Welcher Wohnraum für wie viel Flüchtlinge?

Monika Gotzes-Karrasch und Doris Lange stellten die aktuellen Planungen der Stadtverwaltung in Sachen Flüchtlingen vor. (Foto: D. Lange)

"Diffuse Ängste vor dem Unbekannten" bei städtischer Infoveranstaltung

Langenhagen (dl). Langenhagen (dl) Für die bundesdeutschen Kommunen ist es derzeit keine leichte Aufgabe, ausreichende Unterkünfte für die große Zahl der Flüchtlinge in Deutschland bereitzustellen.
Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, insbesondere das Fehlen preisgünstiger und bezahlbarer Wohnungen für niedrige bis mittlere Einkommen macht es nicht leichter, adäquaten Wohnraum zu finden. Nicht zuletzt auch auf Grund des lange Zeit vernachlässigten sozialen Wohnungsbau. Um dieser Aufgabe nicht nur ansatzweise gerecht zu werden, bedarf es neben viel Phantasie und Tatkraft auch der Hilfe der Bevölkerung. Vorrangig werden Immobilien oder Wohnungen für die Flüchtlinge gesucht, um im Sinne einer dezentralen Unterbringung in der Mitte der Gesellschaft einer Ghettobildung vorzubeugen. Für wie viele Menschen Wohnraum geschaffen werden soll und wo sie im Stadtgebiet untergebracht werden, das konnten interessierte Bürger im Rahmen einer Informationsveranstaltung in der Hermann-Löns-Schule erfahren. Die erste Stadträtin Monika Gotzes-Karrasch stellte in Vertretung des Bürgermeisters die diesbezüglichen Planungen der Stadt vor und die Leiterin der städtischen Sozialberatungsstelle, Doris Lange, informierte die Besucher über die Betreuung der Flüchtlinge und die Koordination der Unterbringung. Bisher gibt es in Langenhagen einschließlich der Ortsteile 50 Unterkünfte für Flüchtlinge. Eine zusätzliche Notunterkunft für kurzfristige Belegung existiert im ehemaligen Netto-Markt in Kaltenweide. Aktuell leben in Langenhagen 875 Flüchtlinge, einschließlich der 198 Menschen in der vom Land betriebenen Unterkunft in der Hans-Böckler-Straße. Pro Woche kommen im Schnitt 30 dazu und die Stadt ist nach eigenen Angaben dazu verpflichtet, bis Ende März 337 Flüchtlinge aufzunehmen, von denen etwa 100 bereits in Langenhagen leben. Ob es bei diesen Zahlen bleibt, ist allerdings nicht sicher. Die Situation könne sich auch schnell wieder ändern, betonte Gotzes-Karrasch. Weitere Standorte in Kaltenweide, Krähenwinkel und in der Kernstadt werden daher für die Unterbringung von kurzfristig zugewiesenen Flüchtlingen zur Zeit vorbereitet, um, wenn nötig, auch dort Modulbauten errichten zu können. So wie dieser Tage auf dem SCL-Parkplatz an der Leibnizstraße, wo für einen geplanten Zeitraum von etwa 3 bis 5 Jahren Wohnraum für bis zu 56 Flüchtlinge entsteht, unter Wegfall von etwa 50 der rund 180 Parkplätze an dieser Stelle. Die notwendigen Mittel für die genannten Maßnahmen sind bereits im Haushalt der Stadt angemeldet, später werden sie von der Region Hannover refinanziert. Auffällig sei, so die Leiterin des Jugendamtes, Heidi von der Ah, die seit Mitte letzten Jahres sprunghafte Zunahme von minderjährigen Flüchtlingen, die allein unterwegs seien. „Das stellt uns vor zusätzliche Probleme“, sagte sie. Gleiches gilt für die naturgemäß große Nachfrage nach Sprachkursen für die Flüchtlinge. Die erste Stadträtin räumte ein:„Wir können die Kurse nicht vorschreiben, weil wir, soweit es die VHS betrifft, weder genug Räume noch genug Fachkräfte dafür haben.“. Sie appellierte daher an alle ehrenamtlichen Helfer, nicht nachzulassen in ihrem persönlichen Engagement, um den Flüchtlinge zumindest ein Grundgerüst an Deutschkenntnissen zu vermitteln, als Hilfestellung bei der Bewältigung ihres Alltags. Dennoch wird eine unmittelbare Nähe von Modulbauten für Flüchtlinge in der Nachbarschaft beileibe nicht von allen Einwohnern gern gesehen. Diffuse Ängste vor dem Unbekannten und vor Übergriffen von kriminellen Ausländern sowie Begriffe wie „Wohnwertminderung“ machten auch bei der jüngsten Infoveranstaltung wieder die Runde.