„Wie man seine Chance ergreift“

Gesten- und bildreich: Paul Reinhold Linn bei seinem Vortrag in der Aula der IGS. Foto: A. Hesse

Zensuren sind bei Bewerbungen nicht entscheidend

Langenhagen (he). Etwa 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Expert Handels-GmbH mit Sitz an der Bayernstraße in Godshorn, rund 100 Auszubildende werden an den 15 Fachmarktstandorten der Gesellschaft ausgebildet. In diesem Jahr wird sich ihre Zahl weiter erhöhen: Für den neuen Fachmarkt im CCL, der mit 2.400 Quadratmetern Fläche zu den größten bundesweit gehören wird, werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Auszubildende gesucht. „Wir müssen selbst ausbilden, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein“, sagt Geschäftsführer Carsten Funke; sein Unternehmen stelle hohe Ansprüche an die Qualität seines Personals. Um diesen Qualitätsanspruch auch in Zeiten des demografischen Wandels aufrecht erhalten zu können, geht die Handelsgesellschaft jetzt neue Wege: Am Donnerstag fand dazu eine Art Pilotprojekt an der IGS Langenhagen statt.
„Gute Noten sind nicht alles – wie man seine Chance ergreift“, unter dieser Überschrift stand ein mehrstündiger Vortrag des selbstständigen Unternehmensberaters Paul Reinhold Linn, den der gesamte neunte Jahrgang der Schule in der Aula verfolgte. Linn bot den 15-jährigen Schülerinnen und Schülern einen „Generalschlüssel“ an, mit dessen Hilfe es ihnen gelingen sollte, ihre Chancen zu nutzen – und es gelang ihm ganz überwiegend, seine Zuhörer mit ausgeprägter Gestik und bildreicher Sprache zu fesseln.
„Wer sich immer wieder einredet, er sei für Mathe zu blöd oder für Englisch zu wenig sprachbegabt, der behält am Ende garantiert Recht“, betonte Linn eindringlich und zitierte die berühmte Geschichte vom Mann und dem Hammer von Paul Watzlawick. In Wahrheit seien darüber hinaus gute Noten nicht ausschlaggebend dafür, ob ein Mensch beruflich erfolgreich werde – vielmehr seien es die positive Grundeinstellung, das Lächeln, die grundsätzliche Freundlichkeit und Offenheit gegenüber anderen Menschen und die Übereinstimmung zwischen Worten und Körpersprache. Und die Bereitschaft, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen: „Erwachsen zu werden bedeutet, dass Sie nicht mehr sagen können, die Anderen sind schuld. Wer bestimmt wo es langgeht? Niemand außer Ihnen selbst.“
Verkaufen sei eine Kunst, die fast ausschließlich aus dem Beherrschen der Kommunkation bestehe, so Linn weiter – und Kommunikation fange nicht erst dann an, wenn die Beteiligten den Mund aufmachen. „Wenn Sie sich mit der Kapuze auf dem Kopf breitbeinig auf einen Stuhl flezen, signalisieren sie damit eindeutig, dass Sie nicht wollen“, so der Unternehmensberater als Tipp für jedes Bewerbungsgespräch – 90 Prozent der Wirkung eines Menschen würden nicht durch Gesprächsinhalte bestimmt sondern durch emotionale Signale. „Das ist eine Riesenchance für Sie, wenn Ihre Schulnoten zwischen drei und vier liegen“, machte Linn den Schülerinnen und Schülern klar – und Carsten Funke kann diese Aussage nur bestätigen: „Wir brauchen nicht in erster Linie gute Zensuren, wir brauchen Typen“, stellt er fest. Gebraucht würden einfach Menschen, die Spaß am Verkaufen hätten; nur solche Bewerber kämen auf Dauer mit den ungünstigen Arbeitszeiten im Einzelhandel zurecht.

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