Verständnis zwischen Deutschen und Muslimen fördern

Sprecher der islamischen Gemeinde stellt sich aktuellen Fragen

Langenhagen (ms). "Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen deutschen Tugenden und islamischen Suren, den Einheiten des offenbarten Gotteswortes", sagt Alexander Fehrmann, Vetreter der türkisch-islamischen Gemeinde in Langenhagen. Muslime legten durchaus Wert auf Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit. Für ihn ist der Schlüssel zu mehr Verständnis zwischen Muslimen und Deutschen vor allem Kommunikation. Man müsse mit Andersdenkenden reden und Gemeinsamkeiten finden. Viele Deutsche würden kulturelle Eigenarten mit der Religion verwechseln. "Es gibt einen Unterschied zwischen kulturell und religiös" sagt der Sprecher der Gemeinde überzeugt. Ein Beispiel: ein Mitglied der islamischen Gemeinde Hannover will bei einem Termin einer Journalistin nicht die Hand geben und auch nicht mit ihr sprechen - weil sie eine Frau ist. Wie geht man mit so einem Vorfall um? Alexander Fehrmann kennt solche Situationen und ist um Aufklärung bemüht: Natürlich fühle die Journalistin sich auch in einer Weise beleidigt und verletzt. Er sieht dies als verpasste Chance, der Versuch nach mehr Verständnis untereinander scheitert, aber die Ursache sei nicht in den Lehren des Korans festzumachen. Viele solcher Verhalten haben ihren Ursprung speziell in den kulturellen Kreisen, aus denen sich die Flüchtlinge nun herausbewegen müssen, da in ihren Heimatländern andere Umgangsformen gängig sind als hier in Deutschland. Fehrmann sucht sofort passende Textstellen des Korans aus seinen vielen Unterlagen und zeigt die markierten Sätze: Im Koran hätten zum Beispiel Männer in bestimmten Geschichten Frauen um Hilfe gebeten und ihren Rat eingeholt. Er möchte zudem betonen, dass Muslime in ihren Büchern auch dazu aufgefordert werden, zu helfen. Man solle seinen Nachbarn helfen, auf sie zu gehen, mit ihnen sprechen, auch wenn es keine direkten Nachbarn aus der Wohnung nebenan sind. Diese im Gebetsbuch geforderten Tugenden kommen generell den deutschen Tugenden sehr ähnlich, behauptet er. Auf die Frage nach aktuellen Meldungen zu Konflikten in Flüchtlingsheimen erklärt er seine Ansicht: Konflikte sind im Koran kein Problem, sie sollten nur auf die beste Art geregelt werden. Die Flüchtlinge, und auch die Betreuer, sollen versuchen die Konflikte ruhig und gelassen, ohne Aggresivität, zu lösen. Im Gespräch mit dem ECHO verweist er auf viele Stellen im Koran, alles scheint nachvollziehbar. Aber könnte man sich nicht für jede Meinung in so einem dicken Buch Stellen heraussuchen, sie aus dem Zusammenhang reißen? Alexander Fehrmann muss schmunzeln. Von allen Dingen, die er mit dem Koran belegt hat, ist er aber überzeugt, wenngleich er sich trotzdem bewusst ist, dass Textstellen auch immer wieder aus dem Zusammenhang genommen werden.