Stadtdirektor Lange starb mit 94 Jahren

Hans-Heinrich Lange bewegte viel in Langenhagen.
Langenhagen (kr). Im Alter von 94 Jahren verstarb am vergangenen Sonnabend der ehemalige Stadtdirektor Hans-Heinrich Lange, der zu den engagiertesten und auch beliebtesten Verwaltungschefs Langenhagens zählte. Als er am 15. Oktober 1960 für zwölf Jahre in dieses Amt gewählt wurde, landete er in einem Umfeld unzähliger Spannungen und Querelen zwischen den Ratsfraktionen. Der Gefahr, sich als Parteiloser zwischen mehrere Stühle zu setzen, widerstand Lange mit Bravour. Er ging von Anfang an einen geraden Weg, und als optimistische Berliner Frohnatur fiel ihm das nicht sonderlich schwer. Mit ungeheurem Fleiß, verbunden mit großem Sachverstand, nahm er etliche Hürden. Er buhlte nicht um die Gunst der Fraktionen, sondern pochte auf seine durch die Gemeindeordnung verbrieften Rechte. Hans-Heinrich Lange hatte großen Anteil daran, dass sich die Ratsarbeit wieder versachlichte. Auf einer denkwürdigen Ratsversammlung am 26. November 1965 präsentierte Lange vor über 300 Zuhörern ein gut durchdachtes Konzept zur weiteren Entwicklung Langenhagens. Es war eine klare Antwort auf die Vorstellungen des hannoverschen Oberstadtdirektors Neuffert, der die Eingemeindung von 28 Gemeinden, darunter auch Langenhagen, in Erwägung gezogen hatte. „Wenn wir überleben wollen“, so betonte Lange damals, „ist eine politische Neuordnung notwendig.“ Hans-Heinrich Lange befürwortete einen Kranz von selbständigen Städten eines Landkreises rund um Hannover und eine Stärkung des neuen Großraumverbandes. Und die Entwicklung Langenhagens als Nebenzentrum zu Hannover mit einer eigenen integrierten Stadtmitte ließ nicht lange auf sich warten. In Langes Amtszeit fielen so wichtige Entscheidungen wie die Schaffung des Schulzentrums, des Hallenbads sowie diverser Sporteinrichtungen und Kindergärten. Als Hans-Heinrich Lange 1972 verabschiedet wurde, konnte er eine stolze Bilanz seiner Aktivitäten ziehen. Den Grundstein für seine berufliche Karriere hatte Lange mit seinem Jurastudium gelegt. Nach dem großen Staatsexamen ging er als Anwaltsassessor zur Industrie- und Handelskammer Coburg und wechselte dann als Stadtrechtsrat in das benachbarte kreisfreie Neustadt , bevor es ihn nach Langenhagen zog. Als er im Alter von erst 52 Jahren in den Ruhestand trat, war das der Auftakt zu weiteren beruflichen und ehrenamtlichen Aktivitäten. Unter anderem arbeitete Lange ein Jahrzehnt als juristischer Berater in Sachen Baurecht für eine große Versicherung. Ein weiteres Jahrzehnt engagierte er sich im DRK, so unter anderem für die Vorbereitungen zur Schaffung der DRK-Sozialstation und die Kindertagesstätte „Eentje Rummert“. Aktiv war er auch beim Suchdienst und der Betreuung von Flüchtlingen und Aussiedlern, um sie besser in der Gesellschaft zu integrieren. Hans-Heinrich Lange war übrigens ein Motor bei der Gründung der Schützen-Gemeinschaft Langenhagen, und er war es auch, der 1963 beim ersten gemeinsamen Fest der Schützengesellschaft, des SV Langenforth und des SV Brink das erste Fass Bier ansteckte und eine schwungvolle Rede hielt.
Seine Ehefrau Waltraud hatte er 1939 bei einem Tanzkurs in Jena kennen gelernt. Es war damals, wie er immer gerne erzählte, die „berühmte Liebe auf den ersten Blick“ gewesen. Waltraud Lange, ein Jahr jünger als ihr Mann, zählte zu den Gründungsmitgliedern des Tennis-Clubs Langenhagen. Waltraud und Hans-Heinrich Lange waren im gesellschaftlichen Leben der Flughafenstadt fest verwurzelt. Am 27. September 2012 war das Paar 70 Jahre verheiratet und konnte damit das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern. Das geschah in ihrer schmucken Wohnung in der Niederrader Allee im Kreis von drei Kindern, fünf Enkeln und drei Urenkeln.