„Wir sind gut aufgestellt und gehen den richtigen Weg“

Für zwölf Millionen Euro 18 Monate lang umgebaut: das frühere Hallenbad in der Soltau Therme. (Foto: O. Krebs)
 
12,8 Millionen hat der Bau des Zeitbades Friesentherme in Emden gekostet. Nach Ansicht der Langenhagener wenig gelungen. (Foto: O. Krebs)

Eigenbetrieb Bad holt sich Anregungen für weiche Faktoren der “Wasserwelt“ in vier anderen Bädern

Langenhagen (ok). Bädertour nach Soltau, Emden, Wolfenbüttel und Wolfsburg, und die Mitglieder des Ausschusses des Eigenbetriebes Bad haben vielen Eindrücke gesammelt und auch neue Kontakte geknüpft. Denn sie haben Tiki und Jojo aus dem Zauberwald, Frieso, die Robbe, Oki, das Seepferdchen, und auch Palmi auf ihrer Reise quer durch Niedersachsen kennen gelernt. Wie sich unschwer erkennen lässt, heißen so nicht etwa die jeweiligen Badbetriebsleiter an den Standorten, sondern die Maskottchen der Bäder. Denn: Merchandising ist heute auch für Schwimmbäder wichtig, in denen längst nicht mehr einfach nur geschwommen wird. Vielmehr nennen sie sich Erlebnisbäder und Wohlfühloasen, die zum Urlaub für einen Tag einladen. Und die jeden zusätzlichen Euro gut gebrauchen können, denn immer sind Zuschüsse nötig, die sich zumindest im sechsstelligen Bereich bewegen. So steht in Soltau am Ende der Rutsche ein Fotoautomat; die Schnappschüsse können für drei Euro mitgenommen und die Bilder gleich bei Facebook eingestellt werden. Eine Idee, die möglichst auch in Langenhagen umgesetzt werden soll. Egal, ob es eine Therme wie in Soltau oder ein so genanntes Zeitbad mit allen möglichen Angeboten auf engstem Raum wie die Friesentherme in Emden ist – mehrere Saunen sind ein Muss, zusätzliche Angebote wie Fitness und Wellness ergänzen das Ganze oft. Badbetriebsleiter Carsten Hettwer, der Ausschussvorsitzende Bernhard Döhner (CDU), sein Stellvertreter Wolfgang Langrehr (SPD) und auch SPD-Fraktionschef Marc Köhler sind nach der zweitägigen Fahrt überzeugt: „Wir sind gut aufgestellt, was die Wasserwelt angeht, und gehen den richtigen Weg.“ Der Weisheit letzter Schluss gebe es sicher nicht, aber das Langenhagener Konzept sei schlüssig; der separate Eingang für Schulen und Vereine – ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu den anderen vier Bädern – werde sich bewähren. Nicht überzeugt ist Carsten Hettwer nach wie vor vom so genannten Cabrio-Dach wie in Soltau, Emden und Wolfenbüttel, das bei warmem Wetter einen Hauch von Freibad-Feeling vermittelt. Das Thema sei rauf und runter diskutiert worden und jetzt auch entschieden, nicht zuletzt wegen der Energiebilanz. Mit dem Außenbecken gebe es genug Wasserfläche unter freiem Himmel. Schiebetüren, die sich öffnen ließen, seien ebenfalls nicht vorgesehen. Eine Kombination von Bad und Fitnessstudio kann nach Ansicht des Ausschussvorsitzenden Bernhard Döhner eine Menge Synergieeffekte nach sich ziehen. Er gibt allerdings zu bedenken, dass es in Langenhagen ein paar Hundert Meter weiter ein Angebot gebe, das seit Jahren erfolgreich mit dem größten Langenhagener Sportverein kooperiere. Dem dürfe nicht einfach das Wasser abgegraben werden.
Eine große Rolle spielte in allen Bädern die Barrierefreiheit, und auch in Langenhagen, wo Rolstuhlsportgemeinschaft und Behindertensportgemeinschaft eine große Rolle im sportlichen Stadtgeschehen spielten. Überhaupt die Vereine und Schulen – sie haben an allen vier Standorten ihren festen Platz im Terminkalender gefunden, die Abstimmung untereinander klappe meistens reibungslos. So soll es auch in der Flughafenstadt sein. Große Unterschiede gibt es allerdings in Sachen Abrechnung. Während im Stadtbad Okeraue pro Kopf abgerechnet wird, vermietet das BadeLand in Wolfsburg die einzelnen Bahnen. Betriebsleiter Carsten Hettwer: „Das erste System ist gerechter, das zweite natürlich für den Betreiber besser.“ Der steht in Langenhagen mit der GMF ja schon seit einiger Zeit fest, im nächsten Jahr wird die Personalsuche forciert. Vier Wochen vor Eröffnung der „Wasserwelt“ soll das Personal eingearbeitet werden. Qualifizierte Badfachangestellte zu finden, sei nicht einfach; die Türen stehen nach Aussage des GMF-Prokuristen Wolfgang Debus auch für das Godshorner Team offen. Was von der Bädertour noch hängen geblieben ist? Klare Linien und Strukturen müssen verfolgt, auf Regionalität gesetzt werden. Beispiel aus Soltau: „Wir sind kein Asian Spa und auch keine Karbikwelt, sondern ein geerdetes Bad mitten in der Lüneburger Heide“, so der dortige Betriebsleiter Andreas Ebert. In der Soltau Therme ist Heiligabend übrigens der umsatzstärkste Tag. Geschwommen und sauniert wird zwar nicht, dafür aber finden aber Geschenkgutscheine reißenden Absatz. Auch eine Form von Marketing pur. Einig ist sich der Langenhagener Badausschuss, dass er mit der Raumaufteilung richtig liege. Auch wenn der Sauna eine große Bedeutung zukommen, so wirkte, das Beispiel der Friesentherme in Emden doch eher abschreckend. Erlebnisbecken, Lehrschwimmbecken, Sprungbecken und Sauna im so genannten Zeitbad auf engstem Raum; die Saunafläche ist größer. Zugegeben: Der Neubau hat vor rund zehn Jahren allerdings auch „nur“ zwölf Millionen Euro gekostet. Aus Wolfsburg hat die Reisegruppe noch mitgenommen, dass in der Anfangszeit mit Veranstaltungen eher geklotzt als gekleckert werden sollte. Ein Thema, das auch im nächsten Jahr auf den Agenda steht. Feintuning ist angesagt – es wird zum Beispiel über Schwimm- und Gesundheitskurse, Handynutzung und Öffnungszeiten diskutiert, aber auch der Internetauftritt und soziale Medien wie Facebook und Gastronomiekonzept werden zur Sprache kommen. Los geht es Anfang des Jahres mit einem Workshop in Sachen Eintrittspreisen. Carsten Hettwer abschließend: „Insgesamt waren die vier Bäder nicht vergleichbar, aber wir haben viele Hinweise für Details bekommen, über die wir jetzt sprechen können.“