Selbsttest auf der Serpentinenstrecke

Hatte schon eine Menge Mühe, die sechs Prozent Gefälle trotz eingebauter Ruheflächen zu bewältigen: Peter Kleinsorge.Foto: O. Krebs

Bahnhof Kaltenweide: BfK bringt Fahrstuhl für Rollifahrer ins Spiel

Kaltenweide (ok). Er wollte es wissen: Peter Kleinsorge von der Stabsstelle Inklusion bei der Stadtverwaltung unterzog sich dem Selbsttest, setzte sich selbst in einen Rolli. Als er den serpentinenartigen Weg zurückgelegt hatte, kam er fast außer Puste zu dem Schluss: „Für Ungeübte gar nicht so einfach.“ Denn: Der Weg, den Rollstuhlfahrer in Kaltenweide zurücklegen müssen, um die Gleise zu erreichen, ist ziemlich lang. Der Verein „Bürger für Kaltenweide“ (BfK) hatte zu einer Ortsbesichtigung und zu Gesprächen mit Politikern, Seniorenbeirat, Verwaltung und Betroffenen eingeladen, und die Mitglieder Markus Villwock, Florian Windeck und Marco Rösler freuen sich darüber, dass es zu einem ersten Gedankenaustausch gekommen ist. Und ein Manko fiel allen Beteiligten sofort ins Auge: Die Beschilderung am S-Bahnhof Kaltenweide ist in dieser Hinsicht wirklich mangelhaft, zumal die Strecke mit dem Radweg nebenan leicht verwechselt werden könne. Behindertensportlerin Monika Meinhold teilt die Einschätzung Peter Kleinsorges: „Für mich ist das kein Problem, aber Ältere und weniger Trainierte haben schon Schwierigkeiten.“ Auch ältere Mitmenschen könnten den langen Weg durch die Untertunnelung kaum bewältigen, wenn sie ihre Angehörigen im Rollstuhl schieben. Doch was tun, um das Problem lösen zu können? Fahrstühle auf jeder Seite könnten helfen, allein der Weg dahin scheint schwierig zu sein. Denn: Die Fahrstühle müssten auf dem Gelände der Bahn gebaut werden. Fraglich, ob das Unternehmen die Finanzierung übernehmen würde. Die Stadt könnte aber natürlich – ähnlich wie bei dem geforderten Zaun nach dem tragischen Tod eines Jungen – auf die Bahn einwirken. Christa Röder, Vorsitzende des Seniorenbeirates, machte einen pragmatischen Vorschlag zum weiteren Prozedere: Antrag des BfK an den Ortsrat, der die Verwaltung einschaltet, die wiederum Ideen entwickeln soll. Außerdem sollte das Thema noch einmal im Verkehrsausschuss diskutiert werden. Besser sieht es bei den Schildern aus, hier hat die Kommune selbst das Heft des Handelns in der Hand. Peter Kleinsorge will sich darum kümmern. Die ganze Anlage sei vor etwa 15 Jahren „normgerecht“ angelegt worden, erinnern sich Christa Röder und auch Reinhard Grabowsky, die damals dem Rat der Stadt Langenhagen angehörten. Damals war das Stichwort „Inklusion“ allerdings noch nicht in aller Munde.