Späte Lehrstunde

Karlheinz Teufert zeigt die Baumhöhle, die ein Refugium für zahlreiche Kleintiere ist.

Kuriose Silvesterbegegnung im Eichenpark

Langenhagen. Am frühen Nachmittag des Silvestertages, es nieselte ununterbrochen, traf der ehemalige Biologielehrer des Gymnasiums Langenhagen Karlheinz Teufert auf einen Spaziergänger mittleren Alters nebst seinem halbwüchsigen Sohn, die beide abseits der Wege im Eichenpark Böller zündeten und diese sogar in eine der zahlreichen Baumhöhlen warfen, die in diesem alten Baumbestand oft Kleinsäugern, Vögel und Insekten Schutz und Nahrung bieten. Der Krach schreckte den Pensionär auf. Die beiden Radaumacher aber zogen querbeet ab. Aus der besagten Baumhöhle qualmte es danach munter weiter. Daher wurden die beiden von Teufert und seiner begleitenden Frau rasch eingeholt und zu einer Aussprache gebeten. Waldläufer Teufert stellte sich als NABU-Mitglied vor. Der ältere der Knallfreunde meinte, da es immer noch nieselte, wäre ja das Innere des Baumes ohnehin feucht und somit könne auch kein Brandherd entstehen. Die jeweiligen Argumente flogen hin und her. Schließlich verwies Waldfreund Teufert auf den Naturschutzbeauftragten, den solche Vorfälle vermutlich interessieren würden, und fragte, um das geistige Niveau des Gegenüber auszuloten, diesen ziemlich direkt, welche Schule er denn früher in Langenhagen besucht hätte. Nun ließ der Angesprochene die Katze aus dem Sack und bekannte sich als ein ehemaliger Gymnasiast, der nun auch noch vor seinem alten Biologielehrer stand, der ihn vor Jahrzehnten in den Klassen fünf und sechs unterrichtet hatte. "Damals hatte dieser Knabe zwar schon frühzeitig Schweinefüße zu präparieren gelernt, jedoch von Baumkunde offensichtlich nichts gehört", fasst Teufert im Nachhinein zusammen.
Alte Schulerinnerungen wurden ausgetauscht: Dass diebische Elstern oder Krähen dem ehemaligen Jungpräparator etwas von seinem Schweißfuß vom Balkon gestohlen hatten, konnte gemeinsam belächelt werden. Und auch dass Teufert den fehlenden Knochen, obgleich dieser aus Gips nachgemacht worden war, bei der Abgabe des Präparats durchaus bemerkt hatte, kam zur Sprache.
Endlich schritt man gemeinsam zur Tat, denn in der Mulmschicht der Baumhöhle qualmte es jetzt kräftiger. Schließlich griff Teufert behandschuht in die besagte Höhle und holte etwas von dem zunderig zerfallenen Holzmull heraus, der sich natürlich als knochentrocken und somit als durchaus brennbar erwies. Nachdem man schließlich das vermutliche Glutnest ausgestockert hatte, ging jedermann wieder friedlich seiner Wege. "Ob das für den Böllerfreund eine verspätete Lehrstunde war?", fragt sich Teufert. Eine Nachkontrolle ergab später, dass keine Brandgefahr mehr bestand, jedoch im Holzmulm befanden sich einige unversehrte Haselnüsse: Ein Eichhörnchen hatte wohl dort einen Teil seines Wintervorrates abgelegt. Karlheinz Teufert kündigt an: "Vielleicht wird der NABU zum nächsten Silvester hier im Eichenpark ein offenes Auge haben."