Und Bauchtanz

Sie waren immer schon eine bewegte Frau. Skilanglauf. Tennis. Bergwandern. Wattwandern. Jazzdance. Squash. Radfahren. Joggen. Orientalischer Tanz. Yoga. Flamenco. Rückengymnastik. Ballett. Schwimmen. Rasenmähen. Alles was schön und fit macht und ästhetisch aussieht. Mit Ausnahme von Wattwandern. Da tragen Sie schlickbespritzte Gummistiefel und Kapuzenjacke. Oder Bergwandern. Wenn sie mit hochrotem Kopf schwitzend und schnaufend Ihr schweres Handgepäck durch die Gegend schleppen. Oder Tennis, wenn Sie die Bälle immer über das Netz donnern. Über das Netz am Ende des Spielfeldes. Schwimmen. Schwimmen sieht ganz gut aus. Und Bauchtanz. Wenn Sie nicht gerade auf dem Saum Ihres langen Rockes stehen oder mit dem Schleier im Haarteil hängen bleiben.
Training in der Muckibude finden Sie dagegen ganz doof. Sie zwischen diesen ganzen stromlinienförmigen, sonnengebräunten Körpern! Im hautengen Sportkondom. Wie sieht das denn aus? Oder Nordic Walking. Das ist, wenn die Kohle nicht mehr für Skier reicht und die Leute nur mit den Stöcken bewaffnet unterwegs sind. Haben Sie gelacht, als Sie das zum ersten Mal gesehen haben.
„Wohl die Bretter verloren, wie?“
Interessant ist, welche Walkertypen so unterwegs sind. Durchgestylte Damen mit Betondauerwelle und zierlichen, kleinen Trippelschritten, das figurbetonte, sportliche Outfit farblich passend zum kußechten Supersoftglosslippenstift und zum trendigen Multicolordesign der Stöcke. Die sind tagsüber unterwegs, wenn sie gesehen werden. Die beschwingten Senioren, die sich ohne Gehhilfe deutlich jünger fühlen und daher die Lekis immer tragen. Die Weightwatchers, die die Kilometer bis zum nächsten Kühlschrank zählen. Die Frustrierten, die die Stöcke scheppernd auf der Schotterpiste hinter sich her schleifen lassen. Die übermütigen Jogwalker, die sich nicht zwischen Joggen und Walken entscheiden konnten und daher beides praktizieren, zur gleichen Zeit. Oben walken, unten joggen. Die Wütenden, die die Stöcke kraftvoll in den Boden rammen. Die Träumer und Verliebten, deren Stöcke kaum den Boden berühren. Und die Vergeßlichen, die ihre Stöcke zu Hause gelassen haben und simulieren.
Für Sie käme diese alberne Trendsportart ja nicht ernsthaft in Betracht. Und deshalb marschieren Sie morgens um halb sieben. Ohne Stöcke. Sie tun nur so als ob. Die Hundehalter im Viertel sind begeistert.
„Na, heute die Stöcke vergessen?“
Sie ändern Ihr Programm und starten um Viertel vor sechs. Mit Stöcken. Wenn die Hundehalter noch die Badezimmerspiegel hypnotisieren. Nur einer, der kommt Ihnen gelegentlich mit seinem Golden Retriever entgegen.
„Na, wohl nich jenuch Schnee in diesem Sommer, wa? Oder hamse etwa ooch die Bretta verlorn?“

Isabelle Renitente