Stars der Radsportszene am Start

Im Interview verrät "Nacht von Hannover"-Organisator Grischa Niermann Persönliches.

"Nacht von Hannover" am 26. Juli, Grischa Niermann im Interview

Langenhagen-Hannover. Die "Nacht von Hannover" wirft seine Schatten voraus. Langenhagens Radsport-Star Leo Appelt wird Dienstag, 26. Juli, bei dem großen Radrennen am Start sein. Das Autohaus Kahle wird mit einer Vertretung am Trammplatz zu sehen sein. Aufgezogen wird die Veranstaltung als TV-Großproduktion mit acht Kameras und einer Großbildleinwand. TVN, Madsack Mediengruppe, wird das abendliche Radspektakel in der City der Landeshauptstadt, mit großem Investitionsvolumen produzieren, als Livestream anbieten und die Bewegtbilder im Anschluss den unterschiedlichsten TV-Sendern zur Weiterverwertung anbieten. „Das ist ein mediales Event für die ganze Wirtschaftsregion Hannover und eine Grundlage für die künftige, weitere Vermarktung des Events“, begründete TVN-Geschäftsführer Frank Hähnel das Engagement.
Der zehnfache "Tour de France"-Etappensieger André Greipel geht als Top-Favorit in die Rundenhatz unmittelbar vor dem hannoverschen Rathaus, bei der er auf die Tour-Mitstreiter Paul Voss, Robert Wagner, Emanuel Buchmann und auch die beiden Lokalmatadoren, die Juniorenweltmeister aus 2014 und 2015, Leo Appelt und Jonas Bokeloh, treffen wird.
Grischa Niermann, selbst ehemaliger Radprofi, ist sportlicher Leiter der neuen „Nacht von Hannover“. Im Interview verrät der 40-jährige Vater zweier Söhne, warum er sich nach dem Ende seiner Radsportkarriere immer noch auf das Fahrrad setzt, und warum er der "Tour de France" lieber fern bleibt.
Redaktion: Herr Niermann, am 26. Juli steigt in Hannover ein Radsportevent, das eigentlich schon weg vom Fenster war. Sie sind sportlicher Leiter der Veranstaltung. Was können die Besucher von der neuen Nacht von Hannover erwarten?
Grischa Niermann: Die Besucher erwartet auf alle Fälle eine tolle Veranstaltung. Wir wollen an die Tradition der alten Nacht anknüpfen, die ja Tausende von Besuchern angelockt hat. Anders wird sicher das Drumherum. Das Team um Steffi Eichel hat sich ein Rahmenprogramm ausgedacht, in dem es einiges Neues gibt.
Redaktion: Die Nacht von Hannover ist ja gleich im Anschluss an die Tour de France. Ist das nicht wahnsinnig anstrengend für die Fahrer?
Grischa Niermann: Ach, die anderthalb Stunden können sie auch noch fahren. Die Besucher wollen ja die Profis, die sie auf dem Bildschirm gesehen haben, einmal in echt erleben.

Redaktion: Sie sind ja auch mehrfach bei der Tour wie auch bei der Nacht von Hannover gestartet. Hätten Sie nochmals Lust auf die Tour? Oder auf die Nacht?
Grischa Niermann: Ich selbst? Nein, ich würde nicht mitfahren wollen.

Redaktion: Sie haben auch einmal gesagt, bei den Anstiegen innerhalb der Tour tat es einfach nur noch weh.
Grischa Niermann: Ja, das stimmt...

Redaktion: Nun gibt es ja in Hannover glücklicherweise nicht so viele Berge..
Grischa Niermann: Nein, gibt es nicht, aber das ist anders anstrengend. Bei dem Kurs auf dem Friedrichswall gibt es mehrere 180-Grad-Kurven. Da muss man alle 400 Meter wieder antreten und abbremsen. Man hat also viel mehr Antritte. Und das ist schon anstrengend.

Redaktion: Verliert man eigentlich mal die Übersicht nach so vielen Runden?
Grischa Niermann: Nein, dazu gibt es doch die Anzeigentafeln.

Redaktion: Aber die Radfahrer haben doch immer den Kopf unten.
Grischa Niermann: Ach, ab und an heben die den auch.

Redaktion: Denkt man eigentlich über das Unfallrisiko nach?
Grischa Niermann: Wenn man das tut, hat man schon verloren. Das muss man ausblenden.

Redaktion: Was isst man eigentlich vor so einem Rennen?
Grischa Niermann: Vor oder bei der Tour de France auf alle Fälle genügend Kohlehydrate. Aber auch Eiweiß und Fett sind wichtig, damit der Körper sich erholt. Aber ich denke, für Hannover würde eine Bratwurst reichen. Oder besser gesagt, ein Hot Dog, weil der Name so schön passt. Die Strecke in Hannover sieht ja aus wie ein Hot Dog.

Redaktion: 2010 haben Sie einmal gesagt, sie führen rund 35.000 Kilometer pro Jahr. Wie viele sind es heute?
Grischa Niermann: So 17- bis 18-tausend Kilometer sind es schon. Ich bin auch relativ fit und fahre im Trainigslager (des niederländischen Nachwuchsteams) beispielsweise mit dem Rad statt mit dem Auto mit. So lange ich die anderen nicht ausbremse oder die auf mich warten müssen, mache ich das auch weiter.

Redaktion: Sie trainieren das niederländische Nachwuchsteam. Zuhause sind Sie in Gehrden. Sind Sie eigentlich oft daheim?
Grischa Niermann: Ich würde sagen, ich bin so oft unterwegs wie damals zu meiner Profizeit. 180 bis 200 Tage im Jahr bin ich nicht daheim.

Redaktion: Fahren Sie eigentlich auch privat Fahrrad?
Grischa Niermann: Ja klar, zweimal die Woche 70 bis 100 Kilometer sind es schon. Ich fahre auch mit Freunden, aber ich habe keine Ambitionen mehr, einen Wettkampf zu fahren.

Redaktion: Sie sind ja jetzt auch aus Gehrden nach Hannover mit dem Rad gefahren. Was für ein Fahrrad haben Sie denn?
Grischa Niermann: Mehrere. Ich habe bestimmt zehn, zwölf Stück im Keller. Ich bin ja auch Testfahrer für Giant, so dass ich immer neue Räder bekomme. Aber ich habe auch ein altes Stadtrad, mit dem ich durch Gehrden radel.
Redaktion: Und Ihre Kinder? Haben die Radfahr-Ambitionen?
Grischa Niermann: Meine Söhne, die jetzt neun und zwölf Jahre alt sind, sind da nicht so ambitioniert. Und ich bin nicht derjenige, der sie antreibt. Die spielen lieber Fußball. Sie sollen das tun, was sie wollen. Sie werden gefördert, aber ohne Druck, Profis werden zu müssen.

Das Interview führte Heike Schmidt