Wellen einfach nur aus Neugier messen

Professor Bruce Allen beim Vortrag vor den Schülern und Physiklehrern. (Foto: Foto: S. Kaune)

Physikprofessor bringt Gymnasiasten Geschichte des Universums näher

Langenhagen. Dass die Schwerkraft uns am Boden hält, wissen wir seit Newton. Warum aber misst man Gravitationswellen, die das Universum Lichtjahre entfernt bewegt haben? Ganz einfach: Aus Neugier. Eine verblüffend simple Antwort des renommierten Astrophysikers Bruce Allen, Direktor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik und Professor an der Leibniz-Universität in Hannover, der am Dienstag den derzeitigen und künftigen Physikleistungskursus des Gymnasiums Langenhagen mit seiner Passion für die Geschichte des Universums begeisterte. Mit Hilfe animierter Graphiken und sogar einem Tonbeispiel von der Verschmelzung zweier Sterne erklärte er anschaulich die Entstehung von Gravitationswellen und deren Messbarkeit.
Hatte Einstein vor 100 Jahren in seiner Relativitätstheorie die Schwerkraft zwar als abhängig von Raum und Zeit beschrieben, war er doch der Meinung, der Effekt sei zu klein, um ihn messen zu können.
Diese Annahme kann Allen jetzt widerlegen. Nur in Luftannahmen zu erkennende kilometerlange Messröhren in Kalifornien, aber auch in Niedersachsen vermögen die Wellen aufzuzeichnen. Besonders die Supercomputer im physikalischen Institut der Leibniz- Universität helfen bei der Auswertung. Allein die Stromrechnung für diese Giganten beläuft sich auf etwa 900.000 Euro pro Jahr.
Um die Rechenleistung zu vergrößern, hat Bruce Allen ein weltweites Projekt ins Leben gerufen, auf das er besonders stolz ist, weil sich alle, auch seine 85-jährige Mutter und seine Kinder, daran beteiligen können. Nach dem Prinzip des verteilten Rechnens kann sich jeder bei Einstein@home registrieren und mit seinem Laptop mithelfen, Daten zu sammeln. Diese Idee sowie der lebendige Vortrag gefiel den Schülern. Sie entließen Allen nur nach dem Versprechen wiederzukommen, am besten mit dem spannenden Thema „Schwarze Löcher“.