Wenn ein Faustschlag das Leben verändert

Gewaltopfer Christoph Rickels faszinierte die Schüler mit seiner dramatischen Lebensgeschichte. (Foto: O. Krebs)

Opfer Christoph Rickels agiert als Botschafter gegen Gewalt

Langenhagen (ok). Es war nur ein Moment, der das Leben des heute 29-jährigen Christoph Rickels verändert hat. Vor neun Jahren schlug ein anderer ihn aus Eifersucht, nur, weil er dessen Freundin einen Drink ausgegeben hatte. Die Wucht des Schlages traf ihn an der Schläfe, Rickels schlug hart auf dem Steinboden auf und stürzte ungebremst aufs Gesicht. Die Folgen: vier Monate Koma, Schädelbruch, sechsfaches Hirnbluten. Christoph Rickels musste wie ein Säugling alles mühsam neu erlernen, ist heute halbseitig spastisch gelähmt. Heute reist er als Botschafter durch die Republik, sensibilisiert Jugendliche für das Thema Gewalt. Ein Projekt, dass der Präventionsrat und der Kontaktbeamte Dirk Schell in Langenhagen für alle achten Klassen der Robert-Koch-Realschule, der IGS Langenhagen, der Gesamt- und Grundschule Langenhagen-Süd und der Pestalozzischule. Rickels machte deutlich, dass Gewalt kein Zeichen von Stärke und Schläger keine "coolen Macker" seien. Im Gegenteil: Schläger richten nur Schaden an. Nur mit Mut und Engagement könne in der Welt etwas bewegt werden. Rickels appellierte an die Schüler: "Kämpfen, kämpfen, kämpfen. Wenn ihr Mut habe, steht wieder auf." Und er ist sich sicher: "Man erntet das, was man sät." So straft er den Täter mit Nichtachtung, damit er nicht die Möglichkeit habe, seinen Schlag durch Gespräche aufzuarbeiten. Er habe sich zwar nie gemeldet oder gar Entschuldigung gesagt, bereut den Schlag heute aber wohl zutiefst. Christoph Rickels, von den Minstern Heiko Maas und Thomas de Maizière zu den Botschaftern von Demokratie und Toleranz ernannt, arbeitet im Gewaltpräventionsprojekt "First Togetherness" mit und kämpft heute noch um Schmerzensgeld. Christoph Rickels altes Leben sei zwar kaputt, aber er kämpft, will Gerechtigkeit und nimmt die Verantwortung für sein neues Leben an. Eine Einstellung, die den Schülern an der Robert-Koch-Realschule offensichtlich geällt. Gespannt hören sie den einfachen und klaren Wortern von Christoph Rickels bis zum Ende zu, scheinen sich viele seiner Appelle zu Herzen genommen zu haben.