Schwerwiegende emotionale Auswirkungen

Auch ein Einbruchswerkzeug. Polizeihauptkommissar Michael Nickel präsentiert ein eher selten benutztes Hilfsmittel für Wohnungseinbrüche.Foto: D. Lange

Beratung zum Thema Einbruchschutz und Brandschutz

Langenhagen (dl). Die Folgen eines Einbruchs in den privaten Bereich der Wohnung sind nicht von ausschließlich materieller Natur – hierfür sind in aller Regel die Versicherungen zuständig – sondern ist häufig verbunden mit schwerwiegenden, emotionalen Auswirkungen, unter denen die Betroffenen mitunter lange zu leiden haben. Die Verletzung der Privatsphäre wiegt oftmals schwerer als der Verlust von Gegenständen. Schon ein versuchter Einbruch beeinträchtigt das Sicherheitsempfinden der Menschen erheblich. Die Polizei ist daher bemüht, im Rahmen von Präventionsveranstaltungen wie zuletzt im Rathaus und mit individuellen Beratungsgesprächen zu diesem Thema ihr Wissen weiter zu geben und die Menschen über die Risiken und Präventionsmöglichkeiten gegen Einbrüche zu informieren, ihnen technische Lösungen aufzuzeigen und ihnen gleichzeitig ein Gefahren-Bewusstsein zu vermitteln. Nicht nur was die eigene Wohnung oder das eigene Haus betrifft. Wer nachts eine Scheibe klirren hört, auch wenn man den Ursprung nicht eindeutig zuordnen kann, sollte sich nicht scheuen, die Polizei zu rufen. Den Einsatz muss man trotzdem nicht bezahlen, wie häufig befürchtet wird. Das hat nichts mit Denunzieren oder dem Ausspionieren unliebsamer Nachbarn zu tun, sondern das Ziel dabei ist klar: Die Wohnungseinbrüche, deren Zahl in den letzten Jahren stark zugenommen hat, sollen verhindert werden. Waren es im Jahr 2009 noch 2400 Fälle von versuchtem oder tatsächlichen Wohnungseinbrüchen, so stieg die Zahl in 2013 auf 3606 Fälle insgesamt bei einer polizeilichen Aufklärungsquote von 22 Prozent. Davon wurden allein in 77 Prozent der Fälle nicht gesicherte Fenster und Balkon- oder Terrassentüren in kurzer Zeit mit einfachen Mitteln aufgehebelt. Wie schnell das wirklich geht, zeigte ein Videoclip zur Demonstration, in dem ein Fenster mit einem stabilen Schraubendreher, dem meistverwendeten Einbruchswerkzeug, in rund fünf Sekunden aufgehebelt wurde. Die Täter, in der Regel männlich im Alter von 18 bis 40 Jahren, lassen sich in zwei Gruppen aufteilen. In die Profis einerseits und in spontan entscheidende Gelegenheitstäter aus dem Bereich der Beschaffungskriminalität andererseits, welche allerdings für rund 80 Prozent aller Wohnungseinbrüche verantwortlich sind. Zu Beginn der Präventionsveranstaltung im Rathaus zum Thema Wohnungseinbrüche betonte der Leiter des Polizeikommissariats Langenhagen, Andreas Alder, dass diese Delikte von der Polizei nicht etwa nur verwaltet werden mit der lapidaren Erkenntnis: „Zahlt ja eh` die Versicherung“, sondern dass deren Aufklärung aus den oben genannten Gründen mit „Herzblut“ vorangetrieben wird. Der anschließende Vortrag von Polizeihauptkommissar Michael Nickel vom Dezernat11/Technische Prävention der Polizeidirektion Hannover machte nicht nur die Arbeitsweisen der Täter deutlich, sondern zeigte technische Lösungen und Möglichkeiten auf, die das eigene Heim sicherer machen, denn laut Polizei scheitert die Hälfte aller Einbrüche an fachkundig montierten und qualitativ hochwertigen Sicherheitseinrichtungen. Das fängt an bei Fensterverrieglungen, die nicht nur mit einfachen Rollenzapfen, sondern stattdessen mit widerstandsfähigeren, sogenannten Pilzkopfzapfen versehen sind. In Verbindung mit stabilen, abschließbaren Fenster- und Türgriffen wird der Widerstand gegen gewaltsames Eindringen bereits deutlich erhöht. Verbundscheibenverglasungen verhindern zudem den Durchgriff oder Durchstieg. Um herauszufinden, welche Sicherungsmaßnahmen im Einzelfall letztendlich notwendig sind, bietet die Polizei ihre Beratungsgespräche an. Das Netzwerk „zuhause sicher“, bestehend aus Polizei, Versicherern und zertifizierten Handwerksbetrieben leistet zusätzliche wertvolle Informations- und Unterstützungsarbeit, um Wohnungen und Gewerbebetriebe abzusichern. Eine blaue Plakette des Netzwerks, am Haus angebracht, signalisiert am Ende auch nach außen hin dem potenziellen Einbrecher, dass ein Einbruchsversuch an diesem Haus mit Sicherheit scheitern wird. Und darum geht es ja schließlich.