Wird das Wahlrecht zur Pflicht?

2021/22 ist nach Ratsbeschluss definitiv Schluss an der Pestalozzischule

Langenhagen (ok). Wilfried Kalis, Elternvertreter an der Robert-Koch-Realschule, war in der Einwohnerfragestunde der jüngsten Ratssitzung außer sich: „Sie haben den Willen der Eltern mit Füßen getreten.“ Die Kinder fielen durchs soziale Netz, müssten auf die anderen weiterführenden Schulen in Langenhagen verteilt werden. Was war geschehen? Gerade hatte die Ratsmehrheit einen Weiterbetrieb der Pestalozzischule über das Jahr 2021/22 bis zum Jahr 2028 hinaus abgelehnt. Einige CDU-Mitglieder hatten sich in einem gesonderten Antrag dafür eingesetzt, dass die Förderschule Lernen zumindest bis 2028 am Standort Langenhagen erhalten bleiben soll. Ohne Erfolg: Vor allen Dingen Wolfgang Kuschel (SPD) watschte die Antragsteller verbal ab, verdeutlichte ihnen, wie wenig er von der Idee hält. Das Ganze sei für ihn einfach Zeitdiebstahl und wenig durchdacht. Eine inklusive Beschulung könne nur das Ziel sein – nicht zuletzt angesichts der UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen, die 2009 auf den Weg gebrach worden ist. Ulrike Jagau (Grüne) schlug in die gleiche Kerbe: „Wir wollen uns nun endlich auf den Weg machen für Kinder, die einen speziellen Förderbedarf haben, auch einen Platz in der Mitte der Gesellschaft zu schaffen. Sie sollen, wenn es denn möglich ist, nicht mehr weiter eine Sonderrolle zugewiesen bekommen; sie sollen mit ihren Altersgenossinnen und -genossen gemeinsam unterrichtet werden. Und das soll nun endlich auch in Langenhagen geschehen.“ Förderschüler profitierten vom Besuch der Regelschule, soziale Fähigkeiten würden gefördert, Toleranz, Verständnis und Hilfsbereitschaft gelehrt.Parallelsysteme, die Mittel an der falschen Stelle binden würden, sollen vermieden werden. Ulrike Jagau: „Jedes Kind ist auf seine Weise hochbegabt, wir müssen es nur erkennen und entsprechend handeln.“ Für Claudia Hopfe – eine der Antragstellerinnen in den Reihen der Christdemokraten – bedeutet das Recht auf Inklusion allerdings nicht, dass die Wahlfreiheit der Eltern eingeschränkt werden solle. Hopfe: „So wird das Recht zur Pflicht, und das ist nicht zum Wohl der Kinder.“ Für Felicitas Weck (Linke) dagegen ist Inklusion ein kontinuierlicher Prozess in den Schulen. Das Land müsse ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, damit im Sinne der Qualität an allen Schulen multifunktionale Teams arbeiten können. Für Joachim Balk (FDP) ist die Inklusion unstreitig, zwei Systeme mit Förderlehrern werde die Stadt sich auf Dauer aber nicht leisten können. Marc Hinz (AfD) ist der Ansicht, dass nicht jedes Kind sein vollständiges Potenzial auf der Regelschule abrufen könne. Für Andreas Eilers von der Wählergemeinschaft ist die Inklusion gescheitert, die Wahlfreiheit der Eltern sei das Wichtigste. Ein Moratorium, eine Nachdenkpause, müsse her. Wenn es nach Maren Rietschel (Grüne) geht, müsse die ganze Kraft in das „zarte Pflänzchen“ Resolution gesteckt werden. So wie Domenic Veltrup (BBL) sprachen sich mehrere Politiker dafür aus, eine Resolution in Sachen in Sachen Finanzierung zu stellen. Elternvertreterin Claudia Regel machte in der Einwohnerfragestunde aus ihrem Herzen keine Mördergrube: „Was passiert mit den Kindern? Es geht nur ums Geld. Das tut so weh.“