„Wir müssen bisher Flächenbrände löschen“

Mareike Wulf (links) informierte sich auf Einladung von Jessica Golatka über die Situation an den Langenhagener Schulen. (Foto: O. Krebs)

Forderung nach mehr Sozialarbeitern an den Langenhagener Schulen

Langenhagen (ok). Timo Heiken, Schulleiter an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Langenhagen, wäre fein raus, wenn Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit ihrer Forderung durchkämen. Ein Sozialarbeiter für 150 Schüler, so lautet die Formel. Das hieße für seine Schule dann insgesamt zehn Sozialarbeiter. So weit will Heiken gar nicht gehen, aber Ersatz für eine Kraft, die in der passiven Phase der Altersteilzeit ist, ist aus seiner Sicht schon angemessen. Der Hintergrund: Die neue schwarz-rote Landesregierung in Niedersachsen hat angekündigt, 150 zusätzliche Stellen für Sozialarbeiter an Schulen zu schaffen. Die Langenhagener CDU-Stadtverbandsvorsitzende Jessica Golatka hatte die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Niedersächsischen Landtag, Mareike Wulf – auch für Bildung zuständig – zu einer Gesprächsrunde nach Langenhagen in die IGS eingeladen. Und die Vertreter der Schulen klagten ihr und anwesenden Langenhagener Lokalpolitiker ihr Leid, sehen sich wachsenden Herausforderungen in einer Gesellschaft, die sich wandelt, ausgesetzt. Daniela Holtz, Sozialarbeiterin an der IGS Langenhagen, machte deutlich: „Das Spektrum an Schülern ist einfach breiter geworden. Sozialarbeit ist mittlerweile Beziehungsarbeit, die viel in Kleingruppen stattfindet. Auf die Probleme muss sehr individuell eingegangen werden.“ Die Familienverhältnisse spielten eine große Rolle – Sucht, psychisch, Gewalt in der Familie und Patchwork. In Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe müsse viel gewuppt werden. Ihr Kollege Andreas Anders sagt: „Wir sind ein Spiegel Langenhagens.“ Kerstin Bücken, Leiterin der Sekundarstufe eins, erklärt: „Immer mehr Kinder in einer Gruppe dieser Größe wie in einer Klasse werden nicht mehr erreicht.“ Die soziale Persönlichkeit werde schon in einer Kleingruppe trainiert. Kerstin Bücken: „Es fehlt ein Diagnosezentrum mit einer besonderen Pädagogik.“ Die Ansprechpartner müssten an Ort und Stelle erreichbar sei; ein Schulpsychologe sei beispielsweise Freitagmittag kaum zu bekommen. Michael Hartmann, Sozialarbeiter am Gymnasium, sagte: „Ich muss gut improvisieren können.“Hauptzielgruppen seien die fünften und sechsten Klassen. CDU-Ratsherr und Stadtelternratsvorsitzender Uwe Gülke regte an, die Stellen der Sozialarbeiter schon auf die Grundschulen auszudehnen. Seiner Ansicht nach fangen die Schüler erst in der fünften Klasse an, richtig zu lernen, was am Bildungssystem liege. Und Kerstin Bücken stellte fest: „Bisher müssen wir viele Flächenbrände löschen. Dabei sei es sinnvoll, nicht intervenierend, sondern präventiv zu agieren.“ Ihr Chef Timo Heiken ist der Ansicht, dass es gerade auf der Leitungsebene Kerstin Bückens mehr Entlastung geben müsse. Eine weitere Idee des Gesamtschuldirektors: eine zusätzliche Stelle für eine Fachbereichsleitung oder Koordination in Sachen Inklusion. Mareike Wulf hob in ihrem kurzen Fazit hervor, dass sie die spezielle Problematik Langenhagens beim Wunsch nach Sozialarbeitern im Blick habe: wachsende Stadt in einem großstädtisch geprägten Umfeld mit allen weiterführenden Schulen in einem Radius von knapp 2.000 Metern. In den nächsten Monaten werde sich jetzt entscheiden, wie die Stellen der zusätzlichen Sozialarbeiter im ganzen Land verteilt werden. Der hiesige CDU Landtagsabgeordnete Rainer Fredermann räumte ein: „150 Stellen klingen zunächst einmal wie der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.“ Aber die Schulen ja mit so genannten Ganztagsmitteln vielleicht selbst auch für Entlastung sorgen. Wenn die Finanzierung steht, gilt es nach Ansicht der Vertreter der Schulen aber durchaus ein weiteres Problem zu lösen: Lassen sich die Stellen adäquat mit qualifizierten Fachkräften besetzen?