„Schulschließung ist eher kontraproduktiv“

Der Schulstandort Krähenwinkel hängt stark von der demographischen Entwicklung in der Ortschaft ab.Foto: O. Krebs

Kleinere Grundschulen stehen auf dem Prüfstand

Langenhagen (ok). Glaubt man den Worten des CDU-Regionsabgeordneten Bernward Schlossarek aus Lehrte, so sind die Verhältnisse an den Langenhagener Grundschulen im Vergleich zu den ländlichen Regionen Niedersachsens geradezu traumhaft. Dort müssten oft weite Wege bis zu einer Stunde Fahrtzeit in Kauf genommen werden, kleinere Schulen in so genannten Schulverbünden zusammengeschlossen werden. Das Motto „Kurze Wege für kurze Beine“ gelte hier nicht immer. Für viele Eltern in Langenhagen ein schwacher Trost – sie haben Angst um ihre Grundschule vor Ort und wollen für sie kämpfen. Das wurde auch bei einer Diskussion deutlich, die Frauen Union, CDU-Stadtverband und die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Langenhagen organisiert hatten. Stadträtin Monika Gotzes-Karrasch musste als Vertreterin der Verwaltung Stellung zu einer Infodrucksache beziehen, die sich mit der Schulentwicklung in der näheren und auch ferneren Zukunft beschäftigt. Und in dieser Drucksache werden unter anderem die Grundschulen in Engelbostel und Krähenwinkel genauso wie die Adolf-Reichwein-Schule auf den Prüfstand gestellt. Monika Gotzes-Karrasch machte deutlich, dass die Zeit überhaupt nicht dränge, vor Mitte nächsten Jahres keine Aussage in irgendeiner Richtung getroffen werden müsse. Mirko Heuer, Fraktinschef der CDU, sieht sogar in den nächsten Jahren keinen akuten Handlungsbedarf, empfindet den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Drucksache als äußerst unglücklich. Denn: Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) würde versucht, Bedingungen zu entwickeln, angesichts des demographischen Wandels möglichst viele Neubürgerinnen und Neubürger nach Langenhagen zu holen; die Ankündigung der Schließung von Schulen sei auf dem Weg zur familienfreundlichen Stadt wohl eher kontraproduktiv. Zuhörerin Anja Sander gab zu bedenken, dass Wiesenau – dort baut die Kreissiedlung gerader Häuser um und schließt sie an das Fernwärmenetz der Schule an – nichts mehr bis auf die Schule habe. Und Ralf Damerow, Elternvertreter der Krähenwinkeler Grundschule – wies auf die vielen Auszeichnungen hin, die die Schule schon für ihre gute Arbeit bekommen habe, regte an, einen gemeinsamen Schulbezirk für ganz Langenhagen zu schaffen, so dass die Eltern die die freie Wahl hätten. Monika Gotzes-Karrasch: „Das Papier hat nichts mit der Qualität der Schulen zu tun; es geht nur um Räume und Schülerzahlen.“ Für den Gymnasiallehrer Martin Beck sind Schulen nicht nur Schulen, sondern stellen eine wesentliche Infrastruktur für einen Stadtteil dar, beispielsweise mit ihren Sporthallen. Deshalb sollten sie auch nicht nur aus finanzieller Sicht betrachtet werden. Die Frage, wie die Schulen besser genutzt werden könnten, sei sicher berechtigt, nur: „Schulräume sind auch Heimat für Schüler und Lehrer, das Rathaus wird schließlich auch nicht vermietet“, erteilt der Pädagoge den Gedanken einer ausgedehnten zweckentfremdeten Nutzung der Schulräume eine klare Absage. Fazit der Diskussion: Abwarten und Tee trinken, zumindest, was die Grundschulen angeht. Größere Priorität räumen die Fachleute allerdings dem Thema Inklusion, dem gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern, ein. Diese Diskussion, die auch die Pestaslozzischule betrifft, wird nach Einschätzung Monika Gotzes-Karraschs in den nächsten ein bis zwei Jahren aktuell werden.