Selbst gebaut und ausprobiert

Gespannt auf die Ergebnisse des Experiments öffneten NVL-Mitglieder den Rennofen. (Foto: K. Nikolai)

NVL experimentiert mit einem Rennofen

Langenhagen. Herausgefordert, die Technologie der jahrtausendealten Gewinnung von metallischem Eisen aus Raseneisenstein in Rennöfen durch eigenes Experimentieren besser zu verstehen und die Erfahrungen an Schulklassen und andere Interessenten weiterzugeben, hat die Naturkundliche Vereinigung Langenhagen (NVL) in den letzten Wochen unter Leitung des promovierten Mineralogen Klaus-Peter Burgath einen Rennofen entworfen und auf dem Gelände des Wasserturms im Eichenpark aufgestellt. Nach dem Aufbau und einer einwöchigen Aushärtung eines Lehm-Mantels wurde der Ofen zunächst nur mit Holzkohle beschickt und mehrere Stunden vorgeheizt. Nach der Abkühlung wurden Erz und Holzkohle in die Kammer eingefüllt und unter Sauerstoffzufuhr zum Glühen gebracht. Nach fünf Stunden war die Holzkohle aufgebraucht und der Verhüttungsprozess damit abgeschlossen. "Bereits 1200 v.Chr. wurde auf diese Art und Weise Eisenerz verhüttet. Isernhagen verdankt übrigens seinen Namen den natürlichen Vorkommen von Raseneisenstein in den vom hohen Grundwasserstand geprägten Böden der Wietzeniederung. Raseneisenstein ist ein natürlicher Rost im Boden und konnte vor Jahrtausenden leicht mit dem Spaten abgestochen werden", erklärt NVL-Sprecher Thomas Kaba.
Mit großer Spannung und Erwartung wurde die Ofenkammer am folgenden Tag geöffnet. Das Fehlen großer Eisenklumpen und entsprechender Mengen von Schlacke enttäuschten etwas, was aber nach der geringen eingesetzten Erzmenge und der vergleichsweise kurzen Prozessdauer (sonst werden mehrere Tage angesetzt) dieses Projektes mit Pilotcharakter zu erwarten war. Zahlreiche kleine Schlackenreste und magnetische Körnchen, in Schatzgräberart mit einem Magneten aus dem Ofeninhalt ausgelesen, zeigen aber an, dass die erwünschte hohe Reaktionstemperatur zumindest ansatzweise erreicht wurde.
Der selbstgebaute Ofen der NVL ist bereits bei der Konstruktion für eine mehrfache Verwendung angelegt worden, im Unterschied zu vielen anderen Rennöfen, die nach einmaliger Benutzung zerstört werden müssen. Das spannende Experiment soll deshalb mit den Erfahrungen des Pilotprojektes noch einmal am 28. August durchgeführt werden.
Weitere Informationen gibt es im Internet auf der Seite www.nvl-langenhagen.de.