Stadt kaufte das geschichtsträchtigste Grundstück in Langenhagen

Langenhagen (ne). Anfang Dezember berichtete das ECHO mehrfach über den geplanten Ankauf von Grundstücken für die Stadt Langenhagen durch die Entwicklungsgesellschaft Langenhagen (EL), eine Tochtergesellschaft der Stadt. Wie schon im vergangenen 20. Jahrhundert unter den Stadtdirektoren Schwarz, Lange, Brandt und Prof. Rosenzweig, will man - wie schon in den Jahrzehnten nach der Stadtwerdung 1959 - mit diesen Grundstückskäufen auch künftig bei der weiteren städtebaulichen Entwicklung das Heft in der Hand behalten. Die Ratsmehrheit stimmte diesen Plänen zu, die von der CDU-Opposition kritisiert wurden. Jetzt scheint dennoch alles in trockenen Tüchern zu sein, wie auf Anfrage zu erfahren war. Laut EL-Geschäftsführer Jens Monnsen ist eines der Filetstücke bei diesen Ankäufen, dass südlich an die Elisabeth-Arkaden angrenzende Grundstück im Eichenpark. Dort wurden unlängst Reste alter sowie Bauten aus den Nachkriegsjah- ren des ehemaligen Pflegeheimes „Feierabend“ der Stadt Hannover abgerissen. Mit dem Ankauf der durch den Abriss entstandenen Freifläche an der Ostseite der Walsro- der Straße, hat die Stadt nunmehr das geschichtsträchtigste Grundstück in Alt-Lan-genhagen erworben, was kaum bekannt ist. Hier standen nämlich der um die Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissene Amtshof samt Nebengebäuden sowie das aus den mittelalterlichen Go- und Hägergerichten 1852 hervorge-
gangene Gebäude des Amtsgerichtes Langenhagen. Dieses entstand nach der Trennung von Verwaltung und Rechtspflege per königlichem Dekret vom 8. 11.1850. Vom Amtshof aus wurde bis dahin vom Vogt oder Amtmann verwaltet und Recht gesprochen. Das Gebiet der fürstlichen Amtsvogtey, dem späteren königlichen Amt Langenhagen, umfasste große Teilgebiete der heutigen Städte Hannover und Garbsen. Über 500 Jahre lang war Langenhagen - vor der Auflösung von Amt und Gericht am 16. Mai 1859 - als zentraler Verwaltungs- und Gerichtssitz für den an das Fürstentum Celle angrenzenden Raum nördlich Hannover bestimmend. Unter der Herzogin Elisabeth residierte hier um 1546 ihr Vogt und Rentmeister (Finanzminister) Heinrich Lorleberg. Während der Zugehörigkeit zum Königreich Westphalen unter Kaiser Napoleon, im ersten und zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhundert, saß hier die Verwaltung des Cantons Langenhagen im Departement Aller. Nach Gründung des Königreiches Hannover regierte hier der königliche Regierungsrat und Amtmann des Amtes Langenhagen, Ernst Hagemann, bis zur Auflösung des Amtes. Sein vom Bürger- und Heimatverein geretteter Grabstein ist noch heute auf dem städtischen Friedhof Imhoffstraße zu sehen. Das Aussehen des leider verschwundenen Amtshofes ist in etwa erhalten geblieben, es gibt Pläne im Stadtarchiv. Zudem existiert die im 17. Jahrhundert von C. Lennep angefertigte, bisher älteste bekannte Ansicht von Langenhagen. Sie zeigt die heutige Elisabeth-Kirche mit dem benachbarten Vogt- oder Amtshof. Zu diesem gehörten neben dem Verwaltungs- und Wohngebäude des Amtmannes unter anderem ein Gefängnisturm, Ställe und Scheunen, eine Remise, ein Wohngebäude für Bedienstete, ein Backhaus, der Beamtengarten - denn nebenamtlich wurde Landwirtschaft betrieben - und, man höre und staune, ab 1746 ein
„Spritzenhaus“ für die bespannte Amts-Feuerspritze. Für die gab es sogar einen Vogtei-Einsatzplan (die älteste Nachricht über die Langenhagener Feuerwehr). Alle Gebäude verschwanden zugunsten des Baues der „Idioten - “ , der späteren „Heil- und Pflegeanstalt Langenhagen“ im heutigen Eichenpark. Wilfried Münckel hat 1972 für den Bürger- und Heimatverein, nach alten Plänen aus dem ehemaligen königlich hannoverschen Hausarchiv Marienburg, eine Rekonstruktionszeichnung angefertigt. Sie gibt das Aussehen des Amtshofes im 18. Jahrhundert von Südosten wieder. Der Vorstand des gemeinnützigen Bürger- und Heimatverein Langenhagen begrüßt den Kauf der Parzelle an der ehemaligen „Chaussee nach Hannover“ durch die Stadt, denn damit ist die Möglichkeit gegeben, künftig in geeigneter Form auf die vergessene historische Bedeutung dieses Grundstückes hinzuweisen.