„Wir sind auf den ersten Zentimetern“

Schauen sich interessiert das technisch ausgereifte Endoskop an (von links): Carsten Lambrich, Martin Thies und Michael Neubauer.Foto: O. Krebs

Live-Darmspiegelung nimmt die Angst/Prävention kann Leben retten

Langenhagen (ok). Parallel lief zwar im Fernsehen die WM-Begegnung Niederlande gegen Australien, aber was die Besucherinnen und Besuchern in der Paracelsus-Klinik auf dem Bildschirm zu sehen bekamen, war bestimmt nicht weniger spannend. Die Live-Übertragung einer Darmspiegelung, die im Nachbarraum über die Bühne ging. Und als die Demonstration nach 15 Minuten dann für alle Beteiligten gut überstanden war, klatschten die Interessierten dann auch wie bei der Landung eines Flugzeuges.
Michael Neubauer, Chefarzt an der Paracelsus-Klinik, und Apotheker Carsten Lambrich, die die Veranstaltung im Vorfeld initiiert hatten, versuchten den Gästen die Angst vor einer Darmspiegelung zu nehmen, indem sie detailliert den Ablauf vom Aufklärungsgespräch bis hin zum eigentlichen Eingriff erläuterten und mit einem gefilmten Arzt-Patient-Gespräch auch untermauerten. Gleichzeitig machten sie deutlich, wie wichtig Prävention ist. Darmkrebs steht an zweiter Stelle der Krebserkrankungen; 18.000 Menschen sterben daran jährlich in Deutschland. Michael Neubauer: „90 Prozent aller Fälle können mit einer Vorbeugung geheilt werden.“ Deutschland sei das einzige Land, in dem die Krankenkassen diese Leistung ab 55 Jahren übernehmen. Was die Vorsorge angeht, seien die Frauen wesentlich aktiver, gingen frühzeitig zum Arzt; bei Männern fange das etwa erst mit 45 Jahren an. Neubauers und Lambrichs Fazit – der Apotheker hat sich vor Kurzem erst selbst einer Untersuchung unterzogen und gute Erfahrungen gemacht – fällt rundum positiv aus – die Risiken einer so genannten Koloskopie des 1,60 Meter langen Dickdarms seien sehr gering, der Effekt kann dagegen sehr groß sein, kleinere Polypen sowie Polypenvorstufen werden aus dem Dickdarm, der die Form einer Toblerone-Schokolade und keinen einzigen Knochen hat, gleich entfernt. Kaum hatte Oberarzt Martin Thies – er hatte die Spiegelung übernommen – gesagt: „Wir sind auf den ersten Zentimetern“, war er auch schon fast fertig. Allen Interessierten gab der Mediziner noch mit auf den Weg: „Bei wem Polypen aufgetreten sind, der sollte je nach Auffälligkeit des Befundes nach ein, drei oder fünf Jahren wiederkommen; wenn keine Auffälligkeiten vorliegen nach zehn Jahren.“