„Wir wollen uns Sympathie erarbeiten“

Tauschten sich intensiv über den kleinen und großen Fußball aus: Torsten Schmidt, stellvertretender Spartenleiter des TSV KK, Jürgen Pigors, Martin Kind, Oliver Jung, Michael Tarnat und Gerhard Zuber. (Foto: O. Krebs)

96-Verantwortliche suchen beim TSV KK den Dialog mit den Fans

Krähenwinkel (ok). Die knappe 1:2-Niederlage im Freundschaftsspiel des TSV KK gegen Hannover 96 zur Einweihung des neuen Vereinsheims liegt zwar schon fünf Jahre zurück, ist vielen Krähen-Fans aber immer noch gut in Erinnerung. Allerdings nicht nur der positive Verlauf des Spiels für den Landesligisten, sondern auch das unrühmliche und arrogante Auftreten einiger 96-Profis im Anschluss an die Begegnung. So verschwanden die angefressenen Starkicker wortlos im Mannschaftsbus und ließen kleine und große Fans ohne Autogramme stehen. Für Krähen-Schatzmeister Jürgen Pigors ein "No Go", und das machte er 96-Präsident Martin Kind auch deutlich. Kind war zusammen mit Michael Tarnat, Leiter der 96-Akademie, und dem sportlichen Leiter Gerhard Zuber an den Stucken-Mühlen-Weg gekommen, um im Dialog Rede und Antwort zu stehen. Martin Kind hat kein Verständnis für solch ein Verhalten: „Freundschaftsspiele sind dafür da, um sich Sympathie zu erarbeiten; die Marke muss etabliert werden.“ Die „interne Kultur“ habe sich in den vergangenen Jahren aber weiterentwickelt, und der Trainer habe durchaus die Autorität, das durchzusetzen. Ex-Nationalspieler Michael Tarnat plauderte aus seiner aktiven Zeit beim FC Bayern München. Da seien die Spieler regelmäßig zu den Fanklubs gegangen. „Wir haben das ausgelost. Wenn du Glück hattest, durftest du in die Nähe nach Passau. Wenn es nicht so optimal lief, ging es aber durchaus auch mal nach Südtirol“, erzählte er schmunzelnd.
Was die so genannten Ultras angeht, so kündigte Martin Kind, den Dialog mit den Fans noch einmal suchen zu wollen. Kind: „Es geht dabei um eine Kulturfrage des deutschen Fußballs und natürlich auch um eine Machtfrage.“ Dann aber würden Spielregeln festgelegt, und es gebe Entscheidungen. Frank Fusarelli, Trainer der A-Jugend des TSV KK, brachte den Vorschlag ins Spiel, verbilligte Tickets für Fans anzubieten, die zur zweiten Halbzeit kommen. Klubchef Martin Kind, der ausführlich die Struktur von Hannover 96 mit dem Nachwuchsleistungszentrum und dem neuen Vereinszentrum für Breitensport an der Stammestraße erläuterte, hält das aus organisatorischen Gründen nicht für machbar, das Preisniveau sei dann einfach zu diffus.
Was den Amateurfußball angeht, so müsse Finanzierungssicherheit herrschen: „Die Prozesse verändern sich, also muss kreativ reagiert werden“, so Kind.
Dem TSV Krähenwinkel/Kaltenweide mit seinen rund 1.200 Mitgliedern – darunter rund 650 Fußballer – zollte er viel Lob. „Sie übernehmen gesellschaftliche und soziale Verantwortung des Breitensports für die Region. Heutzutage ist es immer schwerer, ehrenamtlich Engagierte in den Vereinen zu finden“, sagte Martin Kind. Oliver Jung, Spartenleiter des TSV KK, erzählte, dass die Klub im Norden Langenhagens die größte Fußballabteilung in der Region Hannover hat. „Bei uns herrscht von der Jugend bis zur Ersten Herren der Krähengeist“, sagte Jung und bedankte sich bei den drei Gästen des Fußballbundesligisten mit einem Krähen-Schal in den Vereinsfarben blau und rot. Martin Kind lud die die Vereinsmitglieder im Gegenzug ein, sich einmal die moderne 96-Akademie bei einer Führung anzuschauen. Ob im kleineren Kreis noch über eine Neuauflage des Freundschaftsspiels von 2013 gesprochen wurde, ist der Redaktion allerdings nicht bekannt.