Ungarische Reminiszenzen

Für die SCL-Athleten gab's zwei Medaillen.

Langenhagener Leichtathleten holen sieben EM-Medaillen

Langenhagen. Mitte Juli fuhren sieben Langenhagener Senioren weit in die ungarische Puszta hinein, um wieder einmal an den leichtathletischen Europameisterschaften teilzunehmen, die in schöner Regelmäßigkeit wie immer an verschiedenen Orten unseres Kontinents im festgelegten Zweijahresrhythmus stattfinden. Insgesamt waren dort 3.126 Athleten gemeldet, davon 528 Deutsche. Dass das Ungarische keiner uns verwandten Sprachenfamilie angehört, konnte man auch aus dem Namen des Veranstaltungsortes ersehen, dieser heißt nämlich - fast unaussprechbar - Nyiregyháza. Sucht man es auf der Karte, so findet man die mittelgroße Stadt etwa 50 Kilometer vor der ukrainischen Grenze, etwa 300 Kilometer östlich von Budapest. Diese Strecke ging es dann mit dem Schnellzug, wobei Personen im Rentenalter, wie es in Ungarn bemerkenswert ist, umsonst fahren durften. Das anhaltende Hochdruckwetter über Mitteleuropa bescherte während dieser Zeit auch den Magyaren eine ungewohnte Rekordhitze von knapp unter 40 Grad Celsius. In Budapest und anderen Städten wurden beispielsweise von den Stadtverwaltungen kostenlose Wasserflaschen an die Passanten ausgegeben. Dennoch beeindruckte auch unter diesen Verhältnisse die imposante Donaukulisse mit ihren klassischen Bauwerken aus der K.u.K.-Monarchie. Auf Grund der geographischen Lage hatten es die Langenhagener bei den anstehenden Wettkämpfen daher vielfach mit Konkurrenten aus den ehemaligen Ostblockstaaten zu tun. Den Wettkampfreigen begann der älteste Langenhagener, Karlheinz Teufert (M80), der im Fünfkampf mit 2.917 Punkten auch die erste Goldmedaille des Tages gewinnen konnte. Leider konnte man den laufenden Stand dieser Konkurrenz nicht verfolgen, da der Stadionsprecher nur des Ungarischen mächtig war. Allerdings gab es bei diesem Wettbewerb noch einen viel besseren Athleten, der Teufert mit weit mehr als 3000 Punkte das Nachsehen gab: Der Pole Kasimierz Bulczynki hatte jedoch wegen Zeitmangels vergessen, seine Confirmation-Card einlesen zu lassen, und da dies als unbedingte Notwendigkeit für alle Teilnehmer im Reglement stand, wurde er nach dem Wettkampf auch prompt (er hatte sich bereits zur Siegerehrung eingefunden) vom höchsten Kampfrichtergremium disqualifiziert. So richtig freuen konnte sich Teufert über diesen Europameistertitel daher nicht. Beim 5000-Meter-Gehen auf der Tartanbahn wurde der Spartaner und Altmeister Karl Degener (M65) in 29:41,05 Minuten Dritter, vor ihm lagen nur der Este Niidusaar und der Russe Karlow. Manfred Krenz (M60) vom gleichen Verein kam in 34:50,37 Minuten als 20. an. Dagegen konnte sich Karlheinz Teufert (M80-SCL) mit 35:43,26 eine Bronzemedaille sichern. Auch die Frauen musste auf die 5000-Meter-Strecke: Beste Langenhagenerin war hier als achte Birgit Komoll (W45-Sparta) mit 33:49,54 Minuten Yoshiko Teufert-Shibata (W60-SCL) wurde mit 34:31,37 Minuten Siebte. Claudia Otte (W45-Sparta) brauchte für diese Strecke 36:42,57 Minuten und erreichte Platz 10. Zwei Tage später fand das Langstrecken-Gehen in einer Parkanlage der Innenstadt statt. Ein plötzlich auftretendes Gewitter hatte aber vorher ganze Straßenzüge unter Wasser gesetzt, so dass das Zehn-Kilometer-Frauengehen um mehrere Stunden verschoben werden musste. Hierbei kam Birgit Komoll (W 45) in 1:08,03 Stunden auf den fünften Platz, Yoshiko Teufert-Shibata (W60) in 1:11,16 Stunden auf den siebten Rang. Claudia Otte (W45) ging in 1:15,32 Stunden als Neunte ins Ziel. Disqualifikationen gab es diesmal nur wenige. Birgit gewann mit der deutschen Mannschaft noch zusätzlich eine Bronzemedaille. Yoshiko litt erheblich unter der Puszta-Hitze sowie einer geplatzten Augenader und blieb daher erheblich unter ihrem Leistungsniveau. Damit platzte auch der Traum auf eine Medaille aus der Mannschaftswertung. Die Männer hatten es auf der 20-Kilometer-Strecke mit einem sehr stark besetzten Feld zu tun. Karl Degener (Sparta-M65) ging in 2:05,51 Stunden auf einen Silberplatz, diesmal war nur noch der Este Niidusaar vor ihm. Als bester Deutscher sicherte er sich in der Mannschaftswertung das ersehnte Gold. Insgesamt waren hier immerhin elf Mannschaften am Start. Manfred Krenz (M60-Sparta) wurde mit 2:34,17 Stunden schließlich auf den 25. Platz gesetzt. Der Altsenior Karlheinz Teufert (M80-SCL) war mit einer Zeit von 2:38,56 Stunden zufrieden, er bekam noch einmal Bronze. Nach der wiederum kostenlosen Rückfahrt über Budapest ging es noch in die Lichterstadt Prag, wo Teufert, der als kleiner Pimpf vor 70 Jahren von einer Kinderlandverschickung ausgerissen und dann ganz allein staunend über die Karlsbrücke spaziert war, noch einmal seinen alten Reminiszenzen nachhing.