„Wir haben wichtige Weichen gestellt“

Regionspräsident Hauke Jagau präsentiert die neue Wirtschaftsmonographie.

Regionspräsident Hauke Jagau zieht Bilanz des Jahres 2014

Region Hannover. Regionspräsident Hauke Jagau hat in einem Pressegespräch am Freitag, 19. Dezember, die Bilanz des Jahres 2014 gezogen. Sein Fazit: „Wir haben in vielen Fragestellungen die Weichen für die Zukunft gestellt. Auch wenn das Ringen um die richtige Lösung oft schwierig war, können wir zufrieden mit den Ergebnissen sein.“ Nicht nur bei viel beachteten Themen wie der Medizinstrategie 2020 für das Klinikum Region Hannover habe die Region erfolgreich gearbeitet. Auch viele kleine Projekte seien Bausteine für eine nachhaltige Politik.
Gute Nachrichten für die üstra: Das Verkehrsunternehmen wird den Stadtbahn- und Busbetrieb bis 2038 in Hannover weiterführen. Das stellt ein Dienstleistungsauftrag sicher. Die Region Hannover hatte 2014 EU-weit bekannt gemacht, dass sie beabsichtige, die üstra ab 2015 für weitere 22,5 Jahre direkt zu beauftragen. Es meldete sich kein Konkurrent. „Damit sind die Jobs der üstra-Beschäftigten gesichert. Gleichzeitig halten wir an den bewährten Standards fest und wissen, dass wir einen verlässlichen Partner an unserer Seite haben“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau.
Geschafft: Seit dem 14. Dezember rollte die Stadtbahn wieder nach Hannover-Misburg – fast 60 Jahre nachdem die alte Straßenbahnverbindung eingestellt wurde. Das neue Teilstück ist 1,5 Kilometer lang und verbessert das Verkehrsangebot für rund 5000 Einwohnerinnen und Einwohner. Und auch für die Stadtbahnverlängerung nach Hemmingen sind die Weichen gestellt. Im Dezember fand der erste Spatenstich für den Bau der Umgehungsstraße um Hemmingen statt – Voraussetzung der Bau der Stadtbahnstrecke, die auf der alten B3 entlanggeführt werden soll.
„Wir haben uns in den vergangenen Jahren entschuldet – ein wichtiger Schritt für die Zukunftssicherheit der Region Hannover“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau. Besonders wichtig sei der Abbau der Altdefizite. „Wer Kredite aufnimmt, um zu investieren, schafft gleichzeitig einen Gegenwert. Bei einem sogenannten strukturellen Defizit bleibt dagegen nichts als Schulden.“ Rund 55 Millionen Euro Überschuss standen nach dem Jahresabschluss 2013 unterm Strich. Und für den Jahresabschluss 2014 erwartet Jagau ebenfalls ein Plus von rund 50 Millionen Euro. Gleichzeitig habe die Region die Kommunen entlastet, erinnert der Regionspräsident: „Sowohl 2013 als auch 2014 haben wir die Hebesätze für der Regionsumlage gesenkt.“ Für 2015 bleiben die Hebesätze stabil.
„Wir haben die Kulturförderung 2014 komplett neu aufgestellt. Von den neuen Förderrichtlinien profitieren vor allem Theater- und Kulturveranstalter in den Städten und Gemeinden in der Region Hannover“, berichtet Regionspräsident Hauke Jagau. So habe es in diesem Jahr erstmals Mittel für Spielplanförderung und theaterpädagogische Maßnahmen gegeben. In einem Workshop informierte das Team Kultur der Region Hannover Kulturschaffende über die neuen Modalitäten. „Der Kontakt ist enger geworden“, sagt Jagau. „Das ist gut: Unser Ziel ist eine vielfältige Kulturlandschaft.“ Gerade ist eine Broschüre zum Thema Theaterpädagogik erschienen. Das Heft stellt Angebote vor, die zum Beispiel für Schulklassen gebucht werden können.
Mit dem Programm „Wortschatz“ geht die Region Hannover seit 2012 neue Wege in der Sprachförderung. Nicht die Kinder, sondern die Erzieherinnen und Erzieher werden geschult. Sie sollen ihr Wissen mit in den Arbeitsalltag nehmen und im Umgang mit den Kindern anwenden. „Es ist viel effektiver, wenn die Fachkräfte im Kindergarten jeden Tag auf den Spracherwerb der Kinder achten und das Thema zum Bestanteil ihrer Arbeit machen, als wenn einmal pro Woche jemand mit einem Teil der Kinder Übungen macht“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau. Im Sommer wurde die erste Kindertagesstätte als „Kompetenz-Kita Sprache“ zertifiziert. Inzwischen haben fünf Kindertagesstätten das Zertifikat erworben.
Seit 2014 ist die Region Hannover mit einem Konzept für politische Bildung am Start. Den Auftakt machte ein Workshop mit Lehrerinnen und Lehrern. Es folgten ein Poetry-Slam im Regionshaus und ein „Regionologie“-Kongress mit rund 100 Schülerinnen und Schüler. „Regionologie“? „Wir möchten in Zusammenarbeit mit den Schulen erreichen, dass das Modell Region Hannover in Unterrichtseinheiten über Kommunalpolitik vorgestellt und erläutert wird“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau. „Oft ist die erste Schwierigkeit, das die Lehrkräfte selbst nicht recht wissen, was die Region Hannover eigentlich ist.“ Das soll sich ändern. „Dahinter steht auch die Idee, den Schülerinnen und Schülern eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie sie selbst unsere Gesellschaft mitgestalten, sich beteiligen und teilhaben können“, sagt Jagau. Für 2015 ist unter anderem das Planspiel „Pimp your Town“ für die Region Hannover geplant.
Im Juli 2014 wurde die Gedenkstätte Ahlem nach anderthalbjähriger Umbauzeit neu eröffnet – einer der bewegendsten Momente des Jahres 2014 für Regionspräsident Hauke Jagau. „Wir hatten zahlreiche Zeitzeugen und Holocaust-Überlebende zu Gast“, berichtet Jagau. „Sie wollten wissen, wie wir mit diesem Erbe – einem in mehrfacher Hinsicht bedeutenden Ort jüdischen Lebens, aber auch der Judenverfolgung umgehen. Ich glaube, sie haben gesehen, dass wir einen würdigen Ort des Gedenkens geschaffen haben.“ Die Gedenkstätte Ahlem war 1893 als Israelitische Gartenbauschule gegründet und ab 1941 als Deportationsstelle, später als „Polizei-Ersatzgefängnis“ missbraucht worden. Die Region Hannover hat in den Umbau rund 6,3 Millionen Euro investiert.
Heidschnucken als Weidetiere, Einsatz von Pferden gegen Neophyten wie die Kulturheidelbeere: Die Region Hannover investiert in den Erhalt der Biodiversität. „Manchmal sind es ganz kleine Maßnahmen, die wir unterstützen, die aber lokal von Bedeutung sind“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau. Jüngstes Beispiel: Die Region Hannover hat die Kosten übernommen, um ein schiefes Storchennest in Langenhagen-Schulenburg wieder zu richten. Auf dem Betriebsgelände des Wasserwerks in Burgwedel-Fuhrberg wurden Büsche und Bäume beseitigt, um bessere Lebensbedingungen für gefährdete Nattern und Eidechsen zu schaffen. Und im nördlichen Teil des Toten Moores in Neustadt am Rübenberge hat die Region 10.000 Pflanzen umsetzen lassen, ehe ein Teilbereich zur Abtorfung freigegeben wurde. „Der Mensch hat in der Vergangenheit wenig Rücksicht auf die Natur genommen. Heute ist es unsere Aufgabe das, was wir noch haben, zu schützen und zu bewahren“, sagt Jagau.
Preiswerter Wohnraum für einkommensschwache Menschen wird knapp. Die Region steuert gegen: Am 16. Dezember hat die Regionsversammlung ein Wohnraumförderprogramm beschlossen. Bis zum Jahr 2017 stehen insgesamt 15 Millionen Euro zur Verfügung – bis zu 4 Millionen Euro pro Jahr. „Wir müssen dem demografischen Wandel Rechnung tragen“, sagt Regionspräsident Hauke Jagau. „Wir brauchen mehr Singlewohnungen, aber auch mehr barrierefreien Wohnraum für Menschen mit Handicap oder ältere Menschen.“ Deshalb berücksichtige das jetzt aufgelegte Programm auch die Förderung von Modellvorhaben, die als Beispiel für innovative und zukunftsweisende Ansätze für preiswerten und bedarfsgerechten Wohnraum dienen.
Gerade erschienen in der Reihe „Monographien deutscher Wirtschaftsgebiete“: der Band „Wirtschaftsstandort Region Hannover“. Die Region Hannover hat das Buch zusammen mit dem Verlag Kommunikation & Wirtschaft GmbH aus Oldenburg herausgegeben. Es stellt die Region in deutscher und englischer Sprache als zukunftsträchtigen Standort für Wirtschaft, Wissenschaft und zahlreiche Branchen in Wort und Bild vor. Aber auch die Aspekte Kultur, Natur und Freizeit kommen nicht zu kurz. Alle Beiträge stammen von einem hannoverschen Autorenteam. Der Band ist jetzt im Buchhandel erhältlich und kostet 33 Euro.