Richtung Norden, auch für den Sportplatz, gehabt.“ An der Theodor-Heuss-Straße sei das Verkehrsaufkommen mit 13.000 Autos pro Tag um etwa 5.000 Fahrzeuge höher als an der Konrad-Adenauer-Straße; der Radweg nur einseitig. Darüber hinaus gebe es keine Erweiterungsmöglichkeiten. Und die SPD befürchtet, dass der Neubau des Schulzentrums noch nicht das Ende vom Lied in Sachen Bebauung sei, die Stadtverwaltung die lukrativen Flächen sicher für Wohnungsbau vermarkten werden. Platz gebe es ja genug. Köhler: „Wir werden das aufmerksam und kritisch begleiten. Hat die Stadt das beste Grundstück für den Schulneubau ausgewählt oder einfach nur ein Grundstück, um in der Stadtmitte Wohnungen bauen zu können?“ Die Einwand des IGS-Lehrers Ulrich Wulbrandt in der Einwohnerfragestunde, warum die IGS-Schüler, die doppelt so lange auf einer Baustelle seien, benachteiligt würden, konnte Köhler nicht nachvollziehen. „Wir wollten beide Schulen im Zentrum lassen. Die Schulen, also auch die IGS, wollten etwas Anderes.“. Obwohl sie vehement dafür warben, setzten sich die Grünen mit ihrem Vorschlag für die Leibnizstraße nicht durch. Der unabhängige Ratsherr Wilhlem Behrens sprang ihnen bei, die „rein wirtschaftlichen Bedingungen sind optimaler.“ Denn: „An der Leibnizstraße kann am schnellsten gebaut werden. Der Kernbereich ist schon im Besitz der Stadt; die Fläche insgesamt auch größer als am Regenrückhaltebecken“, argumentierte Grünen-Fraktionschef Dirk Musfeldt. Die Anbindung an den Stadtpark und die Kombination mit der Sportanlage des SC Langenhagen seien weiterer Vorzüge. Was die Rennbahn angehe, so müsse die Stadtverwaltung erst mit dem Grundstückseigentümer und Erbpachtnehmer verhandelt, und der lasse sich die Abhängigkeit sicherlich vergolden. Außerdem ist nach Ansicht seines Fraktionskollegen Michael Horn ein „Riegel zwischen Stadtpark und Wietzeaue“ auch wegen der Frischluftzufuhr kontraproduktiv. Die Fläche an der Rennbahn zudem als Biotop ausgewiesen und hochwassergefährdet. Es werde nicht nach Faktenlage, sondern nur nach Bauchgefühl entschieden. Für Claudia Hopfe ist das Gutachten, aus dem auch Marion Kellner (Grüne), zitierte „Kaffeesatzleserei“, Es gebe sicherlich auch Gutachten, die etwas Anderes aussagten, das Gebiet an der Bult sei zudem im Gegensatz zu den Seestädten nicht hochwassergefährdet. Für sie sei die Leibnizstraße keine Alternative, der Verkehr auf der Walsroder Straße würde in dem Fall zum Erliegen kommen. Die Grüne Ulrike Jagau sieht das nicht so, die Kinder müssten zu mehr Selbstständigkeit erzogen werden und sollten mit dem Fahrrad zu Schule kommen. So seien sie im Unterricht viel aufnahmefähiger. Gerade durch den Hol-und-Bringdienst der Eltern würden viele Unfälle verursacht. Sie plädiere daher für eine Bannmeile von etwa 250 Metern für Eltern-Taxis rund um die Schule. Jens Mommsen (BBL) dagegen sieht mit dem „Gymnasium am See“ eine Schule mit hoher Qualität. Das Biotop könne integriert werden. Die Leibnizstraße sei zu schmal. Der allerbeste Standort seien allerdings die Rieselfelder. Die Fläche könnte auch nach Ansicht von Sonja Vorwerk-Gerth wieder in den Fokus rücken, sollte der Deal mit der Rennbahn-Fläche doch nicht klappen. Bürgermeister Mirko Heuer sieht an der Theodor-Heuss-Straße allerdings den Standort mit den meisten Vorteilen. Auf die müsse sich konzentriert, die Nachteile beherrscht werden. Wenn alles glattgeht, könnten etwa eineinhalb Jahre nach dieser historischen Entscheidung – Integrierte Gesamtschule und Gymnasium werden erstmals in der Langenhagener Schulgeschichte getrennt – die Bagger auf der Neuen Bult rollen.