Unkonventionell mit einem „großen Herz“

Karin Saremba (rechts) stellt unter Anleitung ihrer Kollegin Michaela Meinecke ihr künstlerisches Geschick unter Beweis.Foto: O. Krebs
 
Die "Putzing Queen": Die Kolleginnen und Kollegen wollen Karin Saremba einen Job als "Zugehfrau auf geringfügiger Basis" schmackhaft machen.Foto: O. Krebs

Beliebt im ganzen Rathaus: Fachbereichsleiterin Karin Saremba geht in den Ruhestand

Langenhagen (ok). Und da sage noch einer Verwaltungsangestellte im Allgemeinen und Beamte im Besonderen seien nicht kreativ: Die Kolleginnen und Kollegen der Leiterin des Fachbereichs Ordnung, Karin Saremba, haben ein wahres Show-Feuerwerk für ihre Chefin abgebrannt, sich zum Beispiel bei einem lustigen Film, einer fiktiven Ratssitzung und einem selbstkomponierten Song nach der Melodie von „We will rock you“ mächtig ins Zeug gelegt: Engagement, das aber auch zeigt, wie beliebt die städtische Oberrätin war, die am Freitag 60 Jahre alt geworden ist und jetzt in Altersteilzeit geht. Und die in ihrem langen Berufsleben nur zwei Arbeitgeber gehabt hat: die Gemeinde Godshorn und die Stadt Langenhagen. Gelernt hat sie bereits als 14-Jährige bei der Gemeinde Godshorn bei Gemeindedirektor Hermann Euscher, war dort auch in der „Schwimmbadverwaltung“ beschäftigt. 1974 wechselte sie dann zur Stadt Langenhagen, zunächst als Angestellte, später schlug sie dann die Beamtenlaufbahn ein. Im Rathaus durchlief Karin Saremba viele Stationen, war unter anderem Rechnungsprüferin und Amtsleiterin des Amtes für Gebäudewirtschaft, später dann Fachbereichsleiterin des Fachbereichs 2 „GebäudeService“. Der einzige Bruch in der Laufbahn der „unkonventionellen“ Karin Saremba kam dann im Jahr 2006 – der neue Bürgermeister Friedhelm Fischer strukturierte kräftig um, Karin Saremba war ihren Job als Fachbereichsleiterin los und durfte sich im Rats- und Bürgermeisterbüro fortan um die Betreuung aller Ortsräte kümmern. Fischer ist froh, dass trotz dieser harten Entscheidung nichts mehr zwischen ihm und Karin Saremba stehe, er habe immer sehr gern mit ihr zusammengearbeitet. 2009 ging dann Ordnungsamtsleiter Burckhard Hein in den Ruhestand; Karin Saremba, die für alle immer ein offenes Ohr hat, war für Friedhelm Fischer die ideale Besetzung. Mit der Einschätzung lag der Verwaltungschef sicherlich total richtig, denn die Beliebtheit Karin Sarembas und die Sympathie, die ihr entgegengebracht worden, kamen während der Verabschiedung ein ums andere Mal zum Ausdruck. Auch vom stellvertretenden Bürgermeister Willi Minne, der Karin Saremba schon seit vielen Jahren kennt: „Du hast dich immer vor deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestellt. Ich werde deine ansteckende Fröhlichkeit, deinen Optimismus und deine gut gelaunte Stimme vermissen“, sagte Minne. Für den 9. Mai sprach er gleich eine Einladung zum Maibockschießen aus. Darüber hinaus zeichnet Saremba nach Ansicht des Bürgermeisters eine gute Menschenkenntnis sowie die nötige Entschlusskraft, um verantwortungsvoll entscheiden zu können, aus.
Sarembas Sohn Gregor machte in einer launigen Rede deutlich, dass seine Mutter eigentlich immer gearbeitet habe. Dabei war sie die erste Beamtin im Rathaus, die seinerzeit in Elternzeit gegangen ist. Eine Rabenmutter sei Karin Saremba aber keineswegs gewesen, sondern eine Frau, die nicht zuletzt wegen ihres Jobs sehr ausgeglichen und selbstbewusst geworden ist. In ihren letzten Berufsjahren habe sie noch einmal so richtig aufgedreht. „Meiner Vorstellung von einer deutschen Beamtin ist meine Mutter immer sehr nahe gekommen; etwas mehr Orientierung an Recht und Ordnung würde mir schon gefallen“, sagt der Jurist in Anspielung auf den sprichwörtlichen Pragmatismus der Verwaltungsfrau. Auf der einen Seite könne er nicht verstehen, dass seine Mutter in Altersteilzeit ginge; die Arbeit sei eine der wichtigsten Säulen in ihrem Leben gewesen. Auf der anderen Seite habe sie zuletzt aber immer öfter über „politische Zwänge und Akteure im Langenhagener Politkosmos“ geklagt. Jetzt könne sie zu neuen Ufern aufbrechen und habe die Zeit, um neue Erfahrungen machen zu können.
Karin Saremba, die bei ihrer Abschiedsrede zum ersten Mal ans Mikrofon im Ratssaal trat, verpackte ihre Worte in die „erste und letzte Sitzung des Verabschiedungskomitees“, der sie sogar eine eigene Tagesordnung gegeben hatte. Sie sei immer stolz auf ihren Job gewesen, habe das erste Faxgerät und den ersten PC kennen gelernt. Großes Lob ging an ihre vielen Kolleginnen und Kollegen, von denen sie sich immer angenommen und aufgehoben gefühlt habe. Sie seien immer ein großer Rückhalt, das Arbeitsklima immer gut gewesen. Karin Saremba: „Ich habe immer die Devise verfolgt, Probleme früh anzusprechen.“ Ihre Zukunftsaussichten sieht Karin Saremba ganz positiv: „Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.“ Jetzt habe sie keine Argumente mehr, keinen Sport zu treiben, aber für den Seniorenbeirat wolle die Langenhagenerin auch nicht kandidieren. Eher schon mal im Rathaus bei den alten Kolleginnen und Kollegen vorbeischauen. Die gaben ihr als Tipp mit auf den Weg: Wenn sie Sehnsucht habe, müsse sie einfach nur ihr Auto querstellen. Die Jobaussichten als „Zugehfrau auf geringfügiger Basis“, die ihr die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spaßeshalber in Aussicht stellten, ließen Karin Saremba kurzzeitig noch einmal darüber nachdenken ihre Entscheidung rückgängig zu machen. Aber: „So ein Geburtstag ist nicht mehr zu toppen, den werde ich nie im Leben vergessen“, sagte eine sichtlich gerührte Karin Saremba, der alle ein „großes Herz“ bescheinigen.