„Verborgenen Schatz erhalten“

Professor Kaspar Klaffke (Vorsitzender Parkbeirat) (von links), Carsten Hettwer (Stadtbaurat), Birgit Karrasch (Stadt Langenhagen) und Ursula Schneider (Stadt Langenhagen) bei der Diskussion der Workshop-Ergebnisse zum Thema Rieselfelder und Stadtpark. (Foto: C. Wurm)

Workshop Rieselfelder stellt Parkbeirat-Ergebnisse vor

Langenhagen (cow). Was soll mit den unbebauten Rieselfelderflächen, die westlich der Theodor-Heuss-Straße liegen, passieren? Wie kann eine zukünftige Gestaltung des Stadtparks und seines unmittelbaren Umfeldes aussehen? Unterschiedliche Planungskonzepte wurden jetzt bei der öffentlichen Parkbeiratssitzung im Ratssaal beleuchtet und von den Bürgern ausgiebig diskutiert. Unter externer Moderation von Andrea Gebhard (Mahl-Gebhard-Konzepte) erarbeiteten vier Planungsbüros, im Rahmen eines Workshops, Entwürfe zur Nutzung der Rieselfelder und des Stadtparks. Der eintägige Workshop fand in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung im Oktober vergangenen Jahres statt. Gebhard sieht den Stadtpark als „wichtigste Entwicklungsfläche von Grünland“ und beschrieb die grüne Lunge Langenhagens als „hidden treasure“ (engl. verborgener Schatz). Die erarbeiteten Varianten sollen die Strukturen und die Vernetzung stärken, wobei das Arbeitsergebnis hierbei offen und ohne „Denkverbot“ war, erklärte Gebhard.
Derzeit bildet die Grünfläche in der Stadtmitte keine homogene Struktur, umrandet von einem Mosaik aus öffentlichen Bereichen und Wohnbebauung, sind die Zugänge nicht klar auffindbar. Eine Parkeinrahmung fehle, so Gebhard. Der alte Stadtpark müsse als „Zeugnis der Vergangenheit“ unter gartenhistorischen Aspekten rekonstruiert werden, sodass er seine eigene Identität bewahre. In Anspielung auf die Teichproblematik und die Frage des Wassermangels in den Gewässern, sei es an der Zeit, einen „erfreulicheren Anblick zu schaffen“.
Die Entwürfe der Planungsbüros konnten die Bürger wenig bis gar nicht überzeugen und stießen insbesondere beim Parkbeirat auf ablehnende Haltung. Das Büro Lohaus + Carl sieht vor, die Grünverbindung zu stärken und Wohnen am Park zu ermöglichen. Ein neuer Schulstandort mit Fläche für Sport- und Freizeitangebot könnte auf dem Bereich der Rieselfelder entstehen. Auch die Planungsgruppe Stadtlandschaft hält den Aspekt der Bebauung für eine Variante und zieht eine Vollbebauung der Rieselfelder in Betracht. Die Wohnbebauung entlang der Theodor-Heuss-Straße soll als Lärmschutz dienen. Keine tiefgreifende Bebauung ist im Konzept von Dröge + Kerck zu finden. Die Rieselfelder könnten in Teilbereichen als Obstwiese und Sport- und Spielfläche genutzt werden. In Vorschlägen von Christine Früh sollen besonders die Eingänge und die Außenränder durch Bebauung oder durchlässige Baumblocks gestärkt werden. Eine Wegediagonale könnte den nord-östlichen Zugang mit dem Zentrum an der Konrad-Adenauer-Straße verbinden und durch weitere Grün- und Wegeverbindungen die Parkeingänge stärken.
Verärgert über den Ausschluss der Öffentlichkeit bei der Arbeitsgruppe äußerte sich ein Einwohner: „Wir haben nicht erfahren, dass ein Workshop zu den Rieselfeldern abgehalten wird“. Carsten Hettwer, Stadtbaurat, erklärte, dass das Vorgehen ein politscher Auftrag sei. Erst sollte die interne Arbeit erledigt werden, dann könne man in die öffentliche Diskussion über vorliegende Ergebnisse gehen. Der Stadtbaurat appellierte an die Anwesenden, sich mit den Plänen auseinanderzusetzen ohne reflexartig darauf zu reagieren. Es muss so bleiben wie es ist, sei nicht die richtige Auffassung. Auch kontroverse Pläne sollten auf dem Tisch liegen, sagte Hettwer. Nach seiner Meinung führe eine Bebauung zur Verbesserung der Parksituation. Die Entscheidung werde aber letztlich im Rat getroffen.
Hans Jürgen Ratsch (Parkbeirat) kann nicht verstehen, warum man sich nun wieder über den politischen Beschluss, die Rieselfelder nicht zu bebauen, hinwegsetzen will. „Stück für Stück wird die Torte kleiner und seit 30 Jahren in Langenhagen immer mehr bebaut. Wir werden alles tun, damit der Stadtpark nicht weiter angeknabbert wird“, betonte Ratsch. Auch Klaffke (Vorsitzender Parkbeirat) machte deutlich, dass Politik und Verwaltung alles daran setzen sollten, den Park zu stärken und seine historischen Strukturen herauszuarbeiten. Von den Entwürfen sei er enttäuscht, lediglich eine Variante hielte die Rieselfelder frei von baulichen Eingriffen. „Die neuen Pläne haben nicht überzeugt von alten Positionen abzuweichen“, fasste es Heidi von der Ah (Parkbeirat) zusammen.
Auch Bündnis 90/Die Grünen sprechen sich klar gegen eine Bebauung der Rieselfelder und des inneren Stadtparks aus. Der Stadtpark und die freien Flächen der Rieselfelder hätten eine hohe Bedeutung für die Versorgung der Innenstadt mit Frischluft und dienten in der heißen Zeit zusätzlich zur Abkühlung der bebauten Flächen. Falsche Entscheidungen könnten immense ökologische Schäden bewirken. Die Grünen unterstützen die Empfehlungen des Parkbeirats, von einer Bebauung des Stadtparks Abstand zu nehmen und den Stadtpark endlich gestalterisch zu entwickeln. Die nächste Parkbeiratssitzung ist für den 11. Mai geplant.