Viel zu tun, noch ein Jahr in der Region

Umweltdezernent Axel Priebs versteht sich als Vermittler zwischen Regionsverwaltung und Bürgern. Auch der Plan für das Raumordnungsprogramm im Hintergrund ist seine Arbeitsgrundlage. (Foto: G. Gosewisch)

Interview mit Umweltdezernent Axel Priebs

Region (gg). Die Nachricht von dem beruflichen Wechsel von Axel Priebs, Umweltdezernent in der Region, war in den vergangenen Tagen in aller Munde. Kein Wunder, denn außerordentliche bürgernah gestaltete er seine Arbeit in den vergangenen 16 Jahren. Er ist vielen Bürgern persönlich bekannt. Wenn Regionspläne in den Kommunen für Unruhe sorgten, wenn Befürworter und Gegner aufeinanderprallten, setzte sich Axel Priebs, Erster Regionsrat, im wahrsten Sinne des Wortes dazwischen, erklärte in stundenlangen Stammtischrunden Sachverhalte und bemühte sich um Kompromisse. Warum das eine Herzensangelegenheit war und was er in der Region noch vorhat, bis er im nächsten Jahr an der Universität in Wien forschen und lehren wird, erklärt er im Interview.

ECHO: Herr Professor Priebs, sie leiten das Dezernat Umwelt, Planen und Bauen mit 260 Regionsmitarbeitern und zusätzlich fällt der Abfallwirtschaftsbetrieb aha in ihren Zuständigkeitsbereich. Hier im Norden (Langenhagen/Wedemark) haben sie sich persönlich sehr stark für die Renaturierung Hannoversche Moorgeest eingesetzt, die seit Juni 2012 als EU-Projekt Life+ läuft. Hat sich der hohe Einsatz über viele Jahre gelohnt?
Axel Priebs: Ja! Der Moor-Kernbereich ist im Projekt enthalten und damit ist sicherlich für die Renaturierung das Entscheidende gewonnen, auch wenn die Gesamtfläche nun kleiner ist. Der Förderpartner zu wechseln war richtig, denn der ursprüngliche Projektplan war mit immer höheren Ansprüchen ausgestattet worden.

ECHO: Sie haben sehr viel Zeit in die Gespräche mit Landwirten, Anliegern und Naturschützern investiert. Einigungen schienen erzielt zu sein, scheiterten dann aber doch. Nicht immer wurde sachlich diskutiert?
Axel Priebs: Richtig, nicht immer. Es gab viele unangenehme Veranstaltungen. Ich habe sogar Drohungen erlebt. Widerstand und Misstrauen seitens der Landwirtschaft wuchsen, weil das Gefühl der Flächenknappheit einfach da ist. Aber wir haben uns dann ja doch noch angenähert. Die Zusammenarbeit mit dem Verein Bürger für Resse war besonders erfolgreich. Immerhin können sich die Resser nun über das von der Region erstellte Moor-Informationszentrum freuen, was sehr gut angenommen wird und wo die Notwendigkeit des Naturschutzes erklärt wird. Es ist ein tolles Ausflugsziel geworden.

ECHO: Es war erstaunlich, dass die Parteipolitik dabei nie eine Rolle spielte.
Axel Priebs: Richtig, die Parteipolitik hat in den Diskussionen zur Moor-Renaturierung keine Rolle gespielt. Als Dezernent, auf acht Jahre gewählt, habe ich ohnehin die Aufgabe, Brücken zwischen den unterschiedlichsten Gruppen zu bauen. Ich habe aber auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich SPD-Mitglied bin; in der SGK (Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik) bin ich im Landes- und Regionsvorstand.

ECHO: Und dann ist da noch ihre Lehrtätigkeit an der Universität Kiel, wo sie seit 1998 als Honorarprofessor tätig sind. Wie ist das alles zu schaffen?
Axel Priebs: Die ehrenamtliche Lehrtätigkeit, auch an der Uni Hannover, ist mir wichtig, sie ist zeitlich aber sehr begrenzt. Als ich selber Student war, habe ich von externen Lehrbeauftragten, die besonderen Bezug zur Praxis haben, immer viel gelernt. Nun kann ich selber etwas vermitteln und der Austausch mit den Studenten bringt mir auch viel.

ECHO: Sie haben zwei attraktive Jobangebote ausgeschlagen. Im Jahr 2001 hätten sie zur TU Berlin gehen können, im Jahr 2006 eine Lehrtätigkeit an der Uni Hannover beginnen können. Warum?
Axel Priebs: 2001 wollte ich die Region, an deren Vorbereitung ich intensiv beteiligt war, in der Startphase begleiten. Und auch 2006 gab es in der Region noch viel, was ich voranbringen wollte.

ECHO: Das ist nun anders? Sie lehren im nächsten Jahr an der Uni Wien.
Axel Priebs: Ja, es ist nun an der Zeit. Ich arbeite seit 1984 überwiegend in der Praxis. Die Professur in Wien rundet das nun ab, passt auch zu meinem Alter. Im nächsten Jahr bin ich 62 Jahre.

ECHO: Ihre Bilanz als Umweltdezernent der Region ist beträchtlich. Was ist ihnen besonders wichtig?
Axel Priebs: Die Regionalplanung ist meine eigentliche fachliche Herkunft. Ziel ist, zur Lebensqualität der Bürger beizutragen. Das sollte erkennbar sein. Zufrieden bin ich auch mit einem ganz anderen Bereich in meiner Zuständigkeit – dem kommunalen Abfallbetrieb. Dies ist ein guter und leistungsfähiger Betrieb. Gut abgearbeitet haben wir auch die Altlasten-Fälle, darunter die bundesweit schwierigsten Fälle, wie die Fulgurit-Halde in Wunstorf-Luthe und die radioaktive Kontamination am De-Haen-Platz mitten in Hannover. Wieder ganz andere Arbeitsbereiche sind Naherholung und Fahrrad-Routen, die stark vorangetrieben wurden – immer eine Teamleistung seitens der Region. Ich kann für mich in Anspruch nehmen, Impulsgeber zu sein.

ECHO: Geben Ihre Impulse neue Wege vor?
Axel Priebs: Mein Ziel ist es immer, Probleme zu lösen, auch wenn die Wogen hochgehen zwischen den Interessenvertretern. Den Begriff „alternativlos“ gibt es nicht. Rechtskonforme Lösungsmöglichkeiten gibt es immer, wie zum Beispiel der Konflikt zwischen Reitsport und Naturschutz vor einigen Jahren in Isernhagen zeigt.

ECHO: Geht es um Gerechtigkeit? Ist das ihr Antrieb für ihr Engagement?
Axel Priebs: Es gibt nie nur richtig oder falsch. Jede Perspektive (Eltern, Berufstätige, Radfahrer, Naturschützer, Sportler und vieles mehr) kann zu einer anderen Beurteilung eines Sachverhalts führen. Und aus der Lautstärke, mit der Einzelne ihre Meinung vortragen, darf nicht auf den Willen der Mehrheit geschlossen werden.

ECHO: Welche Ziele haben Sie noch für Ihr letztes Jahr bei der Region?
Axel Priebs: Da gibt es viel zu tun; bis zum letzten Tag. Für die Naherholung wird die erste Geo-Route erarbeitet. Ein regionales Abfall-Fahnder-Konzept wäre eine gute Sache. Und bei der Wohnbau-Initiative wollen wir in Kooperation mit dem Sozialdezernat den kostengünstigen Wohnungsbau anschieben.

ECHO: Vielen Dank für das Gespräch.