Überhastet oder weitreichend?

Ratsmehrheit stimmt im Bildungsausschuss für zweite IGS an Brinker Schule

Langenhagen (ok). "Das ziehen wir jetzt durch", kündigte Jean-Pierre Hühne von der SPD vor der Abstimmung zur zweiten IGS im Bildungsausschuss an, und die Mitglieder der Ratsmehrheit hielten Wort, wollen zum kommenden Schuljahr eine zweite IGS in Langenhagen an der Brinker Schule ins Leben rufen. Eine Entscheidung, die SPD und Grüne schon im Vorfeld angekündigt hatten. Und ein Votum, das nicht auf ungeteilte Gegenliebe stieß – Marco Zacharias (CDU) hatte sich vehement dafür ausgesprochen, sich mehr Zeit zu lassen; der Stadtelternrat war zunächst für eine Erweiterung der bestehenden IGS, etwa als Außenstelle an der RKS. Eine Alternative sei eine zweite IGS in den Räumen der RKS. Für den Stadtelternratsvorsitzenden Mirko Heuer ein „übereilter Schnellschuss, um Versprechen einzulösen“. Die Politik irre gewaltig, wenn sie denke, dass eine überhastete Entscheidung für eine angebliche Bedarfsdeckung ohne genaue Betrachtung der weitreichenden Konsequenzen für die Langenhagener Schullandschaft zu Pluspunkten in der Elternschaft führe. Für Ulrike Jagau (Grüne) wird es allerdings höchste Eisenbahn, eine zweite IGS an den Start gehen zu lassen, denn: „Wir können es uns nicht länger erlauben, dass wir Kinder enttäuschen.“ Es sei einfach verletzend, wenn Kinder nicht nur eine Ablehnung an der bestehenden IGS erhielten, sondern vielleicht sogar eine zweite an der Robert-Koch-Realschule. Eine kleine Spitze gegen die Opposition konnte sich die Ratsfrau nicht verkneifen und sagte: „Die Diskussion führen wir schon seit Jahren, sie ist nicht einfach so plötzlich über uns gekommen. Sie hätten sich ja schon Ihre Gedanken machen können.“ Die Schulen dürften nicht gegeneinander ausgespielt, keine IGS zweiter Klasse kreiert werden. Wichtig sei ein „vernünftiges Profil“, etwa mit den so genannten naturwissenschaftlichen MINT-Fächern oder aber auch mit Sprachen wie zum Beispiel Türkisch. Sie schränkte aber auch gleich ein: „Die inhaltliche Ausrichtung ist letztendlich nicht Sache des Rates.“ Werner Knabe wünscht sich zwar ein „Superding mit pädagogischem Profil“, sieht aber gleichwohl ein „Imageproblem“. Für Marion Kellner von der Grünen geht es vor allen Dingen darum, einen „Spirit in die Stadt“ zu bringen; die Gesamtsituation vor Ort müsse betrachtet werden, beim „Auslaufmodell“ Hauptschule bestehe dringender Handlungsbedarf. Darum wird sich die Verwaltung im nächsten Schritt nach Ankündigung der Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch Gedanken machen; die Politik bot der Realschule an, Ganztagsschule zu werden, eine Umwandlung in eine Oberschule stehe nicht zur Debatte. Dagmar Janik machte in ihrer Begründung noch einmal deutlich, warum die Entscheidung der Ratsmehrheit so ausgefallen sei. Die Brinker Schule sei super geeignet, nicht zuletzt wegen des Außengeländes. Alle Räume seien vorhanden. Der Elternwille nach einer IGS müsse erfüllt werden, schließlich gebe es an der bestehenden IGS in jedem Jahr etwa 180 Absagen. Schon zum kommenden Schuljahr soll es losgehen – ein durchaus ambitioniertes Vorhaben. Bis zum 1. Dezember muss alles eingetütet sein; der Rat der Stadt Langenhagen die endgültige Entscheidung gefällt haben.