Welcome to Langenhagen, Mr. President

Direkt neben der Rollfeld-Baustelle schritt Barack Obama (von links) rund 50 Meter über den roten Teppich. Bei der Begrüßung dabei waren Kent Logsdon, Stephan Weil und John Emerson. (Foto: G. Gosewisch)

Landung der Air Force One sorgte für enormes Aufsehen

Langenhagen (gg). "Er ist charismatisch", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Just hatte er Barack Obama auf dem Rollfeld des Flughafens begrüßt und war sichtlich aufgewühlt. Schon viele Staatsgäste habe er willkommen geheißen, aber die Begegnung mit dem amerikanischen Präsidenten sei eine besondere Ehre. Als Stephan Weil im Pressegespräch die Gründe des Präsidentenbesuchs erklärte und die Stichworte Messe-Eröffnung und "Treffen mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel" anriss, war Barack Obama Sonntagmittag längst abgefahren – seine Staatskarosse, gepanzert und wehrhaft („The Beast“), war natürlich eingebunden in den legendären Konvoi, der Bilder wie aus Politthrillern liefert: die Zweite gepanzerte Staatskarosse, drei schwere SUV und zig Spezialfahrzeuge, natürlich alle mit ebenso schwarz getönten Scheiben wie die Sonnenbrillen des Secret Service. "Wenn die Sheriffs hier sind, gibt es keine Widerworte. Dann hören alle besonders gut zu", ist aus dem weiteren Umfeld des Bundespresseamtes zu hören, und "Da, wo der Präsident ist, ist Amerika, egal, in welchem Land er sich aufhält“. Amerika braucht viel Platz – nur ein Beispiel: 50 Tanklastzüge standen voll beladen auf dem Rollfeld, autarke Spritversorgung vom US-Stützpunkt Ramstein.
Barack Obama war am Flughafen für Pressevertreter kaum zehn Minuten zu erleben: Aussteigen aus der Air Force One, Begrüßung durch Stephan Weil, das Abschreiten der Ehrengarde der Bundeswehr und das Einsteigen in die Karosse - das ging zügig, lief wie am Schnürchen nach Protokoll, dennoch waren alle in den Ablauf Beteiligten sehr angespannt, nervös, regelrecht kurzatmig. Einzigartig war Barack Obama. Jede Geste, jeder Schritt vermittelte Bodenständigkeit und ruhige Freundlichkeit. Ein kurzes Gespräch führte er mit Kent Logsdon, amerikanischer Gesandter in Berlin. Er gilt als Vertrauter und wichtiger Mitarbeiter.
Bei der Begrüßung ebenfalls dabei war John Emerson, Botschafter der Vereinigten Staaten. Er hatte seine Frau Kimberly mitgebracht. So war klar, dass seine Anwesenheit dem Protokoll geschuldet war. Kimberly Emerson gönnte sich Selfis vor der Air-Force One – der Selbstzweck wurde konserviert. Jürgen Merten, Leiter der Protokollabteilung des Auswärtigen Amtes, sah das nicht gern, ließ sich aber fast nichts anmerken. Es lief ja sonst alles perfekt. Freie Fahrt war für den Konvoi Richtung Seefugium, Unterkunft des Präsidenten in Isernhagen, gegeben. Die Straßen wurden entsprechend gesperrt. Zahlreiche Schaulustige gab es entlang der Strecke. „Das wollen wir uns nicht entgehen lassen“, so der Tenor, auch unter den Hunderten von Spottern der Air Force One.