Strapazierter Gassenhauer mit Kultcharakter

Die einstige Kult-Band "Geier Sturzflug" tritt mittlerweile nur noch als Duo auf. (Foto: D. Lange)
 
Am Abend herrschte richtig gute Stimmung auf dem Stadtfest. (Foto: D. Lange)

Am Abend änderte sich das Bild beim Stadtfest

Langenhagen (dl)." My Home is my Car", mag sich vielleicht jenes zur Eitelkeit neigende Individuum der Gattung Mann gedacht haben, welches im Auto sitzend kurzerhand zur Schere griff, um mit Hilfe des Innenspiegels den Bartwuchs akkurat auf Länge zu trimmen. Ob dieser spontane Akt der Körperpflege mit dem Besuch des Stadtfestes im Zusammenhang stand oder vielleicht der Vorbereitung eines Rendezvous diente, ist nicht überliefert, eben sowenig, ob der solcherart Frischfrisierte einen Handstaubsauger dabei hatte, um seine haarigen Hinterlassenschaften wieder zu entfernen. Jedenfalls passte die kleine Begebenheit am Rande recht gut als Einstimmung zum Geschehen auf dem Marktplatz. Bezogen auf den Sonnabendnachmittag hatte man dort, verglichen mit dem Abend desselben Tages, den Eindruck zweier völlig verschiedener Veranstaltungen. Der Nachmittag auf dem Marktplatz: sehr übersichtlich in der Zahl der Besucher, keine Stimmung, keine Atmosphäre. Einzig einer der letzten Vertreter jener Panflötengruppen, die mit ihrer auf Pop getrimmten Andenfolklore zeitweilig zum festen Inventar bundesdeutscher Fußgängerzonen zählten, mühte sich um musikalisches Hintergrundrauschen. Ansonsten kein weiteres Unterhaltungsprogramm wie Walk-Acts, Kleinkünstler oder Ähnliches. Dafür eine ganze Reihe von Verkaufsständen, die allerlei bunten Nippes feilboten. Einzig die Kinder fühlten sich mit Karussell, Riesenrad, Kinder-Schminken und Kasperle-Theater noch gut bedient. Später am Abend aber, als die Lichter angingen, änderte sich Bild. Mit Beginn des Bühnenprogramms wurde es lebendig, die Menschen füllten den Platz und hatten Spaß an diesem lauen Sommerabend. Wie in jedem Jahr startet die Disco mit Laser-Show und ordentlich Bums aus den Lautsprechern ohnehin erst so richtig bei Einbruch der Dunkelheit, während Bonny und die Rockpiraten auf der Marktplatz-Bühne bereits mal für Stimmung sorgten. Die anschließend als Haupt-Act angekündigten „Geier Sturzflug“ treten mittlerweile nur noch als Duo in Erscheinung, mit Sänger und Gründungsmitglied Friedel Geratsch sowie Carlo von Steinfurt am Saxophon. Dabei singen sie nur noch, die Musik kommt aus der Konserve. Dergestalt zehren sie von den Erfolgen vergangener Tage und um das Publikum in Tanzlaune zu bringen, müssen sie unter anderem gleich mehrmals ihren alten Gassenhauer und Hitparadenstürmer „Bruttosozialprodukt“ strapazieren. Manch Älterer mag sich noch an die „Geier“ beim Stadtfest 1983 im Flughafen erinnern, damals noch in voller Besetzung, als sie mit ihrer von Ska und Reggeae beeinflussten Spaßmusik erst das Publikum und dann den Boden des Terminals zum Schwingen brachten. Der Sonntag begann wie gewohnt mit dem traditionellen Jazz-Frühschoppen und der „Jazz Connection“ aus Holland. Kein Vergleich zu Sonnabend. Die Musik brachte schon früh die Stimmung, die richtige Atmosphäre und letztendlich auch das Publikum, die für ein Fest mit diesem Anspruch einfach unerlässlich sind. Noch dazu begünstigt durch den gleichzeitig beginnenden verkaufsoffenen Sonntag im CCL.