„Was schreibt die Seele in den Körper?“

Anatomische Grundlagen leicht erklärt: Andreas Halstenberg referierte in einem VHS-Seminar. (Foto: G. Gosewisch)
 
Seminar-Teilnehmer Peter Reim machte den Erkennungstest im Spiegel. Andreas Halstenberg half weiter. (Foto: G. Gosewisch)

Heilpraktiker Andreas Halstenberg erklärte Pathophysiognomik

Langenhagen (gg). Es klingt verlockend: Ein Blick in das Gesicht genügt, um Stärke oder Schwächen oder sogar Erkrankungen zu erkennen – so die Idee zu einem VHS-Seminar mit Andreas Halstenberg. Der Heilpraktiker ist spezialisiert auf die sogenannte Pathophysiognomik, die Lehre von dem, was die Seele in den Körper schreibt. Doch „ganz so einfach ist es nicht“, klärt er seine Zuhörer auf, denn es gelte das Naturgesetz „Alles kann, nix muss sein“. Vieles gebe zwar eine Prägung vor, die aber nur dann im Gesicht abzulesen ist, wenn sie nicht von anderem überlagert wird. Es geht um das Antlitz, das als Arbeitsergebnis der Reflexzonen zu sehen ist. Es geht nicht um bewusste Gestik oder Mimik, nicht um ein aufgesetztes Grinsen oder bemühte Entspanntheit. Es sind die anatomischen Gegebenheiten, die einen Kosmos des Unbewussten entstehen lassen. Riechen, Sehen, Hören, Fühlen, Atmen oder Schlucken sind Ur-Mechanismen, die in der Menschheitsgeschichte das Überleben möglich machten. Auch die Funktion der Organe kann der Mensch nicht mit seinem Willen nicht beeinflussen. Komplexe biochemische Reaktionen laufen ab, halten alles am Leben. Und zudem gibt es Statusberichte, die von den Organen zum archaischen Stammhirn gesendet werden, aus dem der Mensch, anders als aus dem Großhirn, keine Erinnerungen oder Informationen abrufen kann. „Glauben Sie nicht?“, fragt Andreas Halstenberg seine Zuhörer und erklärt: „Dann denken sie mal an eine Prüfungssituation. Wenn eine Frage gestellt wird, die der Prüfling nicht beantworten kann, zeigen sich dramatische Hautreaktionen. Innerhalb von wenigen Sekunden kann ein Gesicht knallrot werden. Es ist mit dem Willen nicht aufzuhalten, es passiert einfach.“ Mit plausiblen Beispielen aus dem Alltag gelang Andreas Halstenberg in diesem VHS-Seminar immer wieder, die Wissenschaft greifbar zu machen. Stress im weitesten Sinn, ausgelöst beispielsweise von beißendem Gestank, von grausamen Schreien und vielem mehr, werden, vom Verstand nicht blockierbar, über die Sinnesorgane aufgenommen, über das Hirn an die Organe weitergeleitet und von dort als verarbeitete Nachricht an das Hirn zurück geschickt. „Was heißt es, wenn jemand schmallippig wird? Oder, wenn jemand ein langes Gesicht macht?“, fragt der Heilpraktiker seine Zuhörer. Jeder weiß aus seiner Erinnerung ein Beispiel und immer gibt es eine Geschichte dazu, eine Gefühlslage. „Du siehst aber gut aus, du strahlst ja!“, ist ein Kompliment, das mit dem Wissen um die Pathophysiognomik eine besondere Bedeutung hat, denn tatsächlich gibt es einen Zusammenhang. Nur wer gesund und munter ist, hat einen strahlenden Teint. Andreas Halstenberg erklärt: „Müdigkeit zeigt sich in matter und grau getönter Haut. Strahlende ist aber von glänzender Haut zu unterscheiden, denn die zeigt Alkohol- oder Drogenkonsum an.“ Zig Beispiele dieser Art hat er parat, bezieht sich immer wieder auf die Lehre des bekannten Schweizer Naturarztes Natale Ferronato, dessen Name als Synonym für die Pathophysiognomik steht. Andreas Halstenberg selbst kam durch die Folgen eines Stromunfalls zur Naturheilkunde. Nach Ausbildung zum Masseur und med. Bademeister unterrichtete er von 1986 bis 2004 an einer Fachschule Masseure und Physiotherapeuten und prüfte diese auch im abschließenden Staatsexamen für die Bezirksregierung Hannover.
Die Psycho-Physiognomik Carl Huters lernte er im Jahr 1994 durch einen Vortrag von Wilma Castrian im Rahmen eines Heilpraktikerkongresses kennen. Sofort angezogen von dem Thema wurde er ihr Schüler. Wilma Castrian brachte ihn mit Natale Ferronato zusammen. Bei ihm lernte Andreas Halstenberg die Pathophysiognomik. Mittlerweile selbst Heilpraktiker geworden, arbeitete er ab Ende 2005 an der Veröffentlichung des aktuellen Lehrbuchs von Natale Ferronato mit.

Das nächste VHS-Seminar mit Andreas Halstenberg ist am 24. Oktober in Langenhagen, dann geht es um die Psychophysiognomie. Vermittelt wird darin, warum manche Menschen bestimmte Bedürfnisse, Schwächen oder Vorlieben haben, so dass sich mehr Toleranz im Umgang einstellen kann.