"Weiterhin ungebremst"

Grüne kritisieren Neufestsetzung des Fluglärmschutzbereiches

Langenhagen. Scharfe Kritik an dem Entwurf des Niedersächsischen Umweltministeriums zur Neufestsetzung des Fluglärmschutzbereichs hat die Langenhagener Ratsfraktion der Grünen geäußert. "Die Neufestsetzung zementiert die weitere ungebremste Ausdehnung der Nachtflüge", so Dirk Musfeldt, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Nach der Prognose würde die Zahl der Nachtflüge in den sechs verkehrsreichsten Monaten bis 2020 um fast die Hälfte zunehmen. "Das entspricht dann im Mittel knapp 60 Flügen pro Nacht", erläutert Musfeldt. In der Tageszeit läge die Steigerung dagegen nur bei 31 Prozent. "Von aktivem Lärmschutz am Flughafen ist weiter keine Rede: Statt Flüge in die Tageszeit zu verlegen, erfolgt das Wachstum des Flughafens vorwiegend zu Lasten der empfindlichen Nachtruhe", so Musfeldt. "Kein Wunder dass da beim Flughafen auch niemand über lärmärmere Anflugverfahren oder optimierte Flugrouten reden will." Gleichzeitig bringe die Neufestsetzung aber auch Verschlechterungen beim passiven Lärmschutz. So gelte für alle diejenigen, die in der Vergangenheit bereits von den "freiwilligen Lärmschutzprogrammen" des Flughafens profitiert haben, eine um acht dB höhere Zumutbarkeitsgrenze und sie müssten entsprechend mehr Lärm tolerieren. Die früheren Programme seien aber ohnehin technisch bereits erheblich schlechter gewesen. "Die Anwohnerinnen und Anwohner der Nordbahn, die sich auf das frühere Programm eingelassen haben, sind damit erheblich benachteiligt", verdeutlicht Musfeldt. Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass das Maximalkriterium, nach dem ein Höchstwert nur selten überschritten werden dürfe, für den passiven Lärmschutz keine Anwendung finde. "Durch die Verwendung von Mittelwerten werden die besonders kritischen Lärmspitzen kleingerechnet", so Musfeldt. Gerade von den Spitzen gingen jedoch starke Beeinträchtigungen aus. "Wir wissen mittlerweile, wie stark die Gesundheit der Anwohnerinnen und Anwohner vom Fluglärm beeinträchtigt wird", so Musfeldt. "Daher muss die Bevölkerung erheblich besser vor Fluglärm geschützt werden, als es mit dieser Verordnung geschieht." Die zu erwartende weitere Verschlechterung sei für Langenhagen nicht akzeptabel. "Wir können aus Langenhagen Umweltminister Sander letztlich nicht bei der Neufestsetzung des Lärmschutzbereiches beeinflussen", stellt Musfeldt abschließend fest. "Umso wichtiger ist es, dass wir nicht weiteren Fluglärm selbst genehmigen." Neue Gewerbeflächen am Flughafen könne es daher nur geben, wenn ausgeschlossen sei, dass von dort Luftfracht umgeschlagen würde.