Ungeniertes Filmen filtern

Feuerwehr reagiert auf Sensationsgier

Region. Um bei Feuerwehreinsätzen nicht nur das Feuer unter Kontrolle, sondern auch die Fäden der Krisenkommunikation in der Hand zu behalten, sind soziale Medien auch für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehren Mittel zum Zweck. Ziel eines erstmals durchgeführten Seminars war es, die Anwendung in simulierten Schadenslagen zu üben. 19 Feuerwehrpressesprecher und eine Feuerwehrpressesprecherin kamen für einen ganzen Sonnabend im Feuerwehrhaus Empelde zusammen, um sich für die Krisenkommunikation über die sozialen Netzwerke fit zu machen. 17 kamen aus den 20 Städten und Gemeinden der Region Hannover und drei aus den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Hildesheim und Diepholz die zum Landesfeuerwehrverbandsbezirk Hannover gehören. Die Leitung hatte Regions-Pressesprecher Armin Jeschonnek, sein Stellvertreter ist der Langenhagener Feuerwehrsprecher Stephan Bommert.
Das Smartphone und soziale Medien haben das Kommunikationsverhalten der Menschen erheblich verändert. Das merken auch die Rettungskräfte bei ihren Einsätzen. Schaulustige filmen ungeniert jedes Unglück und posten es anschließend via facebook, Instagramm, Twitter oder Whats app in die ganze Welt. Dort wird es von vielen gelesen, bewertet, kommentiert und weitergeleitet. Aus einem Schneeball entsteht in kürzester Zeit eine ganze Lawine. Anders als bei den etablierten Medien aus Print, Rundfunk und TV gelten dabei keine Grundsätze journalistischer Ethik. Kennzeichen sind vielmehr Emotionen und Polemik statt Fakten. Diese Lawine kann sich bei Einsätzen auch gegen die Rettungskräfte wenden. Dann ist professionelles Krisenmanagement gefragt. Das neue Modul „Social Media in der Krisenkommunikation“ aus der Seminarreihe für Feuerwehrpressesprecher hat die Teilnehmer in die Lage versetzt, einen möglichen Shitstorm erst gar nicht entstehen zu lassen und Social-Media Kanäle in der Krisenkommunikation richtig zu nutzen.
Mit einem theoretischen Teil am Vormittag wurden die Teilnehmer auf die praktischen Übungen am Nachmittag vorbereitet. Hier hatten sie in wechselnden Rollen anhand von Einsatzbeispielen die Rollen des Social Media-Betreuers der Feuerwehr und der Community und der sogenannten Trolls zu spielen. Eine Einsatzlage war zum Beispiel ein Feuer in einer Schule, das beim Experimentieren im Chemieraum ausgebrochen ist. In den sozialen Medien sorgten sich Eltern um ihre Kinder, vermeintliche Brandschutzmängel werden hochgespielt, die Einsatzzeiten der beteiligten Ortsfeuerwehren mit teilweise längeren Anfahrten (Tagesalarmbereitschaft eingeschränkt) wird kritisiert und Schüler posten Fotos in sozialen Medien. Auf das alles mussten die Feuerwehrpressesprecher bei diesem und drei weiteren Einsatzszenarien reagieren und eine objektive Sicht der Lage vermitteln. Bei der abschließenden Manöverkritik wurden die gefundenen Lösungen gemeinsam besprochen und bewertet.
Vorbereitet wurde das Seminar vom Arbeitskreis Seminare der Feuerwehrpressesprecher unter Vorsitz vom Regionspressewart Armin Jeschonnek. Die notwendige Computertechnik stellte die Technische Einsatzleitung der Region unter Federführung von Jörn Engel bereit. Für die Verpflegung sorgten Harald Nülle und Susanne Nülle von der Ortsfeuerwehr Empelde.