Wir wollten doch nur ein wenig Spaß…

Das ECHO macht sich WM-Gedanken

(rt). Vier Jahre nach dem fulminanten Sommermärchen der letzten Weltmeisterschaft sollte am Kap der Guten Hoffnung die Party weitergehen. In Südafrika dem Land der überschwänglichen Freude steigt die 19. Runde der globalen Auseinandersetzung in der Sparte Fußball. Wir alle haben uns auf diese Spiele gefreut. Ob allein, mit Freunden oder beim public viewing in der City, die Fieberkurve der Fans hat nun ihren Höhepunkt rechtzeitig erreicht. Doch konnten die ersten Spiele dieser Vorfreude gerecht werden? Eine kleine Zusammensetzung freudige Ereignisse soll Aufklärung geben.
Spaß macht uns bisher im fußballerischen Bereich lediglich der Auftritt der Deutschen Jungs. Mit der jüngsten Mannschaft seit Jahrzehnten wirbelte sie hilflos agierende Australier von einer Verlegenheit in die nächste. Die Torausbeute schien hierbei eher noch zu gering bemessen. Warum die sogenannten Experten ein Abwehrbollwerk gesehen haben wollen, bleibt eines der großen Geheihnisse dieser WM. Kein Geheimnis waren die Nichtleistungen der anderen Favoriten auf den Titel. Die seit Jahren enttäuschenden Franzosen, die wie immer überschätzen Engländer und auch die Altherrentruppe des Titelverteidigers aus Italien blamierten sich kräftig. Ansonsten machten uns die schlechten Auftritte der unterschiedlichsten Systeme und Nationen fast sprachlos. In den meisten Fällen dienten sie lediglich als Mittagsschlaf-Beschleuniger.
Spaß hatten wir mit vielen Randereignissen der Spiele, die von den unsäglichen Vokuhila-Tröten überschattet wurden. Keine Fangesänge hörbar, selbst der größte Männerchor aus England und sein „God shave the Queen“ gingen im Elefantengeheul unter. Von Fußballfeeling keine Spur. Dauerbeschallung at its best. Dazu immerzu tanzende, fröhlich dreinschauende Menschen in bunten Kleidern – egal wer, wie oder warum gerade spielt. Erinnerungen an die Fankultur in Amerika werden wach.
Spaß machten allerdings auch wieder die fliegenden Ausnahmekönner vor dem Fischernetz. Warum die Afrikaner noch keinen großen Titel gewonnen haben? Nun, zum Fußballsport gehört nicht nur das Erzielen sondern auch Verhindern von Toren. Und ohne Torhüter kann man kein Spiel gewinnen. Wo wir wieder bei den Engländern wären. Grün ist die Farbe der Hoffnung dachte sich Fabion Capello. Stellte Robert Green (= grün) in den Kasten um nach dessen Fehlgriff im Boden zu versinken. Schon scheint mit David James Ersatz gefunden. Dass dieser auf der Insel als „Pannen-Olli“ gilt, zeigt sein Spitzname. „Calamity James“ heißt so viel wie Unheil bringender James. Vielleicht sollte Capello im näheren Betreuerumfeld tätig werden. Einer der letzten guten Keeper sitzt mit Ray Clemence auf der Bank. Das der ehemalige Liverpooler schon 62 Lenze zählt ist unerheblich. Alt sahen in den letzten Jahren alle Torhüter des Königreichs aus.
Spaß hatten wir auch mit fundierten Fachkenntnissen. Gerhard Delling merkte beim Fehler von Green an, dass sich der legendäre Gordon Banks im Grabe umdrehen würde. Wäre dieser der deutschen Sprache mächtig, wäre im heimischen Wohnzimmer sicherlich vom Sofa gerollt. Auch ein Expertentipp sinnigerweise vom eigenen Trainer aufgestellt, macht uns ratlos. Japans Takeshi Okada will das sein Team ins Halbfinale einzieht. Nach dem Grottenkick gegen Kamerun fragen wir uns in welcher Sportart. Schön anzusehen war dagegen Diego Maradona. Im feingeputzten Konfirmationsanzug überraschte er die Welt mit perfektem Outfit. Keine Spur von Kokain, Fettsucht oder Fäkaliensprache. Der nette Onkel von nebenan. Weiter so… Aber die Fußballspiele dürfen ruhig auch noch etwas mehr Spaß vermitteln.