Wenn richtig viel Platz gebraucht wird

Schulleiter Michael Bax stellt die neu gebaute IGS Mühlenberg am Modell vor. (Foto: O. Krebs)
 
Praktisch: Lehrer Rainer Scholl-Hirschmüller demonstriert die Flexibilität eines Dreieckstisches an der KGS in Hemmingen. (Foto: O. Krebs)

Anforderungen an die moderne Schule steigen

Langenhagen (ok). Platz, Platz und nochmal Platz – das wurde auf der Rundreise von Politik und Verwaltung durch die südliche Region Hannover deutlich. Drei Schulen wurden angesteuert, um sich für den Neubau des Gymnasiums und den Umbau der Integrierten Gesamtschule schlau zu machen. Und überall – an der IGS Mühlenberg, der KGS Hemmingen und der KGS Sehnde – bekamen die Besucher zu hören: „Sparen Sie nicht am Raum“. Sowohl bei den Klassenzimmern und Fachräumen selbst, als auch bei der Gesamtzahl der Fläche, die bebaut wird. Und es sind die Details, die es zu beachten gilt, und die nach Ansicht aller drei Schulleiter doch schnell mal bei der Planung vergessen werden: So werden zum Beispiel oft nicht an die ausreichende Anzahl von Steckdosen gedacht, so zum Beispiel in der neuen großen Eingangshalle der IGS Mühlenberg, die für 65 Millionen Euro neu gebaut worden ist. Ein Mammutprojekt, das mit den ersten Planungen acht Jahre lang gedauert hat. Fortschrittlich: Die neue Sporthalle ist gleich an die Schule angeschlossen. Ein anderes Phänomen an der KGS in Pattensen. Hier sind mehrere Steckdosen auf dem Flur hintereinander installiert worden, wo jeder denkt: „Was sollen die hier?“ Und auch die Herkunft der Stahlwanne in einigen Räumen kann Schulleiter Andreas Lust-Rodehorst nicht so recht erklären, er ist sich aber sicher: „Fußballschuhe sollen hier nicht abgewaschen werden.“ Sein Kollege Michael Bax von der IGS Mühlenberg hat noch auf ein anderes Detail aufmerksam gemacht: „Uhren kann man in Schulen nie genug haben.“ Überhaupt nicht zufrieden ist er mit dem Amok-Plan an seiner Schule, da hätte er besser gleich zusammen mit der Polizei und der Feuerwehr agiert. So seien die Zahlen, die die Räume kennzeichnen, ziemlich klein und verschwinden, wenn sich die Jalousien im Passivhaus bei starker Sonneneinstrahlung schließen. Das sei beispielsweise in Pattensen viel besser gelöst worden. Stichwort Passivhaus? Eine Lösung, mit der Michael Bax durchaus zufrieden ist, zweimal in der Schulstunde werde die Luft ausgetauscht. Den Schülern heize der Raum aber doch teilweise zu schnell auf.. Das Thema Wertstoffentsorgung ist überall ein Problem – egal wie viele Mülleimer aufgestellt, die Schüler fänden sie oft einfach nicht. Und was auch überall angesprochen ist: das leidige Thema mit den Schlüsseln. Mit einem so genannten Transponder sei alles viel einfacher. Wie gesagt: Eine detaillierte Vorplanung ist gerade
bei einem Neubau essenziell. So zum Beispiel auch Platz für Garderoben in den Klassenräumen. Oder Türstopper: Die fehlen sowohl in Mühlenberg als auch in Pattensen, angeschlagene Wände sind die Konsequenz. An der KGS Hemmingen – der Carl-Friedrich-Gauß-Schule – hat der Schulträger nach Aussage von Schulleiter Dieter Driller-von Loo kontinuierlich investiert, zuletzt in einen Anbau für 1,3 Millionen Euro, die Mediothek für die 1.550 Schüler ist auf den neuesten Stand gebracht worden. Trotzdem heißt es in Hemmingen: „Wir platzen aus allen Nähten.“ So gebe es im Gegensatz zu den beiden anderen Schulen immer noch zehn Wanderklassen. Ein weiterer Unterschied zur Leonore-Goldschmidt-Schule in Mühlenberg, wo nach Aussage des Schulleiters Michael Bax auch noch fünf Räume – gerade zur Differenzierung – fehlten: Die Naturwissenschaften sind genau wie das Lehrerzimmer zentral organisiert. In Mühlenberg hat jeder seinen eigenen Arbeitsplatz. Das sei in Hemmingen auf Grund der Enge nicht möglich; hier ist Jobsharing angesagt. Und die Türklinken sind auf der richtigen Höhe. Ein Manko in Mühlenberg, wo hier ausschließlich inklusiv gedacht und die Klinken sehr niedrig angebracht worden seien. Beeindruckend war ein Raum in Hemmingen, – mit Dreieckstischen, höhenverstellbarem Pult und abnehmbarem Unterricht ein Paradies für Gruppenarbeit. Die Ernst-Reuter-Schule in Pattensen befindet sich noch für relativ schmales Geld – 22,5 Millionen Euro – im Umbau, die ersten neuen Räume sind im Januar bezogen worden. Wenn sie dann im Sommer ganz fertig ist, scheint sie ein Schmuckstück mit einem tiefergelegten Musikraum mit angeschlossenem Amphitheater bei fantastischer Akustik und einer modernen Lehrküche als Highlight zu werden. Schulleiter Andreas Lust-Rodehorst und Thomas Weis, Leiter des Gymnasialzweiges, setzen auf Clusterlösungen für jeweils zwei Jahrgänge von fünf bis zehn, die Oberstufe wird gerade sukzessive ausgebaut, so dass die Schule gerade 970 Schüler besuchen. Auf 6.000 Quadratmetern entsteht ein Neubau. Eine Lehrerstation gibt es für 24 Pädagogen; darüber hinaus einen großen Kommunikationsbereich. Die KGS In Pattensen versteht sich in ihrem Leitbild als Teil der Stadt; die Schule steht hier externen Nutzern offen. Genau wie in den anderen beiden Schulen aber auch. Fazit: Die Mitreisenden haben eine Menge Tipps und Anregungen mitgenommen, vor allen Dingen wurde deutlich, was im Vorfeld alles falsch laufen kann. Im Vorfeld großzügig und detailgetreu mit ausreichend Zeit zu planen, kann hinterher unter Umständen viel Ärger ersparen.