Stromfasten – der Umwelt zuliebe

Bei Gropengießers wird versucht Energie zu sparen, wo es nur geht.Foto: C. Gropengießer

Stromsparaktion der Klimaschutzagentur Region Hannover

Langenhagen. Stromfasten, das bedeutet 40 Tage bewusster Umgang mit Energie im Haushalt.
In Zeiten steigender Energiepreise beteiligen sich unter dem Motto „Strom abwärts!“ der Klimaschutzagentur 85 Haushalte an der Stromsparkampagne für Langenhagens Kirchengemeinden. Das Wort "Fasten" wird oft mit Enthaltsamkeit und Verzicht gleichgesetzt, denn schon das frühchristliche Wort `Karneval` kommt aus dem lateinischen, heißt soviel wie
"Fleisch lebewohl" und ist somit als Einstimmung auf die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern zu verstehen. Erst schlemmen, dann fasten.
Ganz so streng soll es beim Stromfasten natürlich nicht zugehen, denn hier lautet die Botschaft: Stromsparen, ohne auf Komfort verzichten zu müssen. In diese Richtung geht auch die theologische Begründung, wenn es um "richtiges und falsches" Fasten geht. Der Pfarrer der Kirchengemeinde `Zum Guten Hirten` in Godshorn, Falk Wook meint dazu “Nicht der eigene Verzicht steht dabei im Vordergrund, wichtiger sei, dass das Fasten anderen zugute komme, indem Energieressourcen eingespart werden." Nicht der Verzicht also, sondern der bewusste Umgang mit Energie ist entscheidend. Sicher lässt sich aber auch beides miteinander verbinden. Monika Kirschke aus Langenhagen zum Beispiel hat dazu ihren Ernährungsplan für die Zeit bis Ostern komplett umgestellt, um, wie sie sagt "den Körper zu entschlacken und sich bewusst und vor allem ohne Fleisch, dafür mit Gemüse und viel Tee zu ernähren".
Am Beginn des Stromfastens steht für die teilnehmenden Haushalte eine Energiesparberatung durch die Mitarbeiter der Klimaschutzagentur, die zeigen, wie man mit einfachen Mitteln den Stromverbrauch senken kann und wo sich heimliche Stromfresser verbergen. Das führte für manche zu verblüffenden Erkenntnissen. Wer weiß schon, dass die "Aqua-Stop" Funktion bei den Wasch- und Spülmaschinen auch dann Strom verbraucht, wenn die Maschine ausgeschaltet ist? Ähnliches gilt für Computer, DSL Router und alle Stromverbraucher mit einem Netzteil. Ein großer Stromfresser ist natürlich auch die "Stand By"-Funktion zum Beispiel an Fernsehern und HIFI Anlagen. Um deshalb also die Elektrogeräte ganz vom Netz zu trennen, empfiehlt sich der Einsatz einer Steckerleiste mit Schalter. Ob es sinnvoll ist, eine neue Spülmaschine oder eine Waschmaschine anzuschaffen, hängt neben Alter und Zustand des Gerätes auch vom Preis und dem Einsparpotenzial ab. Moderne Wasch- oder Spülmaschinen verbrauchen zwar weniger Wasser, aber aufgrund längerer Programmlaufzeiten nicht unbedingt weniger Strom. Einsparmöglichkeiten gibt es deshalb vielmehr durch die Wahl der richtigen Waschtemperatur. Moderne Waschmittel lassen die meiste Wäsche auch bei 40 Grad sauber werden. Auch bei Kühl- und Gefrierschränken kann die Wahl der richtigen Temperatur dazu beitragen, Strom zu sparen.
Bei der Familie Gropengießer in Godshorn haben auch die zwei 15- und 17jährigen Kinder an der Energiesparberatung teilgenommen, um sie für das Thema `Stromsparen` zu sensibilisieren. Dass die beiden Jugendlichen dies gut verinnerlicht haben und auf ihre Art auch umzusetzen wissen, zeigt eine Anekdote, die die Mutter, Christine Gropengießer erzählte: Die Tochter rief eines Tages:„Mama, lies doch noch schnell den Stromzähler ab, ich möchte dann gerne baden !“
Christine Gropengießer backt seit einiger Zeit gerne ihr Brot selber und hat festgestellt, dass es sinnvoller ist, gleich mehrere zu backen, um den Backofen besser auszunutzen. Die Brote werden anschließend eingefroren. Auch sei es im Sinne des Stromsparens unnötig, den Backofen vorzuheizen, obwohl das in allen Backrezepten empfohlen wird.
Ein weiterer wichtiger Faktor beim Thema Stromsparen ist die Beleuchtung, die im Gesamtverbrauch eines Haushaltes etwa elf Prozent ausmacht.
Dass Energiesparlampen in der Regel sehr viel weniger Strom verbrauchen als herkömmliche Glühbirnen bei gleicher Lichtausbeute, aber viel längerer Lebensdauer, ist sicher vielen schon bekannt. Einen Beratungsbedarf gibt es noch bei Fragen zum Lampensockel, zur Startgeschwindigkeit oder zur Effizienzklasse und der Lichtfarbe. Zusätzlich bekamen die Haushalte gratis ein Starterpaket mit diversen nützlichen Sparhelfern wie eine Steckerleiste und eine Energiesparlampe. Um den Stromverbrauch und die damit eventuell verbundenen Einsparungen zu dokumentieren, werden in den Haushalten einmal in der Woche die Stromzähler abgelesen und dieses Protokoll wird im Anschluss an die Aktion von der Klimaschutzagentur ausgewertet, um alle Teilnehmer auch über die Fastenzeit hinaus zum Energiesparen nachhaltig zu motivieren. Im vergangenen Jahr betrug die Einsparung etwa
30 Prozent der Kilowattstunden im Durchschnitt aller teilnehmenden Haushalte.
Und wer weiß, vielleicht wird ja auch der eine oder andere durch das Stromfasten zu diesbezüglich weitergehenden Maßnahmen inspiriert, sei es weil er gerade ein Haus baut und über eine effektive Heizung oder eine Photovoltaikanlage nachdenkt, oder ein anderer nimmt die schon längst fällige Wärmedämmung seines Hauses in Angriff und vieles mehr.