Spaziergang mit erfolgreicher Vogelschau

Die Teilnehmer des Vogelspazierganges konnten mit dem NABU gute Beobachtungen im Stadtwald machen. (Foto: T. Timmermann)

20 Teilnehmer machten zahlreiche Beobachtungen

Langenhagen. Naturbegeisterte Anwohner nutzten nun den NABU-Vogelspaziergang im Stadtwald, um bei bestem Frühlingswetter und schon sehr milden Temperaturen lehrreiche Beobachtungen zu machen.
Der Weg führte vom Wietzeblick aus zunächst am Betriebshof vorbei, wo auf den angrenzenden Wiesen Goldammer und Singdrossel beobachtet werden konnten. Weiter ging es Richtung Vogelschutzgehölz, dort konnten an der Grenze des Stadtwaldes ein Baumläufer und auch balzende Blaumeisen näher betrachtet werden. Ein Eichhörnchen ließ sich ebenfalls sehen und erfreute die Teilnehmer mit akrobatischen Sprüngen von Baum zu Baum. Im zentralen Bereich des Stadtwaldes, wo große Buchen ein fast hallenartiges Raumgefühl vermitteln, wurde es spannend. Noch während Gunter Halle, stellvertretender Vorsitzender des NABU-Langenhagen, die Nisthilfen für Fledermäuse erläuterte, kündigte sich der Schwarzspecht laut rufend an und ließ sich schließlich wunderbar beobachten. „Der Schwarzspecht ist unsere größte heimische Spechtart und profitiert von der schonenden Pflege im Stadtwald, vor allem vom Liegenlassen des Totholzes“, erklärte Halle. „Im Totholz siedeln sich verschiedene Insekten an, die wiederum die Nahrungsgrundlage für Spechte sind. Fühlen sich die Spechte wohl, bleiben sie im Gebiet und zimmern zahlreiche Höhlen, welche dann von Fledermäusen oder Vögeln, wie Waldkauz, Hohltaube, Star und anderen Höhlenbrütern als Nachmieter genutzt werden. Spechte sind sozusagen Schlüsselfiguren im funktionierenden Ökosystem des Stadtwaldes“, ergänzt der NABU-Vize. Wie auf ein Stichwort ließen sich kurze Zeit später tatsächlich auch Hohltauben beobachten. Diese gefährdete Taubenart sieht der Felsentaube recht ähnlich, hat aber kein rotes, sondern ein vollständig schwarz gefärbtes Auge. Außerdem ist die Hohltaube die einzige Taubenart, die in Baumhöhlen brütet.
Weiter Richtung Hoppegartenring kam die Gruppe an dem Bereich vorbei, bei dem die Stadt Langenhagen kürzlich Pflegemaßnahmen durchgeführt hatte. Dazu erläuterte Ricky Stankewitz den Hintergrund und das Entwicklungsziel der Maßnahme. So soll sich der Bereich in einen typischen Waldsaum mit niedrig wachsenden Sträuchern wie Haselnuss und Hartriegel als sogenanntes Vogelschutzgehölz entwickeln. Durch die großen Bäume wurden die niedrigen Sträucher ausgeschattet und konnten sich nicht entwickeln. „Ich bin überzeugt, dass die Maßnahme langfristig zur Erhöhung der biologischen Vielfalt beitragen wird, auch wenn jetzt nach der Durchführung alles sehr wild aussieht. Wenn sich die Hecken entwickelt haben, können auch Vögel wie die Nachtigall wieder im Randbereich des Stadtwaldes brüten“, erklärte der Naturschutz-beauftragte. Weiter ging es in Richtung Palmwiesen, wo auf einer mächtigen Eiche ein laut rufender Vogel gehört wurde. Nach der Stimme zu urteilen dachten die Naturfreunde eher an einen größeren Vogel, wie den Eichelhäher. Als der Vogel schließlich entdeckt und als Mittelspecht bestimmt wurde, waren nicht nur die Teilnehmer von der Stimmgewalt des etwa starengroßen Vogels beeindruckt. Im Verlauf der Wanderung konnten mehr als 25 Vogelarten beobachtet werden. Ein Highlight war sicher, dass von den fünf im Stadtwald vorkommenden Spechtarten (Schwarzspecht, Grünspecht, Buntspecht, Mittelspecht und Kleinspecht), bis auf den Kleinspecht alle näher betrachtet werden konnten. „Die Beobachtungen während der Wanderung haben den Gästen sowohl die hohe ökologische Bedeutung des Stadtwaldes, als auch die geringen Auswirkungen der Pflegemaßnahmen auf die hier lebenden Vogelarten verdeutlicht. Dies zeigt einmal mehr, dass nicht alles, was wie eine Katastrophe aussieht, auch eine Beeinträchtigung für die Artenvielfalt darstellt“, fasste Stankewitz abschließend zusammen.