Schwalbenfreunde gesucht

Nisthilfe an einer blanken Giebelwand. (Foto: NVL)

NVL bietet sinnvolles Nestkonzept an

Langenhagen. Schon immer wurden Schwalben als Frühlingsboten und Glücksbringer eingestuft. Die Nutzung unserer Häuser als Felsenersatz machte sie zu Kulturfolgern, ihr unaufdringlich zwitschernder Gesang und dass sie Insekten im schnellen Flug fangen, gefällt uns. Und doch gibt es Anlass zur Sorge, dass sie rar werden.
Die Naturkundliche Vereinigung Langenhagen (NVL) hatte bei Zählungen in Langenhagen und den Ortsteilen in den Jahren 1996 bis 2000 festgestellt, dass die Zahl der Brutpaare ständig sank. Damals beteiligten sich bei den Aktionen über mehrere Jahre Schulklassen der Friedrich-Ebert-Schule mit insgesamt 350 Schülern und ihren Lehrern, die Ergebnisse flossen in das ADEBAR-Projekt (Atlas der Brutvögel Niedersachsens) ein. Bei den Mehlschwalben wurde als einer der Engpässe für den Bau von Naturnestern damals das Fehlen von feuchten Lehmpfützen festgestellt und deshalb einige an verschiedenen Stellen in Langenhagen angelegt, die zur Freude aller von den Vögeln angenommen wurden. Doch auf die anfängliche Begeisterung von Schülern, NVL-Mitgliedern und Helfern folgte Ernüchterung, denn die Pfützen erforderten Pflege, wurden im Laufe der Zeit vernachlässigt oder beseitigt. Ersatzweise wurden auch Kunstnester an Hauswänden angebracht. Egal ob Natur- oder Kunstnest, immer fiel Kot auf die Fassade oder darunter liegende Fensterbretter und machte die Nachrüstung von Kotbrettchen erforderlich. Nun blieben zwar Fassade und Fensterbrett sauber, aber die regelmäßige Reinigung der Brettchen erfordert lange Leitern und ist mit Kosten verbunden.
Nisthilfen wurden damals bevorzugt an Stellen angeboten, die die Schwalben naturgemäß anfliegen, also unter waagerechten Dachüberständen. Für die Mehlschwalbe ist dieser Platz gleichwertig mit einem Felsvorsprung, unter dem die Jungen vor räuberischen Beutegreifern wie Turmfalken sicher sind und gleichzeitig das wasserlösliche Nest vor Regen geschützt ist. Giebelwände mit aufwärts steigender Dachkante werden nie genutzt, hier fehlt der Schutz von oben. Bei Reihenhäusern sind in der Giebelwand meist keine Fenster, somit müssen keine Fensterbretter vor Verschmutzung geschützt werden - aus menschlicher Sicht ein Vorteil. "Seit letztem Herbst wird deshalb von der NVL ein neues Konzept genau an einer solchen Wand erprobt", erläutert Werner Kirschning von der NVL. Er konstruierte ein Winkelbrett mit den erforderlichen Neigungen und Abmessungen, ein kleines waagerechtes Dach für die Schwalben bildend, wie auf dem Foto erkennbar, und montierte es bei Christa Donath, einem NVL-Mitglied. Zu großer Freude wurde schon in diesem Jahr dieses Angebot von einem Mehlschwalbenpaar angenommen, in ein Nest daneben zog ein Spatzenpaar ein. Beide Paare brüteten mit Erfolg. Wie erhofft blieb durch den speziellen Wandaufbau die Fassade sauber.
Interessierte Bürger, die das nachbauen möchten, können sich an Werner Kirschning wenden, Telefon (0511) 60 44 906.