"Werben um Vertrauen"

Die Diskussionsrunde auf dem Podium führten Landesbischof Ralf Meister (von links), Michael Hesse (stellvertretender Geschäftsführer des Flughafens), Ulrich Krämer (Flughafenseelsorger) und Moderator Michael Stier. (Foto: D. Lange)

Podiumsdiskussion mit Landesbischof am Flughafen

Langenhagen (dl). Die kleine Stadt "Flughafen Hannover-Langenhagen" mit seinen 1.400 Beschäftigten fertigt im Jahr rund 5,3 Millionen Passagiere ab, mit steigender Tendenz und wäre in der Lage, wenn es drauf ankommt, bis zu 60 Flugbewegungen pro Stunde abzuwickeln. In der Veranstaltungsreihe „Kirche trifft...“ lud der Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen im Flughafen-Restaurant Skylight zu einer Podiumsdiskussion ein, die sich mit dem Thema Fliegen befassen sollte. Mit der Sehnsucht der Menschen nach fernen Zielen, nach Sonne und Freiheit. Dem Thema durchaus angemessen, erlaubt die großzügig verglaste Fensterfront des Skylight im fünften Stock des Flughafengebäudes einen weiten Blick über das Vorfeld und die Südbahn bis hinüber nach Godshorn. Gleich zu Beginn wurden die Gäste Zeuge eines bisher noch recht seltenen Anblicks. Wie dafür bestellt, erhob sich vor ihren Augen nach kurzem Anlauf auf der Südbahn eines der neuen Airbus Militärtransportflugzeuge A 400M in die Luft. In seinem einleitenden Vortrag zum Thema „Der Sonne entgegen...“ bekannte Bischof Meister: „Die Architektur von Kirchen, aber auch von Flughäfen fasziniert mich. Für mich verbinden sich damit Begriffe wie Sehnsucht, Sicherheit und Transit." Sicher ist ein Flughafen auch ein Ort zum Träumen und seit jeher haben viele Autoren den mehr oder weniger erfolgreichen Versuch unternommen, sich literarisch dem Abenteuer Fliegen zu nähern. Eine Art der Fortbewegung, die die Menschen nicht erst seit Otto Lilienthal beschäftigt und fasziniert. Auch wenn der Fliegerei im Hier und Jetzt das Abenteuer weitgehend abhanden gekommen ist und mit seinen eng getakteten Abläufen eher an Busfahren im Liniendienst erinnert. „Dennoch liegen das Streben nach Freiheit und die menschliche Hybris nach wie vor dicht beieinander“, meint Meister. Das reiche, auf die Fliegerei bezogen, bis zurück zum verhängnisvollen Flug des Ikarus. Daher lasse sich der Wunsch nach Sicherheit nicht nur als eine Frage der Technologie begreifen, sondern auch als ein Wert an sich, als eine soziale Komponente. Kirchen und Flughäfen kämen sich an dieser Stelle im Übrigen sehr nahe in ihrem Werben um Vertrauen und Ermutigung, stellte Michael Stier fest, Pastor der Evangelischen Akademie Hannover und Moderator der Diskussion. Ulrich Krämer, Flughafenseelsorger am Airport Langenhagen, warf ergänzend die Frage auf, ob ein Flughafen als ein transitorischer Ort die notwendige Vertrautheit zu schaffen vermag, um den Menschen ihre mitunter sehr konkreten Ängste zu nehmen. „Unsere Kirche auf dem Flughafen ist für viele Menschen ein Rückzugsraum, ein Ort der Ruhe und oft gelingt es uns auch, geistlichen Trost zu spenden und ihnen damit ihre Ängste vor dem Fliegen zu nehmen“. Bei all dem dürfe aber weder die gesellschaftliche noch die ökonomische Verantwortung angesichts von oft absurd niedrigen Flugpreise außer Acht gelassen werden, gab einer der Zuhörer zu bedenken. Hier sollte sich die Kirche mehr einmischen und Fragen stellen.