„Wir waren schon mal weiter“

Für sie steht das Thema Intergration ganz oben auf der Agenda: Willi Minne (von links), Hamidou Bouba und Justyna Scharlé. (Foto: D. Lange)
 
Sorgte für den musikalischen Rahmen: der Singkreis Langenhagen unter der Leitung von Elisabeth Pape. (Foto: D. Lange)

Kinoabend im Cinemotion zum Internationalen Tag gegen Rassismus

Langenhagen (dl) Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Justyna Scharlé, sowie der Langenhagener Integrationsbeirat hatten interessierte Bürger anlässlich des Internationalen Tages gegen Rassismus zu einem Filmabend ins Kino eingeladen. Gezeigt wurde die französische Filmkomödie „Monsieur Claude und seine Töchter“, in der ein eher konservativer, französischer Familienvater am Ende mit vier Schwiegersöhnen gesegnet ist, die unterschiedlicher nicht sein können. Ein Chinese, ein Araber, ein Jude und ein Schwarzafrikaner, vier Schwiegersöhne, die sich, zumindest anfänglich, auch untereinander nicht besonders grün sind. Besonders in Frankreich und Deutschland war der Film zwar ein Publikumserfolg, dennoch wurde der Streifen, der das Thema kulturelle Vielfalt und Toleranz auf humorvolle und unterhaltsame Weise transportieren soll, bei der Kritik recht unterschiedlich bewertet. Von Verharmlosung und mangelnder Ernsthaftigkeit war da die Rede, vor dem Hintergrund eines teils unterschwelligem, teils offenem Rassismus sowie latenter Fremdenfeindlichkeit in Frankreich, nicht zuletzt dank des „Front National“ einer Marine Le Pen.
Das Publikum entschied anders und so kamen auch zum Aktionstag des Integrationsbeirats gegen Rassismus im Cinemotion sehr viel mehr Gäste als gedacht. „Mit dieser Nachfrage haben wir nicht gerechnet, sonst hätten wir gleich das größere Kino eins gebucht anstelle des kleineren Kino zwei mit seinen 180 Plätzen.“ sagte die städtische Integrationsbeauftragte Justyna Scharlè. Musikalisch begleitet wurden die Gäste vom Singkreis Langenhagen. Dazu zeigte Adnan Shabarji, ein Fotograf aus Syrien, der seit etwa zwei Jahren in Langenhagen lebt, einige seiner emotional-berührenden Schwarzweiß-Portraits, die in verschiedenen Ländern entstanden sind auf seinem Weg nach Deutschland. Der Krieg in Syrien beeinflusst ganz wesentlich auch die Arbeit und die Aufgaben des Integrationsbeirats. „Viele der syrischen Kriegsflüchtlinge würden lieber heute als morgen in ihre Heimat zurück kehren“, berichtet dessen Vorsitzender Erwin Eder. „wenn nur der Krieg endlich beendet würde“. Ihr Wille zur Rückkehr bestimme allerdings auch deren Perspektive bezüglich ihres Aufenthalts in Deutschland, so Eder. Es sei deshalb nicht leicht, sie für Integrationsmaßnahmen zu motivieren. Hinzu komme, dass beispielsweise die Teilnahme an zertifizierten Sprachkursen allzuoft am ungeklärten Aufenthaltsstatus vieler Flüchtlinge scheitert.
Eder hadert insbesondere mit den politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen in vielen Ländern Europas und in den USA, mit der Stimmungsmache und Abschottung gegen Flüchtlinge sowie mit den wachsenden rechtsnationalen Strömungen, die damit verbunden sind. Auch wenn es immer wieder positive Beispiele einer gelungenen Integration gebe, so Eder. „Wir waren schon mal weiter, was Toleranz und gesellschaftliches Miteinander angeht“. Daher sei der Internationale Tag gegen Rassismus auch ein Tag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für den Abbau von Berührungsängsten, der nur im Dialog geschehen könne.