Vor einhundert Jahren geboren

Zum Gedenken an die Ehrenbürgerin Bertha Schneider

Langenhagen (gg). Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Frauengeschichte erstellt Gabriele Spier Profile Langenhagener Frauen und ist dabei nun auf einen runden Geburtstag aufmerksam geworden. Langenhagens Ehrenbürgerin Bertha Schneider wäre im Januar einhundert Jahre alt geworden, sie ist im August 1999 gestorben. „Ihr Engagement war erstaunlich wegweisend und für die Zeit, in der sie arbeitete, unüblich“, erklärt Gabriele Spier zu ihrer Informationssammlung. Wissenswert und spannend sei auch der gesellschaftliche Zusammenhang. Bertha Schneider hatte eine kaufmännische Ausbildung, war ab dem Jahr 1949 in der Finanzbuchhaltung tätig, führte von 1964 bis 1971 eine chemische Reinigung zusammen mit ihrem Mann. Ihr Sohn wurde 1944 geboren. Im Jahr 1936 trat sie dem DRK bei und war in den Folgejahren in verschiedener Weise leitend tätig. „Die Ideale des DRK der Nachkriegszeit hat sie zu ihrer eigenen Lebensphilosophie gemacht“, fasst Wegbegleiter Bernhard Döhner zusammen. Der Dienst für die Gemeinschaft und ein schlichtes Auftreten gehörten dazu. „Die DRK-Schwesterntracht hat sie sicherlich bewusst als ständige Bekleidung gewählt - in einer Zeit, in der modische und schicke Kleidung üblich wurde“, meint der CDU-Ratsherr.
Bertha Schneider trat im Jahr 1948 der CDU bei, war von 1951 an Ratsfrau, später auch Abgeordnete des Kreistages. Sie war von 1961 bis 1981 stellvertretende Bürgermeisterin von Langenhagen. Sie erhielt im Jahr 1973 das Bundesverdienstkreuz am Bande sowie das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, das Ehrenzeichen des DRK und die Ehrennadel des Landkreises. Sie wurde im Jahr 1981 zur Ehrenbürgerin Langenhagens ernannt.
Gabriele Spier hat mit Bertha Schneider bei der Gründung der Frauenvereinigung im Jahr 1974, später Frauen Union, zusammengearbeitet und ein Zitat von ihr herausgesucht: „Die Mitwirkung von Frauen ist gerade im kommunalen Bereich unverzichtbar, denn gerade vor Ort zeigt sich unmittelbar, wo Benachteiligungen und Hindernisse bestehen und welche Lösungsmöglichkeiten gegeben sind.“ Der pragmatische Ansatz sei das Verbindende unter den Mitbegründerinnen der Frauenvereinigung gewesen. Dass Frauen sich politisch geäußert haben, war nicht selbstverständlich, erinnert sich die CDU-Ratsfrau Spier. Bezeichnend sei, dass die Gründungsveranstaltung von einem Mann, Baron Ulrich von der Osten-Sacken, geleitet wurde. Bertha Schneider wurde Vorsitzende, ihre Stellvertreterinnen waren Lieselotte Kanzler und Baronin von der Osten-Sacken. Gabriele Spier war Schriftführerin, Magdalena Stirnat Schatzmeisterin und zu den Beisitzerinnen gehörten Karin Weber, Lieselotte Jagau, Eva-Maria Bottke und Maria Beck.