Vor Fastnacht und St. Vitus

Die Geschichte der Märkte und so genannten Events

Langenhagen (ne). Seit Jahrzehnten finden in Langenhagen jeweils am Dienstag- und Sonnabendvormittag Wochenmärkte und an Wochenenden häufiger so genannte Events wie zum Beispiel das Stadtfest statt. Diese Veranstaltungen stehen in der Tradition der alten Langenhäger Märkte, was kaum bekannt ist. Kenner der Heimatgeschichte wissen, dass es in alten Zeiten nur zwei Märkte in der gesamten Vogtey beziehungsweise im 1859 aufgelöstem Amt Langenhagen gab. Sie wurden am Sitz der Amtsverwaltung im Kirchdorf Langenhagen abgehalten. In einem alten amtlichen Bericht heißt es darüber: „Es gibt im Amt nur zwei Märkte, nämlich in Langenhagen donnerstags vor Fastnacht und montags vor St. Vitus (15. Juni). Beide Märkte sind unbedeutend, dauern nur wenige Stunden und bieten nichts als Schuhwerk, einige Kürschnerarbeiten und etwas ungewöhnliches Naschwerk und Spielzeug. Daher ist der Besuch eher zur Unterhaltung als zum Nutzen. Ein Marktplatz ist nicht vorhanden. Buden und Tische stehen auf den Gassen und benachbarten Höfen. Schuhmacher kommen größetenteils aus Eldagsen (die „Stadt des Senfs, der Honigkuchen und der 99 Schuster“), Burgdorf, Wunstorf und Hannover. Seit es in Langenhagen zwei Weißbäckereien und zwei Hockenhändler mit Consession für Kaffee und Zuckerverkauf gibt, ist noch weniger los.“ Das Marktrecht für diese beiden Märkte verlieh Herzog Friedrich Ulrich zu Braunschweig-Lüneburg den Langenhägern „aus fürstlicher Milde und Güte“ am 7. Januar 1618. „Seine fürstliche Gnaden“ genehmigte auf seiner Festung Erichsburg am Solling den Langenhägern „jährlich zwei Vieh- und Kramermärkte auf den Montag nach St. Viti und den anderen Donnerstag vor Estomihi (der Sonntag vor Fastnacht) für jeweils zwei Tage“. Das Stadtarchiv hat zu dieser Thematik vor Jahren einen Vermerk mit folgendem Wortlaut verfasst: “Das seit 1979 Mitte Juni ausgetragene Stadtfest geht auf die Tradition des Langenhäger Marktes am St. Vitustag (15. Juni) zurück, wie man dem Datum entnehmen kann.“
Etwas ganz anderes waren neben den vorgenannten Märkten, die halbtägigen Langenhäger Pferdemärkte, die weit im Lande bekannt wurden. Die Straßennamen Pferdemarkt und Reuterdamm (Reuter=Reiter) erinnern daran, denn an diesen Straßen fanden diese Viehmärkte statt. 1688 erweiterte Herzog Ernst-August per Erlass diese Märkte „auf zwei ganze Tage“, und bald entwickelte sich eine Art Marktplatz auf der Stelle der heutigen Ladenzeile am Pferdemarkt. Die notwendige Restauration betrieben die Wirte des 1952 abgebrannten, benachbarten Gasthofes Hubertus. Die Langenhäger Pferdemärkte entwickelten sich im 18. Jahrhundert zu den größten im Kurfürstentum Hannover. Sie bewirkten, dass Pferdezucht und der Handel mit Remonten, sprich Kavalleriepferden, zum Hauptbroterwerb der Langenhagener Bauern wurden. Das Aufblühen dieser Märkte führte zu Verstößen gegen die erlassene Marktordnung der Regierung und bewog am 13. April 1701 den Landesherrn, Kurfürst Georg Ludwig, dem späteren König Georg I. von England, mit einem Erlass einzuschreiten und bei Nichtbeachtung mit Strafe zu drohen. Es nutzte auf Dauer wohl wenig, denn die Landdrostei (eine Art Regionalregierung) schritt am 30. April 1824 gegen die „zunehmende Sittenverderbnis in Langenhagen“ ein. 1849 verfügte diese Behörde auf Weisung des Innenministeriums des Königreiches Hannover am 12. September „die Aufhebung aller Märkte zu Langenhagen“. Nach Eingaben wurde aber der Markt zu Fastnacht wieder genehmigt. Dieser hielt sich bis 1914; der Erste Weltkrieg machte ihn zunichte. Doch ab 1922 gab es wieder einen Pferdemarkt, den Julius Ocker mit dem Bau einer Viehhalle am Pferdemarkt 1922 während der Inflationszeit gründete und 1923 eröffnete. Dieser Markt ging nach dem Tod von Ocker 1940 ein. Heute beherbergt die Halle Läden am Pferdemarkt. Nach dem II. Weltkrieg und der Stadtwerdung 1959 wurde die Anlage eines 12 000 Qadratmeter großen Markt- und Festplatzes an der Walsroder Straße beschlossen. Das Gelände stellte die Landwirtin Anna Schaumann zu einem Sonderpreis mit der Bedingung zur Verfügung, diesen Platz stets für die Schützenfeste zur Verfügung zu stellen. 1962 war der Platz fertig und wurde am 12. Mai mit dem Feuerwehrfest zum 70. Gründungstag der heutigen Ortswehr Langenhagen eingeweiht. Auf dem Platz fanden dann Schützenfeste, Ausstellungen und zeitweilig die Wochenmärkte statt. Die Stadt hielt sich aber nicht an die Vereinbarung mit Anna Schaumann, sie erbaute Ende des vergangenen Jahrhunderts auf dem Platz das so genannte Stadthaus mit Hotel, Bibliothek, Forum und Kino und die Schützen hatten das Nachsehen! Der Rat sollte einmal über einen würdigen Ersatz für die Schützen nachdenken.