Viel Verständnis und wenig Argwohn

Einen neuen Job haben Florian Junge (Pädagoge) und Elisabeth Olfermann (Kulturwissenschaftlerin) bei den Johannitern hauptamtlich angetreten. Sie leiten die Flüchtlingsunterkunft an der Hans-Böckler-Straße. (Foto: G. Gosewisch)

Johanniter und Stadtverwaltung erklären Flüchtlingsunterkunft

Langenhagen (gg). Feldbetten in einer Industriehalle und Dixis auf dem Hof – 230 Flüchtlinge in der Notaufnahmeeinrichtung an der Hans-Böckler-Straße leben schlicht, und ohne sichere Perspektive, denn sie wissen nicht, wie lange sie bleiben und wohin sie noch gebracht werden. „Wie geht es weiter?“ ist die häufigste Frage, die sie an die Johanniter stellen, die die Einrichtung leiten. Mit dieser Situationsbeschreibung versuchte Johanniter-Sprecherin Antje Heilmann, im Rahmen einer Einwohnerversammlung in der Aula der Adolf-Reichwein-Schule Argwohn aufzulösen. Neben vielen ehrenamtlichen Helfern, die die Einrichtung bereits gut kennen, nahmen rund einhundert Anlieger teil. „Wie geht es weiter?“ wollten sie, wie die Flüchtlinge, wissen. Sie beobachten als Nachbarn regen Betrieb an der Unterkunft. Die Flüchtlinge sind auf den Straßen unterwegs, kaufen im Supermarkt ein oder machen Spaziergänge im Brinker Park. Tim Heinrich, Johanniter-Bereitschaftsführer, hat mit seinem Team (mit Beteiligung von THW, Feuerwehr, Bundeswehr) im Auftrag des Landes die Notunterkunft bezugsfertig und funktionstüchtig gemacht, eine spontane Reaktion auf stark überfüllte Erstaufnahmelager andernorts. Er sagte: „Vom Bund werden pro Monat aktuell 16.000 Flüchtlinge Niedersachsen zugeteilt. Das Land hat die Immobilie an der Hans-Böckler-Straße angemietet – von der Auswahl bis zum unterschriebenen Mietvertrag sind keine 36 Stunden vergangen; bezugsfertig samt Verpflegungseinheit, Sanitäts- und Sicherheitsdienst waren wir im Auftrag des Landes in 60 Stunden fertig. Ich rechne damit, dass der Betrieb mindestens ein Jahr nötig sein wird.“ Er betonte, dass die Flüchtlinge nun Nachbarn seien, wie alle anderen in der Straße auch. „Das kann nur funktionieren, wenn helfende Anwohner vorhanden sind“, so seine Mahnung. „Wir haben die Pflicht, aus der Sache das Beste zu machen“, erklärte Bürgermeister Mirko Heuer, auch zur Rolle der Kommune. Zwar stehen Verwaltungsmitarbeiter helfend bereit, sind in Bezug auf die Landeseinrichtung aber nicht in der Pflicht. Der unterschiedliche Status der Flüchtlinge zeige sich schon an der Schulpflicht, die für Kinder in der Unterkunft Hans-Böckler-Straße nicht bestehe, für Kinder in den kommunalen Flüchtlingsunterkünften aber sehr wohl. Der hiesige Sozialdienst betreut seinerseits (unabhängig von der Unterkunft Hans-Böckler-Straße) insgesamt 400 Flüchtlinge, die in einer Vielzahl von Wohnungen und Häusern, verteilt im Stadtgebiet untergebracht sind. „Integration ist eine fortwährende Aufgabe“, sagte Sozialdienst-Leiterin Doris Lange, und ergänzte auf Nachfrage, dass rund fünf von ihnen einer Arbeit nachgehen.
„Ich habe vor den Hunden im Park mehr Angst, als vor den Flüchtlingen“, war eine Stimme aus dem Publikum. „Streit untereinander gibt es auch in vielen deutschen Familien“, war ein weiterer Zwischenruf, der eine verständnisvolle Grundstimmung in der Einwohnerversammlung unterstrich.