Talsohle der Fallzahlen ist durchschritten

Andreas Alder (links) und Rüdiger Vieglahn haben Fallzahlen zur Jugendkriminalität veröffentlicht. (Foto: G. Gosewisch)

Polizei zeigt Statistik zur Jugendkriminalität

Langenhagen (gg). „Ein Schwerpunkt in der polizeilichen Aufgabenwahrnehmung“ ist nach Auskunft von Rüdiger Vieglahn, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes im hiesigen Kommissariat, die Jugendkriminalität und die Jugendgefährdung. Die Analyse der Fallzahlen ist ein Teil davon. Auch für Mitarbeiter des Jugendamtes und für die Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé bietet die nun von der Polizei vorgelegte Statistik eine Arbeitsbasis.
18 Prozent der für Langenhagen anzunehmenden 55.000 Einwohner sind Kinder und Jugendliche. Somit gilt die Zahl 9.900 als Bezug, wenn die Anzahl der Delikte, die Kindern und Jugendlichen zuzuschreiben sind, in Relation gesetzt wird. Die Talsohle der Fallzahlen, die sich zwischen 2013 und 2015 mit rund 150 Straftaten pro Jahr zeigte, ist im Jahr 2016 mit 204 Straftaten und 2017 mit 235 Straftaten nicht mehr gegeben. Im Gegenteil, der prozentual starke Anstieg wirft Fragen auf, auch wenn die absoluten Zahlen keine Dramatik trägt. Warum gibt es diesen Anstieg? Rüdiger Vieglahn erklärt es mit Zusammenhängen und einem Aufsummieren kleiner Effekte. Klassisches Beispiel sei eine Schulhofprügelei, die üblicherweise nicht nur eine Anzeige bei der Polizei zur Folge habe, sondern mehrere, weil Verbündete sich einmischten. Klar sei auch, dass an Schulen nicht nur der Lehrauftrag, sondern in immer stärkerem Maß der Erziehungsauftrag gefordert sei. Kulturelle Vielfalt könne theoretisch über die Eltern Probleme aufwerfen, spiegele sich aber nicht erheblich in der Statistik wieder.
28 nichtdeutsche tatverdächtige Kinder gibt es im Jahr 2017. Bei den Jugendlichen waren es 35 Tatverdächtige. Im Vergleich mehrerer Jahre fällt auf: Vor 2015 gab es jährlich im Schnitt acht Tatverdächtige Kinder pro Jahr, ab 2015 pendelt sich eine zwanziger Marke ein. Auch bei den minderjährigen deutschen Tatverdächtigen gibt es einen Anstieg der Anzahl: um 20 plus im Vergleich zum Vorjahr jeweils bei den Jugendlichen und bei den Kindern. Gute und schlechte Nachricht gibt es bei den Körperverletzungen insgesamt über alle Altersgruppen, auch Erwachsene: die Zahlen steigen seit 2016 in erschreckender Weise auf 480 pro Jahr, jedoch liegt die Aufklärungsquote bei knapp 90 Prozent. Von den 480 polizeilich bearbeiteten Körperverletzungsdelikten im Jahr 2017 waren 33 jugendlichen Tatverdächtigen zuzuschreiben.
In 2017 haben 21 Jugendliche Ladendiebstähle begangen, die polizeilich bearbeitet wurden. Dabei gab es 27 Tatverdächtige, was nicht verwundern muss, weil Ladendiebstähle auch schon mal gemeinschaftlich begangen werden. 70 Prozent der angezeigten Ladendiebstähle wurden aufgeklärt. Bei den 431 Delikten Sachbeschädigung in Langenhagen insgesamt war der Anteil der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden unauffällig. Rüdiger Vieglahn sagt: „Dies ist interessant, denn hier ist die öffentliche Wahrnehmung vielleicht eine andere.“ Fortgesetzt wird im hiesigen Kommissariat die sogenannte Null-Toleranz in Bezug auf das „Betäubungsmittel Canabis“. Kommissariatsleiter Andreas Alder betont: „Hier schauen wir ganz genau hin, auch im Schulkontext.“