Typisch Jugend!?

Beate Granobs, Diakonin
Ja, was denn eigentlich? Sind Jugendliche faul und sind sie die „Null Bock“- Generation? Oder sind sie total überlastet? Überlastet von den Anforderungen in der Schule und der Gesellschaft, schon in der Grundschule unter Erfolgsdruck stehend und sich in einer Ellenbogengesellschaft durchkämpfend? Für nichts anderes haben sie mehr Zeit?
Ganz im Gegenteil! Nächste Woche startet in unserem Kirchenkreis der neue Ausbildungsdurchgang für Jugendliche, die Jugendleiter werden wollen. Sie wollen die Jugendleitercard, kurz JuLeiCa, erwerben. In diesem Jahr haben sich 54 Jugendliche dazu entschieden, diese Ausbildung bei der evangelischen Jugend zu machen. Davon sind wir überwältigt! Denn diese 54 Jugendlichen zeigen uns damit: Wir wollen uns engagieren, wir wollen mitarbeiten und mehr Verantwortung übernehmen.
Ein halbes Jahr lang treffen sich die Jugendlichen regelmäßig abends und an Wochenenden und werden in verschiedenen Bereichen ausgebildet: Gruppenleitung, Entwicklungspädagogik, Spielepädagogik, Planung und Durchführung von Veranstaltungen, Umgang mit Jungen und Mädchen, Andachten vorbereiten und durchführen und vieles mehr. Ein volles Programm, welches nun vor den Jugendlichen liegt.
Ist das nun etwa eine Ausnahmeerscheinung? Haben sich gerade in diesem Jahrgang alle engagierten Jugendlichen zusammen getan? Nein. Nicht nur unsere Erfahrung zeigt, dass sich Jugendliche in heutiger Zeit noch sozial engagieren. Auch die neueste Shell-Jugendstudie aus dem letzten Jahr belegt, dass Jugendliche sich wieder vermehrt engagieren. Ich denke, dass es gerade in heutiger Zeit ein wichtiger Ausgleich für Jugendliche ist, sich für andere zu engagieren. Ein Ausgleich dazu, sich durchsetzen zu müssen, zu merken, dass nur die Starken weiter kommen, zu spüren, dass man nicht gut genug ist für den Traumberuf. Wer sich sozial engagiert, der erfährt, dass er willkommen ist. Willkommen mit seinen ihm eigenen Stärken und Schwächen, willkommen als ganzer Mensch. Und es warten andere, denen es genauso geht. Und alle gemeinsam erleben sie, dass ihr Engagement anderen hilft, aber auch ihnen selber gut tut.