Sie hat nie aufgegeben

„ Mariechen“ Kiehl feierte im Kreise der Familie und von Freunden ihren 106. Geburtstag. Hier mit Tochter Christa, Schwiegersohn Dieter (rechts) und Bürgermeister Friedhelm Fischer. Foto: E. A. Nebig

Maria Kiehl – mit 106 Lebensjahren älteste Langenhagenerin

Langenhagen (ne). In der Seniorenresidenz Bachstraße in Wiesenau wohnt seit vier Jahren Maria Kiehl, geborene Gryzan. Am vergangenen Freitag, 4. Februar, feierte „Mariechen“ mit ihrer Familie und Gästen ihren 106. Geburtstag. Sie gehört zu den ältesten Menschen in Deutschland und ist die älteste Bürgerin der Stadt Langenhagen. Zum Gratulieren kamen unter anderem Bürgermeister Friedhelm Fischer, der Leiter der Seniorenresidenz Gregor Brill und Pastor Scholz von der Emmauskirchengemeinde. Die Jubilarin ist in Karpen/Masuren im heutigen Polen geboren und aufgewachsen. Mit 18 Jahren verließ sie Ostpreußen und wurde im westfälischen Solingen sesshaft. In der „Stadt der Messerschmiede“ lernte sie den Fabrikanten Eugen Kiehl kennen, den sie 1934 heiratete. Fünf Kindern, darunter zwei Zwillingspärchen, schenkte sie das Leben. Doch das Familienglück wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Eugen Kiehl brachte seine Familie in den Harz, wusste sie dort in Sicherheit und führte seinen eigenen „kriegswichtigen“ Betrieb weiter. Aufgrund einer Denunziation verschleppten ihn Nationalsozialisten in ein Konzentrationslager, in dem er 1945 umkam. Nicht der einzige Schicksalsschlag, den Maria Kiehl erlitt! 1945 stand sie vor dem Nichts. Später verunglückte ein Sohn tödlich. Doch sie gab nicht auf. Die fromme Frau krempelte die Ärmel hoch, schuf sich eine neue Existenz, ermöglichte ihren Kindern in Notzeiten eine Berufsausbildung und war stets für die Familie da. 1969 zog sie nach Wiesenau und ist seitdem Familienmittelpunkt für Kinder, Schwiegerkinder, Enkel und Urenkel. Bis zum 102. Lebensjahr lebte sie in ihrer eigenen Wohnung; erst als Beine und Augen nicht mehr so recht wollten, zog sie in das Seniorendomizil um. Geistig noch sehr rüstig, unterhält sie sich gern und erzählt ihre Erlebnisse in vergangenen Zeiten. Zum Beispiel als Kaiser Wilhelm II. noch regierte, und es zu seinem Geburtstag schulfrei gab, ihr Soldaten des russischen Zaren 1914 im Ersten Weltkrieg Würfelzucker schenkten.