Verheißungen

„Schön, dass Sie Zeit für mich haben.“ Höre ich oft bei einem Besuch. Der Dank geschieht nicht nur für das Mitbringsel oder die Karte, sondern für die mitgebrachte Zeit. Zeit scheint also mehr denn je ein kostbares Gut geworden zu sein. Etwas, das nicht mehr selbstverständlich zur Verfügung steht. Kinder und ältere Menschen merken das besonders intensiv, denn ihnen fehlt die Zeit der „werktätigen“ Generation. „Zeit ist Geld“ lautet der Slogan unserer Wirtschaft. Diesem Mandat wird alles untergeordnet. Das Prinzip ist: Schneller, höher weiter, mehr – und das in immer kürzerer Zeit. Dass dieses Prinzip nicht mehr lange funktioniert, ist absehbar. Die Finanzkrise zeigt dass die Grundlagen unserer Wirtschaft nicht mehr greifen. Die „ärmeren Randländer" sollen jetzt sparen. Wie kann da der Wirtschaftsmotor angekurbelt werden? Anderseits geht die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinander. Sichtbar wird das nicht nur beim Geld, sondern auch in der zur Verfügung stehenden Zeit, die verhängnisvoll mit dem Geld verknüpft worden ist – auf Kosten der Mitmenschlichkeit. Immer kürzere Versorgungszeiten in der Pflege mit immer höheren Anforderungen, manchmal gerade drei Minuten Zeit für ein Kindergartenkind, sprechen da für sich. Damals als Gott sich am sechsten Schöpfungstag umsah und feststellte: „- es ist alles sehr gut!“– und er ruhte am siebten Tag. Ich denke dabei an Gottes Zusagen und Verheißungen, zum Beispiel: „Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Wohlgefallen!“ (Markus 1). Vielleicht sollten wir darauf setzen. Denn Gott schuf die Zeit – von Eile hat er nichts gesagt.
Falk Wook, Pastor